Travelers Companies (WKN A0MLX4) ist für mich zum Stand 12. April 2026 keine billige Aktie mehr, aber weiterhin eine der hochwertigsten Versicherungsaktien im US-Markt. Der letzte verfügbare Schlusskurs lag bei 297,26 US-Dollar am 10. April 2026, weil der 12. April ein Sonntag war. Die Zahlen zum ersten Quartal 2026 lagen an diesem Stichtag noch nicht vor; Travelers hatte ihre Veröffentlichung erst für den 16. April angekündigt. Das ist wichtig, weil man die Aktie deshalb auf Basis des sehr starken Geschäftsjahres 2025 beurteilen muss und nicht auf Basis neuer Quartalsdaten. (investor.travelers.com)
Travelers ist ein klassischer Sach- und Unfallversicherer mit sehr langer Historie. Die Wurzeln reichen auf die 1850er- und 1860er-Jahre zurück: Travelers selbst wurde 1864 gegründet, St. Paul Fire and Marine noch früher. 2004 schlossen sich St. Paul und Travelers zusammen, 2007 wurde daraus der heutige Name The Travelers Companies, Inc. Diese Geschichte ist nicht nur dekorativ, sondern erklärt viel vom heutigen Unternehmen: Travelers ist kein hipper Wachstumswert, sondern ein über Jahrzehnte geformter Risiko- und Kapitalallokateur. (Travelers)
Das Geschäftsmodell ist breit, aber nicht beliebig. Travelers verdient sein Geld vor allem in drei Blöcken: Business Insurance, Personal Insurance sowie Bond & Specialty Insurance. 2025 schrieb der Konzern netto 44,387 Milliarden US-Dollar an Prämien; davon entfielen 22,679 Milliarden auf Business Insurance, 17,446 Milliarden auf Personal Insurance und 4,262 Milliarden auf Bond & Specialty Insurance. Verkauft wird überwiegend über unabhängige Agenten und Makler, ergänzt durch Direkt- und Affinity-Kanäle. Genau diese Mischung aus Größe, Vertriebspartnern, Datentiefe und Underwriting-Disziplin ist der eigentliche Burggraben des Unternehmens. Travelers selbst bezeichnet sich zudem als führenden Anbieter von Property-Casualty-Versicherungen für Auto, Haus und Gewerbe, ist Mitglied im Dow Jones Industrial Average, beschäftigt mehr als 30.000 Menschen und erzielte 2025 knapp 49 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Fundamental war 2025 ein sehr gutes Jahr. Travelers erzielte 48,828 Milliarden US-Dollar Umsatz, 43,914 Milliarden US-Dollar verdiente Prämien, 6,288 Milliarden US-Dollar Nettogewinn und 6,325 Milliarden US-Dollar Core Income. Das entspricht 27,43 US-Dollar verwässertem Gewinn je Aktie beziehungsweise 27,59 US-Dollar Core-Gewinn je Aktie. Die Combined Ratio lag bei starken 89,9 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 21,0 Prozent und die Core Return on Equity bei 19,4 Prozent. Besonders wichtig: Der operative Cashflow erreichte mit 10,606 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert. Das ist bei Versicherern oft aussagekräftiger als eine isolierte Gewinnzahl, weil hier sichtbar wird, ob das Underwriting wirklich Geld druckt.
Auch die Qualität innerhalb der Segmente überzeugt. Business Insurance kam 2025 auf eine Combined Ratio von 91,7 Prozent und blieb damit solide profitabel. Bond & Specialty Insurance war mit 81,9 Prozent herausragend und ist für mich das Kronjuwel des Konzerns. Personal Insurance verbesserte sich deutlich auf 89,5 Prozent, obwohl gerade dieses Geschäft besonders anfällig für Wetterereignisse, Kfz-Schadentrends und regulatorische Eingriffe ist. Dass alle drei Sparten 2025 profitabel waren, ist kein Zufall, sondern ein Zeichen für sauberes Pricing und diszipliniertes Zeichnen von Risiken.
Die Bilanz ist ebenfalls stark. Travelers verfügte Ende 2025 über 101,18 Milliarden US-Dollar an Investments, davon 94 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren und kurzfristigen Anlagen. Das Fixed-Income-Portfolio hatte im Schnitt die Bonitätsqualität Aa2, nur 1,2 Prozent waren unter Investment Grade, und die effektive Duration lag bei 4,7 Jahren. Dazu kommt ein Debt-to-Capital-Verhältnis von 21,2 Prozent ohne unrealisierten Anlageverlusten im Eigenkapital, also komfortabel innerhalb des selbst gesetzten Zielkorridors. AM Best bestätigte im August 2025 für die wichtigsten Tochtergesellschaften das Financial Strength Rating A++ mit stabilem Ausblick. Für einen Versicherer ist das genau die Art Bilanzqualität, die man sehen will: konservativ, liquide und robust genug, um auch schlechte Schadenjahre auszuhalten.
