SPIEGEL ONLINE - 10. Oktober 2001, 15:29
Krieg am Boden
USA wollen Spezialeinheiten nach Afghanistan schicken
Die USA planen offenbar den Einsatz von speziellen Bodentruppen in Afghanistan. Auch Militärschläge gegen Terroristen-Hochburgen auf den Philippinen, in Indonesien und Malaysia sollen im Gespräch sein.
EPA/DPA
Die Marine-Einheit Seals bei einer Übung
Washington - In US-Kreisen geht man laut "New York Times" davon aus, dass der Militärschlag auch auf terroristische Gruppen, die mit al-Qaida in Verbindung stehen, ausgedehnt wird. Wahrscheinliche Ziele sind die Philippinen, Indonesien und Malaysia. Einen genauen Zeitplan gebe es jedoch noch nicht. Ostasiatische Terror-Einheiten hätten ihre Tätigkeiten in den vergangenen Jahren ausgeweitet und mit Osama Bin Ladens Netzwerk Geld, Kämpfer und Material ausgetauscht.
Für die "Black Hawks" ist das jedoch Zukunftsmusik. Sie bereiten sich gerade für einen Spezialeinsatz in Afghanistan vor. Für schlechtes Wetter und Dunkelheit sind sie bestens gerüstet. Auch bei schwieriger Sicht können die Hubschrauber in geringer Höhe, doch mit hoher Geschwindigkeit fliegen - ideal, um in der Nacht Spezialeinheiten in Afghanistan abzusetzen. Nach den Bombenangriffen der vergangenen Tage wird nun erwartet, dass die Elitesoldaten eine tragende Rolle im Krieg gegen die Taliban und Osama Bin Laden übernehmen.
"Man wird vermutlich Hubschrauber sehen, die Spezialtruppen absetzen und wieder aufnehmen", sagt US-Senator John McCain, ein früherer Marinepilot. "Das Szenario einer umfassenden Bodeninvasion ist einfach nicht umzusetzen - aber man muss wohl auf dem Boden zuschlagen, um sicherzustellen, dass die Trainingslager und andere Einrichtungen von Terroristen ausgeschaltet werden."
In kleinen Gruppen könnten die amerikanischen Elitekämpfer die Spur des mutmaßlichen Terroristenführers Bin Laden aufnehmen. Das Ziel: ihn zu entführen oder zu töten. Dabei könnten sie auch Anti-Taliban-Kräfte unterstützen. Die Green Berets etwa könnten die Kämpfer der Nordallianz ausrüsten, ausbilden und ihnen taktische Kniffs verraten. Die Rückendeckung für die Opposition ist ein erklärtes Ziel der USA. Einige Spähtrupps sollen schon vor Ort sein. Für den Einsatz weiterer Spezialtruppen sind die Vorbereitungen getroffen.
Gefahren im Bergland
Auf der Suche nach Bin Laden müssten sie sich durchs afghanische Bergland schlagen, das zahllose Verstecke bietet. Die Kämpfer Bin Ladens und die Taliban kennen das Gelände weitaus besser und können dort ebenfalls in kleinen Gruppen operieren.
Der Aufenthaltsort Bin Ladens scheint nach wie vor unbekannt zu sein. Die US-Regierung geht aber davon aus, dass er sich noch in Afghanistan versteckt hält. Um ihn zu finden, müsste man jedoch auf einer Fläche von 512.000 Quadratkilometern jeden Stein umdrehen, meint ein Veteran des gescheiterten sowjetischen Afghanistan-Kriegs, General Ruslan Auschew.
Real Video: Die Rede des Suleiman Abu Gheith im Originalton
"Wenn wir auf der Grundlage guter Geheimdienstinformationen vorgehen, dann dürfte es darauf hinauslaufen, dass Kräfte wie die Delta Force versuchen werden, verdeckt hineinzugehen, ihn festzunageln und verdeckt hinauszugehen", sagt der pensionierte General Fred Woerner. Die Delta Force ist eine der insgesamt 29.000 Soldaten umfassenden Spezialtruppen, die unter anderem für Entführungen, Geiselbefreiungen und Angriffe auf kleinem Raum ausgebildet sind.
Neben der weitgehend geheim gehaltenen Delta Force und den Green Berets gehören auch die Rangers zu den Spezialtruppen der Armee. Ihnen könnte nach Angaben des ehemaligen Luftwaffenoberst Michael Haas die Aufgabe zugedacht sein, überraschende Überfälle auf Stützpunkte von Terroristen im afghanischen Bergland auszuführen. Die Seals (Sea, Air, Land) sind die "Geheimwaffe" der Marine. Auch die Luftwaffe hat ihre Sondereinheiten. "Sie sind wie ein Hammerschlag ins Gesicht", meint der Militärfachmann Andy Messing, selbst ehemaliger Major bei einer solchen Spezialeinheit. Einzelne Untergruppen tragen Namen wie Night Stalkers - ihr Motto: "Der Tod wartet im Dunkeln".
