Value Investing eine Tautologie - einige Gedanken


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das Zentrum d.:

Value Investing eine Tautologie - einige Gedanken

 
01.07.01 13:26
Untätigkeit erscheint mir als intelligentes Verhalten. Weder wir noch die meisten Unternehmensmanager würden auch nur davon träumen, aufgeregt hochrentable Tochtergesellschaften zu verkaufen, weil eine kleine Bewegung beim Diskontsatz der Zentralbank vorausgesagt wurde oder irgendeine Wall-Street-Koryphäe ihre Ansicht über den Markt geändert hat. Warum sollten wir uns dann bei unseren kleineren Aktienanteilen an wundervollen Unternehmen anders verhalten? Die Kunst der erfolgreichen Investition in Publikumsgesellschaften unterscheidet sich wenig von der Kunst der erfolgreichen Übernahme von Tochtergesellschaften. In beiden Fällen will man einfach nur ein Unternehmen mit ausgezeichneten wirtschaftlichen Perspektiven und einem fähigen, ehrlichen Management zu einem vernünftigen Preis kaufen. Danach muss man nur noch überwachen, ob diese Eigenschaften erhalten bleiben.
Wenn eine Investitionsstrategie dieses Typs richtig umgesetzt wird, führt sie oft dazu, dass der Anwender ein paar Wertpapiere besitzt, die sich gut entwickeln und einen sehr großen Teil seines Portfolios ausmachen. Der Investor würde ein ähnliches Ergebnis erzielen, wenn er eine Strategie verfolge, die z.B. 20% der zukünftigen Einkünfte einer Anzahl herausragender Schul-Fußball-Stars erwirbt. Eine Handvoll von diesen würde es schaffen, Bundesliga-Stars zu werden, und der Anteil des Investors an ihren Einkünften würde bald den Strom seiner Tantiemen dominieren. Vorzuschlagen, dass dieser Investor Teile seiner erfolgreichsten  Investitionen verkaufen soll, nur weil sie sich gut entwickelt haben und jetzt sein Portfolio dominieren, wäre so, als würde man dem FC Bayern München vorschlagen, Oliver Kahn zu verkaufen, weil er für das Team so wichtig geworden ist.

Aber wie, werdet ihr jetzt fragen, entscheidet man, was „attraktiv“ ist? Die meisten Analysten meinen, für die Beantwortung dieser Frage zwischen zwei Ansätzen wählen zu müssen, die gewöhnlich als Gegensätze angesehen werden: „Wert“ (Value) und „Wachstum“ (Growth). In der Tat sehen viele institutionelle Anleger jede Vermischung dieser beiden Begriffe als eine Art intellektuellen Stilbruch an.
Ich sehe das als unscharfes Denken (worin ich mich, das muss ich gestehen, vor einigen Jahren selbst geübt habe). Meiner Meinung nach sind beide Ansätze untrennbar miteinander verbunden: Wachstum ist immer eine Komponente in der Berechnung des Wertes. Sie bildet eine Variable, deren Wichtigkeit von unbedeutend bis gewaltig reichen und deren Einfluss sowohl negativ als auch positiv sein kann.
Außerdem denke ich, dass der Begriff „Value Investing“ eine Tautologie ist. Was ist „Investieren“ sonst, wenn nicht der Akt des Suchens nach einem Wert, der zumindest ausreicht, um den bezahlten Betrag zu rechtfertigen? Bewusst mehr für eine Aktie zu bezahlen, als ihren berechneten Wert – in der Hoffnung, dass sie bald für einen noch höheren Preis verkauft werden kann -, sollte Spekulation genannt werden (die weder illegal noch unmoralisch noch – aus meiner Sicht – finanziell nahrhaft ist).
Ob angemessen oder nicht, der Begriff „Value Investing“ ist weit verbreitet. Üblicherweise bedeutet es den Kauf von Aktien mit Eigenschaften wie einem niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis, einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder einer hohen Dividendenrendite. Unglücklicherweise sind solche Merkmale, selbst wenn sie in Kombination auftreten, nicht im entferntesten entscheidend dafür, ob ein Investor tatsächlich etwas kauft, das seinen Preis wert ist, und deshalb wirklich gemäß dem Prinzip handelt, Value-orientiert zu investieren. Entsprechend sind die entgegengesetzten Merkmale – hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis, hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis und niedrige Dividendenrendite – in keiner Weise unvereinbar mit einem „wertorientierten“ Kauf.
In ähnlicher Weise sagt uns das Unternehmenswachstum per se wenig über den Wert. Es stimmt, dass Wachstum oft einen positiven Einfluss auf den Wert hat, manchmal sogar einen von spektakulärem Ausmaß. Aber ein solcher Einfluss ist alles andere als gewiss. Wachstum nütz dem Investor nur, wenn das betreffende Unternehmen zu verlockenden zusätzlichen Renditen investieren kann – mit anderen Worten: nur wenn jeder Euro, der für die Finanzierung des Wachstums eingesetzt wird, langfristig zu mehr als einem Euro Marktwert wird. Falls ein niedrig rentierendes Unternehmen zusätzliche Mittel benötigt, schadet Wachstum dem Investor.

