US-Justiz blockiert Oracle


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US-Justiz blockiert Oracle

 
27.02.04 08:54
Poeplesoft atmet auf
US-Justiz blockiert Oracle  

Die US-Kartellbehörden wollen die Übernahme des US-Softwarekonzerns Peoplesoft durch Oracle auf gerichtlichem Weg verhindern.

Das Justizministerium teilte am Donnerstag in Washington mit, die feindliche Übernahme von Peoplesoft durch Oracle würde den Wettbewerb am Markt für betriebswirtschaftliche Software beeinträchtigen, weil dadurch einer der drei großen Akteure vom Markt verschwinden würde. Deswegen werde ein Gericht ersucht, die geplante Übernahme zu untersagen.

Der Klage hätten sich mehrere US-Bundesstaaten angeschlossen. Während Oracle der Klage die faktische und rechtliche Grundlage absprach, forderte PeopleSoft den Wettbewerber zur Rücknahme seines zuletzt auf 9,4 Mrd. US-Dollar aufgestockten Angebots auf.

Oracle will die angekündigte Klage des US-Justizministeriums anfechten. "Die Behauptung des Ministeriums, es gebe lediglich drei Anbieter, die den Bedarf großer Unternehmen decken, passt nicht zu der Realität eines sehr konkurrenzfähigen, dynamischen und sich schnell wandelnden Marktes", hieß es in einer am Donnerstag verbreiten Erklärung des SAP-Konkurrenten. Oracle-Sprecher Jim Finn bezeichnete dagegen die Entscheidung des Ministeriums als Ergebnis einer intensiven Lobbyarbeit des PeopleSoft-Managements.

Die am Donnerstag bekannt gewordene Entscheidung des Justizministeriums war nach Meinung von Analystenen keine große Überraschung mehr. Die Frage sei nur gewesen, ob Oracle vor Gericht gegen das Ministerium antreten werde.

Oracle hatte sein Angebot für PeopleSoft mehrmals erhöht. Das PeopleSoft-Direktorium hatte aber auch die jüngste, auf 26 Dollar je Aktie erhöhte Oracle-Offerte zurückgewiesen. PeopleSoft forderte in einer Mitteilung Oracle auf, nach der Entscheidung des Ministeriums seine Offerte zurückzuziehen.

Oracle ist auf dem Markt für betriebswirtschaftliche Software bisher zweitgrößter Anbieter hinter der deutschen SAP gewesen. PeopleSoft hatte aber im Juli selbst den kleineren Software-Hersteller J.D. Edwards gekauft und damit Oracle den Platz hinter SAP streitig gemacht.
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hjw2:

Auch Orakel können irren

 
20.03.04 17:22

Auch Orakel können irren
Gescheiterter Übernahmeversuch im IT-Bereich 
 
Von Martin Brust 
 
Die Übernahmepläne des US-Softwareriesen Oracle beschäftigt mittlerweile die Justiz. Damit dürften sie erledigt sein.
Das Orakel von Delphi äußerte sich meist zweideutig – ein Trick, den Wahrsagerinnen und Horoskop-Verfasser noch heute beherrschen, um mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit eintreffende Prognosen abzugeben. Der US-Konzern Oracle hatte Anfang Juni 2003 dagegen eine eindeutige Vorhersage abgegeben: Er wollte seinen Konkurrenten Peoplesoft im Zuge einer feindlichen Übernahme schlucken.
Oracle und Peoplesoft stellen Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen her und sind Konkurrenten des deutschen Marktführers SAP. Oracle und Peoplesoft rangeln um den zweiten Platz. Nur vier Tage, nachdem Peoplesoft die Übernahme des Wettbewerbers JD Edwards angekündigt hatte, gab Oracle sein feindliches Angebot für Peoplesoft ab.
Der gesamte Markt ist derzeit in Bewegung, denn das von den drei Marktführern dominierte Großkundengeschäft erscheint weitgehend gesättigt. Die Softwarehersteller schielen jetzt vermehrt nach kleinen und mittleren Unternehmen, hier kommen allerdings neue Konkurrenten ins Spiel – die beiden Börsenaspiranten SSA Global und Salesforce.com, die britische Sage oder auch Microsoft.


Es ist ungewöhnlich, dass sich eine Übernahme derart lange hinzieht wie der Versuch Oracles. Das Angebot von 16 Dollar pro Peoplesoft-Aktie wurde sofort zurückgewiesen. Zwei Wochen später erhöhte Oracle auf 19,50 Dollar. Auch diese Offerte war wenig erfolgreich – das Management lehnte es ab, und auch nur ein kleiner Teil der Aktionäre ging darauf ein. Peoplesoft wehrt sich unter anderem mit dem Rückkauf eigener Aktien und mit großzügigen Garantien für Neukunden: Diese dürfen das Zwei- bis Fünffache des Kaufpreises für den Fall zurückverlangen, dass nach einer Übernahme die Produktlinien von Peoplesoft eingestellt werden. Oracle dürfte dies gut eine Milliarde Dollar kosten. Im Februar hat der Konzern noch mal drauf gepackt und ein bis Ende Juni befristetes Angebot von 26 Dollar abgegeben. Das ergibt einen Gesamtwert von über neun Milliarden Dollar. Solche Summen kann sich Oracle leisten – schon Ende November wies der Konzern 8,1 Milliarden Barmittel aus. Im ersten Quartal 2004 kletterte der Umsatz um 9 Prozent und der Gewinn sogar um 11 Prozent auf 635 Millionen Dollar. Besonders erfolgreich waren die für die Zukunft wichtigen Bereiche Lizenzeinnahmen und Neukundengeschäft, das wichtig für nachfolgende Erlöse aus Dienstleistungen und Updates ist.
US-Analysten bezeichnen das aktuelle Übernahmeangebot als »endlich angemessen«. Dagegen scheinen die Peoplesoft-Aktionäre es als nicht ausreichend zu finden – der aktuelle Börsenkurs liegt nur knapp darunter. Zudem hat das US-Justizministerium dieser Tage entschieden, die Übernahme gerichtlich verbieten zu lassen. Es befürchtet, dass ein Zusammenschluss von Oracle und Peoplesoft zu höheren Preisen sowie zu weniger Wettbewerb, Auswahl und Innovation führen werde. Diese Ansicht will das Ministerium im Prozess auch durch Aussagen von Kunden belegen. Da mit einem Urteil kaum vor Ende der Frist zu rechnen ist, dürfte dies die Unsicherheit der Peoplesoft-Aktionäre enorm erhöhen. Oracle hat eine Klage gegen die Klage der US-Behörde angekündigt und argumentiert, dass bei den Großkunden der Markt sowieso schon gesättigt sei und die Konkurrenz im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen viel stärker sei.
Auch die EU-Kommission wendet sich auf Grund der starken Marktmacht der beiden Unternehmen gegen die Übernahmepläne. Wie ein Sprecher Brüssels gegenüber ND sagte, kooperieren die hiesigen Behörden mit denen in den USA.
Mit den aktuellen Entwicklungen dürfte die Übernahme gescheitert sein. Das Orakel wird sich wohl nicht erfüllen.

(ND 20.03.04)

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