Krieg am Boden
USA wollen Spezialeinheiten nach Afghanistan schicken
Die USA planen offenbar den Einsatz von speziellen Bodentruppen in Afghanistan. Auch Militärschläge gegen Terroristen-Hochburgen auf den Philippinen, in Indonesien und Malaysia sollen im Gespräch sein.
EPA/DPA
Die Marine-Einheit Seals bei einer Übung
Washington - In US-Kreisen geht man laut "New York Times" davon aus, dass der Militärschlag auch auf terroristische Gruppen, die mit al-Qaida in Verbindung stehen, ausgedehnt wird. Wahrscheinliche Ziele sind die Philippinen, Indonesien und Malaysia. Einen genauen Zeitplan gebe es jedoch noch nicht. Ostasiatische Terror-Einheiten hätten ihre Tätigkeiten in den vergangenen Jahren ausgeweitet und mit Osama Bin Ladens Netzwerk Geld, Kämpfer und Material ausgetauscht.
Für die "Black Hawks" ist das jedoch Zukunftsmusik. Sie bereiten sich gerade für einen Spezialeinsatz in Afghanistan vor. Für schlechtes Wetter und Dunkelheit sind sie bestens gerüstet. Auch bei schwieriger Sicht können die Hubschrauber in geringer Höhe, doch mit hoher Geschwindigkeit fliegen - ideal, um in der Nacht Spezialeinheiten in Afghanistan abzusetzen. Nach den Bombenangriffen der vergangenen Tage wird nun erwartet, dass die Elitesoldaten eine tragende Rolle im Krieg gegen die Taliban und Osama Bin Laden übernehmen.
"Man wird vermutlich Hubschrauber sehen, die Spezialtruppen absetzen und wieder aufnehmen", sagt US-Senator John McCain, ein früherer Marinepilot. "Das Szenario einer umfassenden Bodeninvasion ist einfach nicht umzusetzen - aber man muss wohl auf dem Boden zuschlagen, um sicherzustellen, dass die Trainingslager und andere Einrichtungen von Terroristen ausgeschaltet werden."
In kleinen Gruppen könnten die amerikanischen Elitekämpfer die Spur des mutmaßlichen Terroristenführers Bin Laden aufnehmen. Das Ziel: ihn zu entführen oder zu töten. Dabei könnten sie auch Anti-Taliban-Kräfte unterstützen. Die Green Berets etwa könnten die Kämpfer der Nordallianz ausrüsten, ausbilden und ihnen taktische Kniffs verraten. Die Rückendeckung für die Opposition ist ein erklärtes Ziel der USA. Einige Spähtrupps sollen schon vor Ort sein. Für den Einsatz weiterer Spezialtruppen sind die Vorbereitungen getroffen.
Gefahren im Bergland
Auf der Suche nach Bin Laden müssten sie sich durchs afghanische Bergland schlagen, das zahllose Verstecke bietet. Die Kämpfer Bin Ladens und die Taliban kennen das Gelände weitaus besser und können dort ebenfalls in kleinen Gruppen operieren.
Der Aufenthaltsort Bin Ladens scheint nach wie vor unbekannt zu sein. Die US-Regierung geht aber davon aus, dass er sich noch in Afghanistan versteckt hält. Um ihn zu finden, müsste man jedoch auf einer Fläche von 512.000 Quadratkilometern jeden Stein umdrehen, meint ein Veteran des gescheiterten sowjetischen Afghanistan-Kriegs, General Ruslan Auschew.
Real Video: Die Rede des Suleiman Abu Gheith im Originalton
"Wenn wir auf der Grundlage guter Geheimdienstinformationen vorgehen, dann dürfte es darauf hinauslaufen, dass Kräfte wie die Delta Force versuchen werden, verdeckt hineinzugehen, ihn festzunageln und verdeckt hinauszugehen", sagt der pensionierte General Fred Woerner. Die Delta Force ist eine der insgesamt 29.000 Soldaten umfassenden Spezialtruppen, die unter anderem für Entführungen, Geiselbefreiungen und Angriffe auf kleinem Raum ausgebildet sind.
Neben der weitgehend geheim gehaltenen Delta Force und den Green Berets gehören auch die Rangers zu den Spezialtruppen der Armee. Ihnen könnte nach Angaben des ehemaligen Luftwaffenoberst Michael Haas die Aufgabe zugedacht sein, überraschende Überfälle auf Stützpunkte von Terroristen im afghanischen Bergland auszuführen. Die Seals (Sea, Air, Land) sind die "Geheimwaffe" der Marine. Auch die Luftwaffe hat ihre Sondereinheiten. "Sie sind wie ein Hammerschlag ins Gesicht", meint der Militärfachmann Andy Messing, selbst ehemaliger Major bei einer solchen Spezialeinheit. Einzelne Untergruppen tragen Namen wie Night Stalkers - ihr Motto: "Der Tod wartet im Dunkeln".