Mit diesen Gedanken möchte ich mal den Sonntag auf eine etwas andere Art nutzen. Jeder hat Muße genug sich damit Heute auseinanderzusetzten oder eben halt nicht. Zumindest die Zeit ist an Tagen wie diesen für soetwas da. In diesem Sinne noch einen schönen Sonntagnachmittag mit einem hoffentlich spannenden Formel1-Rennen.

Viele Grüße aus
dem Zentrum der Macht
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das Zentrum d.:

komisch das etwas tiefsinnigere Gedanken zum Thema

 
01.07.01 17:05
Investmentstrategien und Philosophien keinen hier interessieren. Oder sollte ich da gar nicht so überrascht sein?
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ecki:

@dZDM

 
01.07.01 17:29
habe leider viel zu tun, also nur ganz kurz.
Was mir bei "value" einfach fehlt ist die Vernachlässigung der Investion in Zukunft.
Neue Geschäftsfelder, neue Ideen, sie benötigen auch Kapital und werden mit so einer Strategie komplett vernachlässigt. Nimm mal z.B. Cargolifter (mit Details kenne ich mich auch nicht aus). Tolle Idee, langer Atem nötig, aber Investoren (!) packen das an, und hoffen auf Rendite.
Wo soll für sowas Geld herkommen?
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das Zentrum d.:

ecki - aber das wird doch berücksichtigt !!

 
01.07.01 17:39
in dieser Strategie, wie übrigens bei allen anderen Investitionsentscheidungen auch, zählt einzig und allein der Barmittelfluß der für die Zukunft generiert werden kann. Und auch nur das ist von Interesse! Also vernachlässigt wird da überhaupt nichts - eher das Gegenteil ist der Fall.
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ecki:

Bei strategischen Investitionen ist oftmals

 
01.07.01 18:05
Der Umsatz auf Jahre =0 und der Gewinn auf Jahre negativ, da darfst du kein Geld hinlenken, das ist Risiko-Kapital im wahrsten Sinne.
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das Zentrum d.:

Da stimme ich dir voll zu !!!

 
01.07.01 18:14
Der Zeitraum des ROI (Return off Investment) ist entscheident. Und nur unter diesem Gesichtspunkt wird ein vernünftiger Unternehmer handeln. Also ich sehe da überhaupt keine Vernachlässigungen. Wer in Cargolifter investiert wird auch davon ausgehen sein Geld innerhalb einer bestimmten Frist mit guter Verzinsung zurückzubekommen.
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das Zentrum d.:

Was denn, ist doch zu viel für ein Sonntag ? :o( o.T.