Travelers ist außerdem sehr aktionärsfreundlich. 2025 wurden insgesamt 4,18 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurückgegeben, davon 3,20 Milliarden über Aktienrückkäufe und 987 Millionen über Dividenden. Im Januar 2026 genehmigte der Vorstand zusätzliche 5 Milliarden US-Dollar für Rückkäufe; nach dem Verkauf des kanadischen Privatkundengeschäfts und großer Teile des kanadischen Gewerbegeschäfts an Definity für rund 2,4 Milliarden US-Dollar will Travelers etwa 0,7 Milliarden US-Dollar der Nettoerlöse zusätzlich für Rückkäufe 2026 verwenden. Die Zahl der ausstehenden Aktien sank bereits von 226,6 Millionen auf 217,5 Millionen. Das ist kein kosmetischer Nebeneffekt, sondern ein echter Werttreiber pro Aktie.
Ein oft unterschätzter Punkt ist die operative Modernisierung. Management und Investor-Relations-Unterlagen zeigen klar, dass Travelers nicht nur ein alter Versicherer mit rotem Regenschirm ist, sondern ein datengetriebenes Unternehmen, das 2025 mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar in KI und andere Technologieinitiativen investiert hat. Gleichzeitig formuliert das Management seit Jahren als strategisches Ziel eine Core-ROE im mittleren Zehnerbereich über die Zeit. Das passt ins Bild: Travelers wächst nicht spektakulär durch Disruption, sondern durch bessere Selektion, präzisere Preise, effizientere Schadenbearbeitung und disziplinierte Kapitalsteuerung. Genau so entstehen bei Versicherern dauerhafte Überrenditen. (investor.travelers.com)
Die Risiken darf man trotzdem nicht kleinreden. Travelers selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass veränderte Klimabedingungen die Häufigkeit und Schwere von Naturkatastrophen wahrscheinlich erhöht haben und künftig weiter erhöhen können. 2025 beliefen sich die Katastrophenschäden konzernweit auf 3,69 Milliarden US-Dollar; sie stammten vor allem aus den kalifornischen Waldbränden im Januar 2025 sowie aus schweren Wind- und Hagelereignissen in mehreren Bundesstaaten. Dazu kommen Haftungs- und Reservierungsrisiken, soziale Inflation im US-Schadenrecht, regulatorische Eingriffe in besonders belasteten Märkten und mögliche Belastungen etwa über den California FAIR Plan. Bei Versicherern ist der größte Fehler immer derselbe: ein außergewöhnlich gutes Jahr für einen neuen Dauerzustand zu halten. Genau das sollte man hier nicht tun.
Bei der Bewertung wird es deshalb spannend. Auf Basis des Schlusskurses von 297,26 US-Dollar wird Travelers aktuell mit rund dem 10,8-Fachen des 2025er Core-Gewinns bewertet. Das entspricht etwa dem 1,97-Fachen des Buchwerts je Aktie von 151,21 US-Dollar und dem 1,88-Fachen des bereinigten Buchwerts je Aktie von 158,01 US-Dollar. Die annualisierte Dividende von 4,40 US-Dollar bringt nur etwa 1,5 Prozent Rendite; die Ausschüttungsquote auf Basis des Core-EPS liegt dafür bei nur rund 16 Prozent. Anders gesagt: Travelers ist kein Dividenden-Schnäppchen, sondern eine Qualitätsaktie, bei der der Hauptteil des Aktionärsertrags aus Underwriting, Kapitalerträgen und Rückkäufen kommt.
Meine fairen Kursziele sind deshalb nicht aggressiv. Im pessimistischen Fall, also bei normalisierten, schwächeren Schadenjahren und etwas niedrigerer Bewertungsbereitschaft des Marktes, komme ich auf etwa 270 bis 280 US-Dollar je Aktie. Im Basisszenario halte ich rund 315 bis 325 US-Dollar für angemessen. Im optimistischen Fall, also bei weiter sehr guter Underwriting-Qualität, anhaltend hohem Kapitalrückfluss und einer Premiumbewertung für Qualität, sind etwa 345 bis 360 US-Dollar drin. Diese Spanne leite ich grob aus 10- bis 13-fachem Core-EPS beziehungsweise etwa 1,7- bis 2,2-fachem bereinigten Buchwert ab. Das Entscheidende dabei ist: Bei knapp 300 US-Dollar sehe ich keine klare Unterbewertung mehr, aber auch keine absurde Übertreibung. Die Aktie ist eher fair bis leicht ambitioniert bewertet.
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre gefällt mir Travelers trotzdem gut. Der Konzern hat über die vergangenen Jahre gezeigt, dass er Buchwert und Gewinn pro Aktie auch durch schwierige Versicherungszyklen hindurch steigern kann; in der offiziellen Präsentation wird für das Core-EPS von 2016 bis 2025 ein Wachstum von 10,12 auf 27,59 US-Dollar und damit ein CAGR von 11,8 Prozent ausgewiesen. Ich würde für die Zukunft vorsichtiger rechnen und eher mit hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Gesamtrenditen pro Jahr kalkulieren, nicht mit Wunderzahlen. Das reicht aber völlig, wenn die Qualität hoch bleibt. Mein Fazit lautet daher: Travelers ist kein Turnaround, kein Deep-Value-Fall und keine Rakete. Travelers ist ein sehr gut geführter Qualitätsversicherer mit starkem Underwriting, solider Bilanz, kluger Kapitalallokation und guten Chancen, auch in den kommenden 5 bis 15 Jahren ein verlässlicher Wertschaffer zu bleiben. Für einen Neueinstieg ist die Aktie heute eher eine Qualitätsposition zum vernünftigen, aber nicht billigen Preis. Für langfristige Anleger ist das immer noch attraktiv.
Autor: ChatGPT