NexGel ist für mich Stand 17. April 2026 keine klassische Qualitätsaktie, sondern eine hochspekulative Microcap-Sondersituation. Das Unternehmen stellt wasserreiche, elektronstrahlvernetzte Hydrogele her, die in Wundversorgung, Diagnostik, transdermaler Wirkstoffabgabe und Kosmetik eingesetzt werden, und betreibt heute vier Geschäftslinien: Contract Manufacturing, Custom & White Label, Consumer Branded Products sowie Medical Devices/Other. Zum letzten verfügbaren Kursstand lag die Aktie bei 0,6312 US-Dollar, die Marktkapitalisierung bei rund 19,7 Mio. US-Dollar. Für mich ist das eine Wette auf Skalierung und Finanzierung, nicht auf bereits bewiesene Stabilität.
Die Geschichte ist dabei interessanter, als die winzige Börsenkapitalisierung vermuten lässt. NexGel wurde 2009 in Delaware gegründet, firmierte früher als AquaMed Technologies und änderte den Namen im November 2019 in NexGel. Ab 2020 begann der strategische Umbau weg vom reinen Zulieferer hin zu eigenen Marken und White-Label-Produkten. An die Nasdaq kam das Unternehmen Ende Dezember 2021 mit einem IPO über 14,2 Mio. US-Dollar; der Handel startete am 22. Dezember 2021. Danach folgten kleinere Zukäufe und Strukturmaßnahmen: Kenkoderm kam Ende 2023 hinzu, Silly George im Mai 2024, und Ende 2025 wurde das Drug-Delivery-Thema in NexGelRx ausgelagert, wobei NexGel eine 19,99%-Beteiligung und eine 5%-Royalty auf künftige Verkäufe behielt.
Operativ sieht man auf den ersten Blick echten Fortschritt. Der Umsatz stieg von 4,1 Mio. US-Dollar im Jahr 2023 auf 8,7 Mio. US-Dollar 2024 und 11,4 Mio. US-Dollar 2025. Gleichzeitig sprang die Bruttomarge von 9,1% auf 31,6% und dann auf 39,5%. Das ist nicht kosmetisch, das ist real. Es zeigt, dass die Kombination aus Consumer-Brands, White-Label und Packaging/Conversion besser skaliert als das alte, engere Modell. Auf dem aktuellen Börsenwert handelt die Aktie damit nur etwa beim 1,7-fachen des 2025er Umsatzes. Rein auf Umsatzbasis ist die Aktie also nicht teuer. Das Problem ist nur: billig ist bei Microcaps oft nicht gleich günstig.
Der Haken ist die Ergebnisqualität. 2025 lag der operative Verlust immer noch bei 3,35 Mio. US-Dollar, der den NexGel-Aktionären zurechenbare Nettoverlust bei 3,0 Mio. US-Dollar. Noch wichtiger: In der Segmentbetrachtung war das CG-Labs-Joint-Venture 2025 mit 275 Tsd. US-Dollar operativ positiv, während das eigentliche NexGel-Segment operativ 3,63 Mio. US-Dollar verlor. Anders gesagt: Das Kerngeschäft ist noch nicht bewiesen profitabel. Positiv ist wiederum, dass 2025 und 2024 kein einzelner Kunde mehr mehr als 10% des Umsatzes ausmachte. Gleichzeitig standen aber Ende 2025 50% der Forderungen bei nur einem Kunden. Das ist für so ein kleines Unternehmen kein Totalschaden, aber eben auch kein beruhigendes Bild. Immerhin bekam NexGel im Juli 2025 von STADA 1 Mio. US-Dollar nicht verwässerndes Kapital zur Unterstützung geplanter Produkteinführungen.