 
01.07.01 21:30
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chartgranate:

Harte Sonntagskost

 
01.07.01 21:34
Im Großen und Ganzen stimme ich Deinen Gedankengängen zu,gebe jedoch zwei Punkte zu bedenken:
1.Dieser Ansatz spielt natürlich auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen.Zum Einen dem Invest im hier und jetzt ausschließlich basierend auf bereits existenten Fakten (neber den von Dir bereits aufgeführten Kennzahlen beziehe ich mich hier ausserdem auf jegliche wirtschaftlichen de facto Informationen und Zahlenmaterial zu denen ich als Investor zum Zeitpunkt der Anlage Zugang habe),also ein Gegenwarts-Investment auf der Basis von vergangenheitsbezogenen Informationen.Zum Anderen aber auch auf der Ebene eines Invests in eine zukunftsorientierte Sache deren Rentabilität nicht bereits bewiesen sondern aufgrund bevorstehender Entwicklungen und aus dem Kontext einer Unternehmens-und der zugehörigen Branchenstory abgeleitet und erwartet wird.Du sprichst diesen perspektifischen Invest auch an,aber hier drängt sich natürlich die Frage auf wie willst Du denn, bezugnehmend auf Deine Darstellung, zum Einen die "Fähigkeit und Ehrlichkeit"eines solchen Managements als bewiesenen Fakt verifizieren und zum Anderen diese Eigenschaften in ihrer kommenden Historie überwachen????Welche Person oder welche Institution kann das schon,es sei denn man ist Teil dieses Managements,und selbst dann kann man nur seine eigene Gedanken-und Motivationswelt kennen......

Perspektifischer Invest kann nicht auf bereits berechnetem Wert alleine basieren.Insofern bin ich mir über Deine Abgrenzung zwischen Value Invest,welchen du ja auch durchaus in der perspektifischen Zeitachse für möglich hälst,und Spekulation nicht ganz klar. Ist nicht jede perspektifische Sichtweise, welche unbewiesen im Jetzt bleibt, eine Spekulation,selbst wenn sich die positive Aussicht auf einer positiven Historie aufbaut??Ich glaube Value Invest und Spekulation schließen sich nicht aus.Spekulation gibt es in sehr unterschidliche Abstufungen und schlägt irgendwann in Zockerei und Spielerei um.Hier wäre für mich die Grenze zu sehen...
2.Deine Ansicht bzgl.der Veräusserung von gehaltenen Anteilen an einer profitablen Unternehmung ist mir ein wenig zu undifferenziert.Was ist wenn sich der Wertzuwachs des Unternehmens und somit auch der Wert seiner Beteiligung ab einem gewissen Zeitpunkt in seinem positiven Verlauf langsam abschwächt weil eine organische Grenze erreicht wird(ein absolut üblicher Verlauf der Dinge,jedes Modell ist endlich,bzws. in seiner Dynamik nicht permanent gleichlaufend)  oder die Parameter nach denen man die Erfolgskurve bemisst sich verändern??Ist dann nicht der Zeitpunkt eines Ausstieges gekommen wenn man eine neue Eerfolgsstory in einem wesentlich jüngeren Stadium erwischen und dort einsteigen kann??Um Dein Fussballbeispiel aufzufassen:was ist wenn die Profis in welche du hoch erfolgreich investiert hast irgendwann dann an ihrem Zenit ankommen und weitere Gehaltszuwächse unwahrscheinlich werden und somit der eigengewinn zwar vorhanden,aber stagnierend ist und zeitgleich neue Jungstars am Horizont auftauchen,welche eine ähnliche Erfolgsstory noch vor sich haben und ein Umswitchen der Beteiligungen zu einer noch besseren Vermehrung von bereits gutem Geld führt??Ich setze hierbei natürlich vorraus,daß die Geldquelle aus der heraus ich investiere nicht unendlich sprudelt.Beraubst Du Dich bei Deiner sehr starren Betrachtungsweise nicht der Chance rechtzeitig ein sicherlich gutes Investment nicht durch ein besseres ersetzen zu können?Selbst Oliver Kahn wird älter und dann schwächt sich seine "Wachstumsdynamik"genauso kontinuirlich wieder ab wie sie zuvor zunahm. Value Invest,als gedankliche Anlagephilosophie eine feste unveränderliche Größe, unterliegt somit während seiner direkten Umsetzung ständigen Zeitzyklen und der Investor muss eigentlich permanent die reale Umsetzung seiner Philosophie kritisch beleuchten und sich bei aller Liebe zu langfistigen Anlagehorizonten auch permanent für Veränderungen öffnen könne und sie auch durchführen wenn der jeweilige Punkt gekommen ist(dies ändert ja weder am Gesamtanlagehorizont noch an der eigentlichen Strategie nichts).
Zu guter letzt ist deine abschließende Feststellung bzgl.niedrig rentierender Unternehmen und zusäztlich benötigter Mittel meiner Meinung nach nicht unumstritten.Ist denn nicht genau dieser Vorgang nicht oft auch Basis von Börsengängen und war denn dann das daraus entstehende Wachstum so mancher Unternehmen wirklich schädlich für den Investor??Wie wertest Du dann die Microsoft oder Coca Cola-Story oder die vieler anderer Unternehmen?Im Rückblick war die Rentabilität dieser Unternehmen zum Zeitpunkt der Beschaffung von zusätzlichen Mitteln vergleichsweise extrem niedrig zu der daraus folgenden.
Anhand welcher Kriterien willst Du somit den Stand einer heutigen Unternehmensrentabilität beurteilen,um zu dem Schluss zu kommen das Beschaffung neuer Mittel dem Investor welcher sie gibt schadet??

