Eines meiner Lieblingsbuecher traegt den Titel "Vom
Schlechten des Guten" und stammt von dem Psychologen
und Erkenntnistheoretiker Paul Watzlawick. Es ist
ein kleines, einfach geschriebenes und daher prinzipiell
leicht zu lesendes Buechlein. Doch um es wirklich zu
verstehen, braucht man Ewigkeiten. Der Schluss dieses
Buches beinhaltet aus meiner Sicht nichts Geringeres
als den hoechsten Erkenntnisstand, den ein Mensch jemals
auf dieser Welt erzielen kann. Absolut begeisternd.
Doch ich habe tatsaechlich Jahre gebraucht, um die
wenigen einfachen Saetze in ihrer Bedeutung wirklich
zu verstehen.
An der Boerse laeuft es prinzipiell auch nicht anders.
Wir haben es mit einem auf den ersten Blick sehr
trivialen Geschehen zu tun. Nachrichten koennen gut,
schlecht oder neutral sein, und die Kurse koennen
steigen, fallen oder gleichbleiben. Eine simple
dreidimensionale Welt, wie wir sie in unserem Wohnzimmer
ebenfalls vorfinden.
Paul Watzlawick vertritt die These, dass zu viel des
Guten letztlich durchaus schlecht ist. Ich moechte an
dieser Stelle die umgekehrte These vertreten – die
durch ihre voellige Symmetrie mit Watzlawicks Ueberlegungen
natuerlich zu hundert Prozent mit ihnen konform geht –
und behaupte, dass gerade an der Boerse ein Zuviel des
Schlechten gerade gut ist! Schauen wir uns dazu einmal
die Entwicklung an den Finanzmaerkten im letzten
Vierteljahrhundert an:
Die siebziger Jahre wurde von einer zweistelligen
Inflationsrate ausgelaeutet, die sich aufgrund von
demografischen Effekten und Oelpreisschocks ergeben
hat. Das war natuerlich schlecht, denn die Inflation
vernichtet alle Werte – was unzweifelbar auf ein
baldiges Ende der Welt hindeutete. Als dann in der
US-Notenbank Paul Volcker ans Ruder kam, beschloss man,
die Inflation ruecksichtslos zu bekaempfen. Das war
natuerlich ebenfalls schlecht, denn die damit verbundenen
zweistelligen Zinssaetze stuerzten die Wirtschaft in eine
heftige Krise – was unzweifelbar auf ein baldiges Ende
der Welt hindeutete.
Anschliessend wurden die Zinsen wieder gesenkt. Das war
natuerlich ebenfalls schlecht, denn sinkende Zinsen
konnten durchaus ein Wiedererstarken der Inflation
bewirken – was unzweifelbar auf ein baldiges Ende
der Welt hindeutete. Doch erstaunlicherweise sanken
die Zinsen und die Inflation parallel. Das war
natuerlich ebenfalls schlecht, denn eine sinkende
Inflation ist nicht zu unterschaetzen, da sie ja
jederzeit wieder zum Leben erwachen kann – was
unzweifelbar auf ein baldiges Ende der Welt hindeutete.
Als die Zinsen und die Inflation schliesslich ihren
vorlaeufigen Tiefpunkt erreicht hatten, war das nicht
nur schlecht, sondern sogar hochgradig gefaehrlich.
Denn eine niedrige Inflation in Verbindung mit
niedrigen Zinsen kann durchaus bedeuten, dass das
gesamte System in eine Deflation abkippt. Und das
waere nun wirklich eine Katastrophe – was unzweifelbar
auf ein baldiges Ende der Welt hindeutet.
So ist es gewesen, und so wird es weitergehen bis
zum juengsten Tage. Das Leben ist an jedem Tag
lebensgefaehrlich und der Untergang der Welt ist
stets fuer die naechste Woche, den naechsten Monat
oder das naechste Jahr angekuendigt. Und trotzdem
passiert er nicht nur nicht, sondern man kann stets
sehr gutes Geld gewinnen, wenn man gegen ihn wettet.
(Was ueberhaupt die lukrativste Wette ist, denn wenn
man sie verliert, ist sowieso alles verloren.) Je mehr
Schlechtes es an der Boerse also gibt, umso besser.
Die Lage ist hoffnungslos – drum lasst uns ausgiebig feiern!
