Vonovia: Verantwortung ist kein Halbtagsjob
am 26. März 2026, 11:20 Uhr
Stellungnahme von Carmen Wegge (Sprecherin der SPD-BT Fraktion für Recht und Verbraucherschutz), Hakan Demir (Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz) und Hendrik Bollmann zum Artikel des Spiegels vom 19.03.2026: „Deshalb macht Vonovia wieder riesige Gewinne“:
“Vonovia ist ein wichtiger Partner auf dem Wohnungsmarkt. Allen voran mit Innovationen im kostengünstigen, seriellen Bauen und Maßnahmen zur klimagerechten Sanierung.
Dennoch hinterlassen die jüngsten Geschäftszahlen des Unternehmens Fragezeichen. Als größtes europäisches Wohnungsunternehmen trägt Vonovia eine exponierte Vorbildfunktion gegenüber dem Rest des Marktes. Rendite muss mit der Wahrnehmung sozialer Verantwortung einhergehen. Das gilt besonders für die Vonovia, deren Geschichte und Gegenwart eng mit der Bezahlbarkeit des Wohnens verbunden ist. Während die Mehrheit der Deutschen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpft, steigert Deutschlands größter Wohnungskonzern die Mieten um 4,6 Prozent auf durchschnittlich 8,38 Euro pro Quadratmeter – und dies in einem Umfeld außenpolischer Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheit, in dem viele Familien bereits am Rande ihrer finanziellen Belastbarkeit leben und vor allem: weitere erhebliche Steigerungen der Lebenshaltungskosten befürchten müssen.
Mieterhöhungen mit abstrusen Begründungen wie Rasenflächen oder ÖPNV-Anbindung zu rechtfertigen, konterkarieren den eigenen Slogan „Wir geben Menschen ein Zuhause“. Denn zu einem Zuhause gehört Vertrauen. Wenn Wohnungsanbieter „innovativere“ Maßnahmen zur Umgehung des Mietrechts entwickeln, muss auch der Gesetzgeber „innovativer“ werden. Folglich ist die Anpassung des Mietrechts die notwendige Antwort. Mit dem Mietenpaket schließen wir deshalb jetzt Schutzlücken für Mieter und deckeln die Mietpreisanstiege bei Indexmieten.
Natürlich muss unternehmerisches Handeln auch im Wohnungssektor eine Rendite erzeugen. Gesellschaftliche Verantwortung im Wohnungsmarkt verlangt jedoch gleichermaßen, bezahlbaren Wohnraum zu sichern und Menschen gerade in diesen Zeiten Sicherheit zu geben.
Nach den immensen Mietssteigerungen der letzten Jahre in Berlin ist die temporäre Zurückhaltung weiterer Mieterhöhungen für die Menschen in diesem extremen Mietmarkt wichtig. Es legt aber auch den Verdacht einer gewissen Willkür nahe. Wie lange hält diese Zurückhaltung an? Ist sie nur den gesetzlichen Grenzen in Berlin geschuldet? Welches Signal ist es an andere Regionen in Deutschland, in denen viele Menschen ebenfalls unter enormen Druck stehen und in denen zugleich die Mieten weiter stärker als Inflation und Löhne steigen?
Bis 2029 will der Bund 23,5 Mrd. Euro für den sozialen Wohnungsbau und damit für bezahlbares Wohnen ausgeben. Steuergeld, das auch Vonovia nutzen wird – weil die Förderung Stütze und Stabilisator für den bezahlbaren Wohnungsbau darstellt. Auch angesichts dieses Kraftakts von Staat und Steuerzahler appellieren wir an Vonovia und andere Wohnungsunternehmen, ihre Verantwortung für das Gemeinwohl und Gewinnerzielungsabsichten in Balance zu halten.
Denn: Verantwortung ist kein Halbtagsjob.”