Und das alles an einem lauen Sonntagabend.......  :-))
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das Zentrum d.:

weniger Text hätte mich enttäuscht :o) hehe

 
01.07.01 22:06
Spekulation bedeutet etwas wissentlich teurer zu kaufen als es tatsächlich Wert ist und darauf zu hoffen das ich es noch teurer verkaufen kann. Wert bedeutet aber in diesem Fall nicht nur die ausgesprochenen Fundamentals sondern bezieht Wachstum, Gewinnaussichten und Markenname mit ein. Deshalb ist die Aussage ja auch: Entsprechend sind die entgegengesetzten Merkmale – hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis, hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis und niedrige Dividendenrendite – in keiner Weise unvereinbar mit einem „wertorientierten“ Kauf.
Wie man für die Zukunft die Gewinne vorausberechnen kann, schreibe ich ein anderes Mal. Es ist in jedem Fall möglich, nur muß dabei auf die beibehaltung anderer Komponenten geachtet werden.

Was du in Punkt 2 schreibst ist zweifelsfrei richtig und gehört schon wieder in weiterführendes Thema. Nur soviel: Die zeitliche Dauer ist sicherlich begrenzt. Und wenn sich Chancen ergeben die eine höhere Rendite versprechen als das was wir besitzen, sollte man umsatteln. Aber nur weil das Wachstum nachläßt bestimmt nicht. Da dein Einstandspreis so gering ist, ist die Rendite unschlagbar groß. Nur wenn du Aussicht auf eine noch größere Rendite hast, macht es Sinn zu wechseln.

Was du zum Wachstum schreibst ist allerdings falsch. Coca Cola war zu Anfang kein Unternehmen in das man hätte investieren sollen. Erst das richtige Management, das es verstand aus jedem eingesetzten Dollar mehr als einen Dollar herauszuholen, machte Coca Cola zur Kursrakete für viele Jahre. Bei Mikrosoft war das positive Wachstum von Anfang an gegeben. Das ganze baut sich auf die Eigenkapitalrendite auf. Ist diese sehr gering, kann ein Unternehmen nur durch die Aufnahme von Fremdmitteln wachsen. Die Verschuldung steigt und der Wert des Unternehmens sinkt.

puh - das das noch so viel Text gibt heute Abend, hätte ich nicht erwartet. Mir fehlt jetzt ein wenig die Zeit zum Weiterschreiben, aber ich denke wir können die Diskussion später weiterführen, oder?
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das Zentrum d.:

viel zu wenig gelesen - oder verstanden? o.T.

 
13.08.01 15:03
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