Quelle: doersam-briefe.de
So long,
Calexa
www.investorweb.de
Schlechten des Guten" und stammt von dem Psychologen
und Erkenntnistheoretiker Paul Watzlawick. Es ist
ein kleines, einfach geschriebenes und daher prinzipiell
leicht zu lesendes Buechlein. Doch um es wirklich zu
verstehen, braucht man Ewigkeiten. Der Schluss dieses
Buches beinhaltet aus meiner Sicht nichts Geringeres
als den hoechsten Erkenntnisstand, den ein Mensch jemals
auf dieser Welt erzielen kann. Absolut begeisternd.
Doch ich habe tatsaechlich Jahre gebraucht, um die
wenigen einfachen Saetze in ihrer Bedeutung wirklich
zu verstehen.
An der Boerse laeuft es prinzipiell auch nicht anders.
Wir haben es mit einem auf den ersten Blick sehr
trivialen Geschehen zu tun. Nachrichten koennen gut,
schlecht oder neutral sein, und die Kurse koennen
steigen, fallen oder gleichbleiben. Eine simple
dreidimensionale Welt, wie wir sie in unserem Wohnzimmer
ebenfalls vorfinden.
Paul Watzlawick vertritt die These, dass zu viel des
Guten letztlich durchaus schlecht ist. Ich moechte an
dieser Stelle die umgekehrte These vertreten – die
durch ihre voellige Symmetrie mit Watzlawicks Ueberlegungen
natuerlich zu hundert Prozent mit ihnen konform geht –
und behaupte, dass gerade an der Boerse ein Zuviel des
Schlechten gerade gut ist! Schauen wir uns dazu einmal
die Entwicklung an den Finanzmaerkten im letzten
Vierteljahrhundert an:
Die siebziger Jahre wurde von einer zweistelligen
Inflationsrate ausgelaeutet, die sich aufgrund von
demografischen Effekten und Oelpreisschocks ergeben
hat. Das war natuerlich schlecht, denn die Inflation
vernichtet alle Werte – was unzweifelbar auf ein
baldiges Ende der Welt hindeutete. Als dann in der
US-Notenbank Paul Volcker ans Ruder kam, beschloss man,
die Inflation ruecksichtslos zu bekaempfen. Das war
natuerlich ebenfalls schlecht, denn die damit verbundenen
zweistelligen Zinssaetze stuerzten die Wirtschaft in eine
heftige Krise – was unzweifelbar auf ein baldiges Ende
der Welt hindeutete.
Anschliessend wurden die Zinsen wieder gesenkt. Das war
natuerlich ebenfalls schlecht, denn sinkende Zinsen
konnten durchaus ein Wiedererstarken der Inflation
bewirken – was unzweifelbar auf ein baldiges Ende
der Welt hindeutete. Doch erstaunlicherweise sanken
die Zinsen und die Inflation parallel. Das war
natuerlich ebenfalls schlecht, denn eine sinkende
Inflation ist nicht zu unterschaetzen, da sie ja
jederzeit wieder zum Leben erwachen kann – was
unzweifelbar auf ein baldiges Ende der Welt hindeutete.
Als die Zinsen und die Inflation schliesslich ihren
vorlaeufigen Tiefpunkt erreicht hatten, war das nicht
nur schlecht, sondern sogar hochgradig gefaehrlich.
Denn eine niedrige Inflation in Verbindung mit
niedrigen Zinsen kann durchaus bedeuten, dass das
gesamte System in eine Deflation abkippt. Und das
waere nun wirklich eine Katastrophe – was unzweifelbar
auf ein baldiges Ende der Welt hindeutet.
So ist es gewesen, und so wird es weitergehen bis
zum juengsten Tage. Das Leben ist an jedem Tag
lebensgefaehrlich und der Untergang der Welt ist
stets fuer die naechste Woche, den naechsten Monat
oder das naechste Jahr angekuendigt. Und trotzdem
passiert er nicht nur nicht, sondern man kann stets
sehr gutes Geld gewinnen, wenn man gegen ihn wettet.
(Was ueberhaupt die lukrativste Wette ist, denn wenn
man sie verliert, ist sowieso alles verloren.) Je mehr
Schlechtes es an der Boerse also gibt, umso besser.
Die Lage ist hoffnungslos – drum lasst uns ausgiebig feiern!
Quelle: doersam-briefe.de
So long,
Calexa
www.investorweb.de