Die eigentliche Schwachstelle ist die Bilanz und Finanzierung. Per 31. Dezember 2025 hatte NexGel nur 317 Tsd. US-Dollar frei verfügbare liquide Mittel; weitere 741 Tsd. US-Dollar waren als Partnership Restricted Cash gebunden. Der operative Cash-Abfluss lag 2025 trotz Verbesserung noch bei 1,31 Mio. US-Dollar. Das Management selbst und der Abschlussprüfer verweisen ausdrücklich auf erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit. Dazu kommen wesentliche Schwächen im internen Kontrollsystem. Und es gibt noch einen unschönen Punkt: Im selben 10-K stehen für den 31. März 2026 zwei unterschiedliche Aktienzahlen, einmal 8.475.693 Stück auf dem Cover und einmal 8.163.458 Stück im Abschnitt zu den Aktionären. Das ist für eine sauber geführte Microcap schlicht kein gutes Signal.
Genau deshalb hängt die Aktie derzeit fast komplett an der Celularity-Transaktion. NexGel vereinbarte Anfang März 2026 den Erwerb bzw. die exklusive Lizenzierung eines Portfolios kommerzieller regenerativer Biomaterialprodukte von Celularity. Laut Unternehmen würde das den Jahresumsatz auf rund 35 Mio. US-Dollar etwa verdreifachen und die Gesellschaft direkt nach Closing profitabel machen. Das wäre transformativ. Aber: Die ursprüngliche Finanzierungsstruktur über den zuvor angekündigten Securities Purchase Agreement-Investor wird laut Mitteilung vom 15. April 2026 gerade nicht mehr für diese Transaktion genutzt. Stattdessen verhandelt NexGel mit einer anderen Investorengruppe über eine neue Finanzierungsstruktur. Am 17. April wurde der Update-Call dann auf den 21. April 2026 vorgezogen. Mit anderen Worten: Der Deal ist Stand 17. April nicht gescheitert, aber auch nicht gesichert.
Meine Kursziele kann ich deshalb nur szenariobasiert und für die nächsten 12 bis 18 Monate seriös angeben, nicht als glatte Punktprognose. Im Negativszenario, also wenn Celularity platzt oder nur über sehr teure Verwässerung finanzierbar ist und das Bestandsgeschäft weiter Kapital verbrennt, sehe ich die Aktie eher bei 0,20 bis 0,35 US-Dollar. Im Basisszenario, also wenn NexGel ohne großen Befreiungsschlag weiter wächst, die Marge etwas verbessert, aber die Finanzierungslage angespannt bleibt, sehe ich eher 0,60 bis 1,00 US-Dollar. Im positiven Szenario, also wenn Celularity zu vertretbaren Konditionen schließt, die Integration funktioniert und die versprochene Profitabilität tatsächlich in Zahlen auftaucht, halte ich 1,50 bis 2,50 US-Dollar für erreichbar. Diese Spannweite ist absichtlich groß, weil der entscheidende Werttreiber hier nicht ein stabiles Ist-Geschäft ist, sondern ein noch nicht abgeschlossener Sprung in eine andere Größenordnung.
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre ist das Bild zweigeteilt. Im guten Langfristszenario baut NexGel aus seiner Hydrogel-Kompetenz, seinen Consumer-Marken und möglicherweise den Celularity-Biomaterialprodukten eine kleine, aber profitable Spezialplattform mit echter Nischenstärke. Das ist prinzipiell möglich, zumal das Management nach eigener Aussage in einer technologisch engen Nische arbeitet und das Unternehmen laut eigener Einschätzung einer von nur zwei Herstellern mit Elektronenstrahl-Technologie für High-Performance-Hydrogele ist. Im schlechten Langfristszenario bleibt NexGel aber genau das, was viele Microcaps bleiben: ein Unternehmen mit ordentlicher Story, aber chronischem Kapitalbedarf, wiederholter Verwässerung und zu schwacher interner Qualität, um daraus dauerhaft Aktionärswert zu machen. Ein exaktes 10- oder 15-Jahres-Kursziel wäre hier nicht belastbar. Meine nüchterne Gesamteinschätzung lautet daher: operativ interessanter als der Kurs vermuten lässt, aber bilanziell und transaktionsseitig deutlich fragiler, als es viele Spekulanten wahrhaben wollen. Ich würde NXGL deshalb nicht als Investment, sondern nur als strikt begrenzte Spekulation betrachten.
Autor: ChatGPT