Umgang mit Geld
Die Bescherung von den Banken kommt für Kapitalanleger erst nach Neujahr. Dann werden die Vermögensaufstellungen per 31. Dezember den Kunden ins Haus geschickt. Die tun diesmal gut daran - bevor sie ihre persönliche Bilanz des Schreckens des Anlagejahres 2002 zur Kenntnis nehmen - einen Schnaps zu trinken. Selbst die Konservativsten unter den Anlegern dürften diesmal nicht ohne empfindliche Verluste davongekommen sein.
Konservative Anleger, die ihren Aktienanteil auf etwa ein Drittel der Gesamtdepots vorsorglich zurückgefahren hatten, dürften per Saldo dennoch einen Vermögensverlust von etwa 20 Prozent erlitten haben. Einbußen gab es nämlich sogar bei Festverzinslichen. Nicht wenige Sparer versuchten, mit hochprozentigen Exoten das Doppelte oder gar Dreifache der Verzinsung von Staatsanleihen herauszuholen. Es sei nur an den Flop der Argentinien-Anleihen erinnert. In der Schweiz sind die Bonds des Lieblingskindes der eidgenössischen Vermögensanlage, der Swissair, notleidend geworden. So ganz risikolos war also auch der Rentenmarkt im Anlagejahr 2002 nicht.
Mancher Sparer, der jetzt in einer ruhigen Stunde Überlegungen anstellt, ob es für ihn überhaupt vertretbar ist, Risiken beim Aktiensparen einzugehen - in der Hoffnung, mehr aus dem Geld machen zu können - wird jetzt vielleicht resignieren. Zweieinhalb Jahre rückläufiger Aktienkurse liegen nun hinter uns. Der Anleger hat die bittere Erfahrung machen müssen, daß die schönen Versprechungen, mit Aktien sei schnell viel Geld zu verdienen, wie ein Kartenhaus zusammengebrochen sind. Die Statistiker belehren uns, daß selbst im zehnjährigen Anlagehorizont von 1991 bis 2000 die Durchschnittsrenditen bei Aktienanlagen keineswegs alle hochgeschraubten Erwartungen erfüllten. Versprochen wurde, daß mit Aktien auf längere Sicht zwischen sieben und zehn Prozent jährlich ziemlich sicher zu verdienen sind. Jetzt krebsen die Prognostiker zurück. Eine so hohe Performance sei nur im viel längeren Anlagezeitraum von etwa 40 Jahren erreichbar. Aber: Nach 40 Jahren dürften die meisten Sparer von heute schon tot sein.
Die älteste schweizerische Privatbank Wegelin & Co. in St. Gallen hat nach einer "Bilanz der wilden Jahre am Aktienmarkt" die ketzerische Frage gestellt, ob nicht die Risikofähigkeit vieler Sparer weit überschätzt worden sei. Sie hätten sich - animiert von tüchtigen Verkäufern - viel zu weit in die gefährlichen Gewässer des Aktienozeans vorgewagt. Bei nüchterner Betrachtung müsse man heute zum Schluß kommen, daß Aktien "hochinteressant, zugleich aber auch brandgefährlich" für den Sparer seien. Wer Aktien kauft, dem erlaube der Markt zwar eine überproportionale Teilnahme am Wirtschaftswachstum. Im Extremfall könnte das Anlageabenteuer aber auch mit einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals enden.
Damit nicht genug der Tücken. Wenn es endlich wieder zu Kursgewinnen kommt - was die Hoffnung auf ein Ausbügeln vorausgegangener Kursverluste wecken könnte - geschehe der Umschwung zum Besseren meist blitzschnell, wissen die Bankexperten. Die Anleger blieben dann aber viel zu lange noch im Aufschwung skeptisch. Stiegen sie schließlich ein, hat ihnen der Markt wahrscheinlich schon die fettesten Happen einer Börsenhausse weggeschnappt. Und umgekehrt: Wenn es wieder abwärts geht, wird das der Durchschnittsanleger erst viel zu spät gewahr. Die schönen Gewinne seien dann bereits wie Butter in der Sonne abgeschmolzen.
Der Markt ist in der Tat vergleichbar mit dem Märchen vom Hasen und dem Igel. Die anderen waren schon immer früher da. Vor den erhofften Gewinn hat die Börse nun einmal das richtige Timing gesetzt, den optimalen Zeitpunkt zum jeweiligen Ein- und Ausstieg. Doch wer findet den schon? Das ist eine Kunst - oder ganz einfach Glück.
