US-Ökonom fordert rasche Steuersenkungen in Europa

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US-Ökonom fordert rasche Steuersenkungen in Europa

 
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ftd.de, Sa, 6.10.2001, 14:24

US-Ökonom fordert rasche Steuersenkungen in Europa
Von Birgit Marschall, Berlin

Die Staaten der Europäischen Union sollten nach Auffassung des amerikanischen Spitzenökonomen Rüdiger Dornbusch dem Beispiel der US-Regierung folgen und zügig ein Steuersenkungsprogramm auflegen.

"Es ist an der Zeit, den bisher zu passiven Kurs der europäischen Finanzpolitik zu überdenken. Jetzt wäre die Chance da, in der Finanzpolitik flexibler zu werden", sagte Dornbusch der Financial Times Deutschland (Montagsausgabe). Vor allem die Unternehmenssteuern sollten "so rasch wie möglich gesenkt werden".

Der deutschstämmige Ökonom gilt international als einer der führenden Währungstheoretiker. Seit 1975 lehrt der Autor zahlreicher makroökonomischer Lehrbücher am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston.


Anders als die USA müssten die EU-Staaten ihre bereits hohe Verschuldung berücksichtigen, sagte Dornbusch. "Steuersenkungen in Europa müssen mit der verbindlichen Zusage einhergehen, dass die Staatsausgaben konsequent gekürzt werden, wenn die konjunkturelle Schwächephase überwunden ist", sagte Dornbusch. Er räumte ein, dass dies in der Realität häufig nicht geschehe und Staatsschulden im Aufschwung kaum abgebaut würden. Dennoch könne nur die antizyklische Finanzpoltik die richtige Antwort auf eine drohende Rezession in Europa sein.



EU darf nicht lange warten


Die Steuersenkungen müssten nach Ansicht Dornbuschs rasch in Kraft treten, da sie andernfalls ihre expansive Wirkung verfehlen könnten. "Die EU darf sich nicht allzu lange Zeit lassen", sagte der US-Ökonom. Die Rücknahme der Steuersätze würde der Politik auch die Chance eröffnen, spätere Haushaltskürzungen zu rechtfertigen.


Heftig kritisierte Dornbusch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr. Angesichts des geringen Inflationsrisikos in Europa hätte sie längst mit beherzteren Zinssenkungen auf die Schwächephase reagieren müssen. "Die Europäische Zentralbank muss künftig sehr viel aktiver werden", sagte Dornbusch. Die EZB hatte ihre Leitzinsen seit Mai bislang in drei Schritten um insgesamt 100 Basispunkte auf 3,75 Prozent gesenkt. Dagegen nahm die US-Notenbank ihre Zinsen seit Jahresbeginn in neun Schritten um insgesamt 400 Punkte auf 2,5 Prozent zurück.


Die EZB hatte ihren zurückhaltenden Kurs auch mit Inflationsrisiken begründet. Diese Interpretation der Lage nannte Dornbusch "absurd". Die rückläufige Nachfrage im In- und Ausland habe das Inflationsrisiko bereits deutlich verringert und werde es weiter minimieren. Falsch sei auch, dass die EZB auf das Geschehen an den Aktienmärkten kaum Rücksicht nehmen wolle. "Was passiert, wenn man die Märkte ignoriert, zeigt das Beispiel Japans", sagte Dornbusch. In Japan hatte die Zentralbank zunächst nur zögerlich auf die Konjunkturkrise reagiert. Jetzt gebe es in Japan keine Möglichkeit mehr, die Krise mit konjunkturpolitischen Maßnahmen zu bekämpfen, sagte Dornbusch.



US-Wirtschaft wird weiter schrumpfen


Dornbusch rechnete in den USA im vierten Quartal des Jahres mit einer weiteren Schrumpfung der Wirtschaftsleistung. Auch im dritten Quartal dürfte die Veränderungsrate des BIP negativ gewesen sein. Spätestens im zweiten Quartal 2002 werde sich die US-Konjunktur aber bereits wieder erholt haben. "Die USA sind aus allen ihren Rezessionen immer mit Hilfe expansiver geld- und finanzpolitischer Maßnahmen herausgekommen. Das wird auch diesmal so sein", sagte Dornbusch. Das geplante Konjunkturpaket der US-Regierung sei "genau die richtige Dosis, die wir jetzt brauchen". Die europäische Konjunktur werde dem US-Zyklus folgen.



© 2001 Financial Times Deutschland


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