Washington, 19. Jun (Reuters) - In den USA mehren sich die
Hinweise auf eine konjunkturelle Erholung. Der am Donnerstag
veröffentlichte Index der Frühindikatoren für die
wirtschaftliche Aktivität stieg im Mai deutlicher als erwartet
und überdies so stark wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr.
Außerdem fielen Arbeitsmarktdaten etwas besser aus als erwartet.
Angesichts der der anhaltend schwachen Investitionstätigkeit
der Unternehmen warnten Volkswirte allerdings vor übertriebenem
Optimismus. An der Wall Street lösten die Konjunkturdaten keine
Euphorie aus, da sie Händlern zufolge in den jüngsten kräftigen
Kursgewinnen schon vorweggenommen sind. Die Börsenbarometer
tendierten schwächer. Der Dollar hingegen legte nach
Veröffentlichung der Zahlen vorübergehend zu. Die US-Währung
profitierte dabei auch von besser als erwartet ausgefallenen
Daten zum US-Leistungsbilanzdefizit.
Der Index der Frühindikatoren des
Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board, der Hinweise
auf die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft in den
kommenden Monaten gibt, legte im vergangenen Monat um 1,0
Prozent auf 111,6 Zähler zu. Das war der stärkste Zuwachs seit
Dezember 2001. Analysten hatten im Durchschnitt einen geringeren
Anstieg um 0,6 Prozent prognostiziert, nachdem der Index im
April um 0,1 Prozent zugelegt hatte.
Nahezu anderthalb Jahre nach Ende der Rezession deute das
Konjunkturbarometer auf eine wirtschaftliche Erholung hin, sagte
der Chefvolkswirt des Conference Board, Ken Goldstein. "Aber die
Gefahren, die in den ersten fünf Monaten des Jahres präsent
waren, sind nicht völlig verschwunden. Dazu gehört hauptsächlich
das fehlende Vertrauen der Unternehmen." Christopher Wiegand von
Salomon Smith Barney ergänzte: "Wir sehen langsam eine Erholung
der Nachfrage, sinkende Kapitalkosten, und die neuen
Steueranreize werden sicherlich auch helfen." Unklar sei aber
insbesondere, wann die erhoffte Belebung bei den
Geschäftsinvestitionen einsetze.
LAGE AM ARBEITSMARKT WEITERHIN ANGESPANNT
Die wöchentlichen Arbeitsmarktzahlen fielen besser aus als
von Volkswirten prognostiziert, unterstreichen Experten zufolge
zugleich aber die weiterhin angespannte Beschäftigungslage. So
ging die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe die
zweite Woche hintereinander zurück. Vergangene Woche fiel sie
zur Vorwoche um 13.000 auf 421.000, wie das Arbeitsministerium
mitteilte. Analysten hatten im Schnitt eine höhere Zahl von
426.000 Anträgen prognostiziert. "Die einzige gute Nachricht
ist, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt nicht dramatisch
verschlechtert", sagte Oscar Gonzalez von John Hancock Financial
Services.
Die US-Aktienmärkte werden seit mehr als drei Monaten von
der Hoffnung auf einen baldigen Konjunkturaufschwung beflügelt.
Zahlreiche Marktbeobachter haben aber mittlerweile die Sorge,
dass die Wirtschaft sich nicht schnell genug erholt, um die in
den Kursen bereits enthaltenen Erwartungen zu rechtfertigen.
Das Defizit in der US-Leistungsbilanz stieg nach Angaben des
Handelsministeriums im ersten Quartal auf einen Rekordwert von
136,11 Milliarden Dollar nach 128,59 Milliarden Dollar im
Vorquartal. Die Leistungsbilanz ist die umfassendste Messgröße
für den internationalen Handel einer Volkswirtschaft. Sie
berücksichtigt nicht nur den grenzüberschreitenden Güter- und
Dienstleistungsaustausch, sondern auch den Investitionsfluss und
Transferzahlungen.
Zur Finanzierung des an den Devisenmärkten derzeit viel
beachteten Defizits sind die USA auf massive Kapitalströme aus
dem Ausland angewiesen. Bleiben diese aus, droht eine deutliche
Abwertung des Dollar. Der wachsende Fehlbetrag belastet bereits
seit längerem den Wechselkurs der US-Währung insbesondere zum
Euro.
mer/sws