Die Bescherung von den Banken kommt für Kapitalanleger erst nach Neujahr. Dann werden die Vermögensaufstellungen per 31. Dezember den Kunden ins Haus geschickt. Die tun diesmal gut daran - bevor sie ihre persönliche Bilanz des Schreckens des Anlagejahres 2002 zur Kenntnis nehmen - einen Schnaps zu trinken. Selbst die Konservativsten unter den Anlegern dürften diesmal nicht ohne empfindliche Verluste davongekommen sein.
Konservative Anleger, die ihren Aktienanteil auf etwa ein Drittel der Gesamtdepots vorsorglich zurückgefahren hatten, dürften per Saldo dennoch einen Vermögensverlust von etwa 20 Prozent erlitten haben. Einbußen gab es nämlich sogar bei Festverzinslichen. Nicht wenige Sparer versuchten, mit hochprozentigen Exoten das Doppelte oder gar Dreifache der Verzinsung von Staatsanleihen herauszuholen. Es sei nur an den Flop der Argentinien-Anleihen erinnert. In der Schweiz sind die Bonds des Lieblingskindes der eidgenössischen Vermögensanlage, der Swissair, notleidend geworden. So ganz risikolos war also auch der Rentenmarkt im Anlagejahr 2002 nicht.
Mancher Sparer, der jetzt in einer ruhigen Stunde Überlegungen anstellt, ob es für ihn überhaupt vertretbar ist, Risiken beim Aktiensparen einzugehen - in der Hoffnung, mehr aus dem Geld machen zu können - wird jetzt vielleicht resignieren. Zweieinhalb Jahre rückläufiger Aktienkurse liegen nun hinter uns. Der Anleger hat die bittere Erfahrung machen müssen, daß die schönen Versprechungen, mit Aktien sei schnell viel Geld zu verdienen, wie ein Kartenhaus zusammengebrochen sind. Die Statistiker belehren uns, daß selbst im zehnjährigen Anlagehorizont von 1991 bis 2000 die Durchschnittsrenditen bei Aktienanlagen keineswegs alle hochgeschraubten Erwartungen erfüllten. Versprochen wurde, daß mit Aktien auf längere Sicht zwischen sieben und zehn Prozent jährlich ziemlich sicher zu verdienen sind. Jetzt krebsen die Prognostiker zurück. Eine so hohe Performance sei nur im viel längeren Anlagezeitraum von etwa 40 Jahren erreichbar. Aber: Nach 40 Jahren dürften die meisten Sparer von heute schon tot sein.
Die älteste schweizerische Privatbank Wegelin & Co. in St. Gallen hat nach einer "Bilanz der wilden Jahre am Aktienmarkt" die ketzerische Frage gestellt, ob nicht die Risikofähigkeit vieler Sparer weit überschätzt worden sei. Sie hätten sich - animiert von tüchtigen Verkäufern - viel zu weit in die gefährlichen Gewässer des Aktienozeans vorgewagt. Bei nüchterner Betrachtung müsse man heute zum Schluß kommen, daß Aktien "hochinteressant, zugleich aber auch brandgefährlich" für den Sparer seien. Wer Aktien kauft, dem erlaube der Markt zwar eine überproportionale Teilnahme am Wirtschaftswachstum. Im Extremfall könnte das Anlageabenteuer aber auch mit einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals enden.
Damit nicht genug der Tücken. Wenn es endlich wieder zu Kursgewinnen kommt - was die Hoffnung auf ein Ausbügeln vorausgegangener Kursverluste wecken könnte - geschehe der Umschwung zum Besseren meist blitzschnell, wissen die Bankexperten. Die Anleger blieben dann aber viel zu lange noch im Aufschwung skeptisch. Stiegen sie schließlich ein, hat ihnen der Markt wahrscheinlich schon die fettesten Happen einer Börsenhausse weggeschnappt. Und umgekehrt: Wenn es wieder abwärts geht, wird das der Durchschnittsanleger erst viel zu spät gewahr. Die schönen Gewinne seien dann bereits wie Butter in der Sonne abgeschmolzen.
Der Markt ist in der Tat vergleichbar mit dem Märchen vom Hasen und dem Igel. Die anderen waren schon immer früher da. Vor den erhofften Gewinn hat die Börse nun einmal das richtige Timing gesetzt, den optimalen Zeitpunkt zum jeweiligen Ein- und Ausstieg. Doch wer findet den schon? Das ist eine Kunst - oder ganz einfach Glück.