US Notenbank, Kurswechsel


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US Notenbank, Kurswechsel

 
12.12.05 10:05
HANDELSBLATT, Montag, 12. Dezember 2005, 09:41 Uhr


Geldpolitik


US-Notenbank ändert den Kurs


Von Torsten Riecke


In der amerikanischen Geldpolitik zeichnet sich eine Richtungsänderung ab. Zwar wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auch morgen aller Voraussicht nach den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte auf dann 4,25 Prozent erhöhen. Es wäre die 13. Zinserhöhung in Folge seit Juni 2004. Es spricht jedoch vieles dafür, dass die Fed ihre Erklärung und damit ihren künftigen Kurs ändern wird. Grund dafür ist, dass die Notenbank das von ihr angepeilte konjunkturneutrale Zinsniveau offenbar fast erreicht hat und die Zeit kontinuierlicher Zinssteigerung somit zu Ende geht.


NEW YORK. In der amerikanischen Geldpolitik zeichnet sich eine Richtungsänderung ab. Zwar wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auch morgen aller Voraussicht nach den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte auf dann 4,25 Prozent erhöhen. Es wäre die 13. Zinserhöhung in Folge seit Juni 2004. Es spricht jedoch vieles dafür, dass die Fed ihre Erklärung und damit ihren künftigen Kurs ändern wird. Grund dafür ist, dass die Notenbank das von ihr angepeilte konjunkturneutrale Zinsniveau offenbar fast erreicht hat und die Zeit kontinuierlicher Zinssteigerung somit zu Ende geht.

„Ich rechne mit einer Kurskorrektur in zwei Schritten“, sagt David Wyss, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in New York. Zunächst werde die Fed vermutlich deutlich machen, dass die stimulierende Wirkung der Geldpolitik „weitgehend“ durch die vorangegangenen Zinssteigerungen abgebaut worden sei. Wyss sieht das konjunkturneutrale Zinsniveau, das weder bremsend noch stimulierend auf die Wirtschaft wirkt, „zwischen vier und 4,5 Prozent“. In einem zweiten Schritt Ende Januar werde die Notenbank dann wahrscheinlich auch die Voraussage streichen, wonach die restriktive Geldpolitik in einem „maßvollen Tempo“ fortgesetzt werden müsse.

Damit würden die zwei wichtigsten Elemente des bisherigen geldpolitischen Kurses aus dem Fahrplan der Fed entfernt. Es wäre zugleich die wichtigste Änderung seit August 2003, als die Notenbanker damit begannen, ihren jeweils nächsten Schritt den Finanzmärkten deutlich zu signalisieren. Bereits auf ihrer letzten Sitzung Anfang November hatten die US-Notenbanker über die Notwendigkeit diskutiert, ihren Kurs neu zu bestimmen.

Dass die Fed unberechenbarer wird, da ihre Führung von Alan Greenspan auf Ben Bernanke übergeht, ist nicht ohne Ironie und Risiko. Tritt der neue Notenbank-Chef doch mit dem erklärten Ziel an, die Geldpolitik transparenter und somit auch berechenbarer zu machen. Bernanke, der am 1. Februar das Steuer übernimmt, würde durch die Kurskorrektur zwar mehr Handlungsfreiheit erhalten. Auf den Finanzmärkten könnte die Nervosität jedoch steigen, wenn zum Führungswechsel auch noch ein Kurswechsel in der Zinspolitik hinzukäme. „Solche Wendepunkte in der Zinspolitik sorgen meist für mehr Schwankungen auf den Märkten“, sagt Ethan Harris, Chefvolkswirt der Investmentbank Lehman Brothers in New York.




Harris rechnet anders als viele Investoren an der Wall Street nicht damit, dass die Fed die Zinszügel schon bald lockern wird. „Die Notenbank will auf keinen Fall das Signal geben: Der Job ist erledigt“, sagt der Ökonom. Es sei ein Fehler, die Geldpolitik nur an der Höhe des Leitzinses zu messen. Tatsächlich hätten die 13 Zinserhöhungen die Geldversorgung der US-Wirtschaft kaum beeinträchtig. Die Kreditbedingungen seien immer noch außerordentlich günstig.

Diese Einschätzung deckt sich auch mit dem von der Investmentbank Goldman Sachs erstellten Financial Condition Index, der sich seit Beginn der Leitzinserhöhungen durch die Fed nur um 0,2 Prozentpunkte nach oben bewegt hat. Jan Hatzius, neuer Chefvolkswirt bei Goldman, rechnet denn auch damit, dass die Notenbank die Zinsschraube auf bis zu fünf Prozent anziehen könnte. Auch der scheidende Fed-Chef Greenspan hat vergangene Woche gewarnt, zu viel Gewicht auf die Idee eines konjunkturneutralen Zinsniveaus zu legen. Sein Kollege Michael Moskow, Fed-Präsident in Chicago, machte zudem deutlich, dass die Fed gezwungen sein könnte, die Zinsen über die neutrale Marke hinaus anzuheben.

Angesichts eines kräftigen Wirtschaftswachstums von 4,3 Prozent im vergangenen Quartal gibt es nach Meinung vieler Ökonomen gute Gründe für die Fed, die Inflation im Auge zu behalten.

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