US-Broker E-Trade vor Start in Deutschland


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US-Broker E-Trade vor Start in Deutschland

 
08.11.01 06:54
INTERVIEW -

US-Broker E-Trade vor Start in Deutschland

 
Der zweitgrößte US-Online-Broker E-Trade will am Donnerstag auch in Deutschland an den Start gehen und dort in zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben. "Wir wollen innerhalb von 24 Monaten in Deutschland die Gewinnzone erreichen", sagte der Vorstandchef von E-Trade Deutschland, Torsten Zibell, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. In zwei bis drei Jahren wolle E-Trade einer der führenden Direktbanken in Deutschland sein. Kooperationen mit Konkurrenten wie ConSors oder der Comdirect Bank seien nicht geplant. E-Trade werde aber Übernahmen prüfen, wenn sich die Gelegenheit bietet, sagte Zibell. Das Angebot von E-Trade Deutschland ist von diesem Donnerstag an unter "www.etrade.de" erreichbar. Damit startet die US-Bank in einem nicht ganz einfachen Umfeld in den deutschen Markt. Im April war die Onlinebank Systracom geschlossen worden, auch die irische Direktbank First-e hatte im Herbst das Geschäft eingestellt. Im ersten Schritt wolle E-Trade den Zugang zu den aktiven Anlegern bekommen, die E-Trade in Deutschland heute schon kennen würden, sagte Zibell. "Unser Anspruch ist im Augenblick nicht, kurzfristig exorbitante Kontenzahlen zu generieren, sondern hier ein gesundes Wachstum anzustreben". Angaben zu den geplanten Kunden- und Kontenzahlen wollte Zibell nicht machen. Das Marketingbudget wolle E-Trade aber aufgrund der aktuellen Marktsituation im laufenden Jahr ersteinmal moderat halten. Dirk Piethe, Marketingleiter für Deutschland sagte, E-Trade werde sich nicht ausschließlich auf eigene Marketingmaßnahmen beschränken, sondern auch über Kooperationen und Allianzen mit Online- und Offlineanbietern entsprechend an den Markt gehen. Wenn die Marktbedingungen besser würden, werde E-Trade auch im Marketing aggressiver auftreten. Zibell sagte, in Deutschland sei E-Trade eine zugelassene Vollbank und habe somit auch die rechtlichen Voraussetzungen, um Bankdienstleistungen anzubieten. Diese Möglichkeit wolle E-Trade nach dem Start in Deutschland nach und nach wahrnehmen und im Bereich der Bankdienstleistungen weitere Produkte anbieten, insbesondere im Bereich des Passiv-Geschäftes. Nach den Worten von Zibell bietet E-Trade in Deutschland drei Kontopakete mit jeweils unterschiedlichen Informationsangeboten und Software-Werkzeugen für verschiedene Anlegertypen an. Im Rahmen des mehrwährungsfähigen Depotkontos sei unter anderem auch der Handel mit US-Aktien an allen führenden amerikanischen Börsen möglich. Zudem könnten E-Trade-Kunden aus einem Angebot von über 4000 Investmentfonds auswählen. Zibell zufolge ist E-Trade in Deutschland der einzige Anbieter, der eine Suchfunktion für festverzinsliche Wertpapiere anbietet. Zibell sagte, E-Trade ziele auf eine weltweite Strategie, zu der eine internationale Präsenz und damit auch der Markteintritt in Deutschland gehöre. Deutschland sei zwar ein schwieriger Markt, E-Trade bringe aber bis zu zehn Jahre Erfahrung in diesem Geschäft mit. Zudem habe E-Trade auch die finanzielle Stärke, um in Deutschland erfolgreich zu sein und habe sich sehr sorgfältig auf den Markteintritt vorbereitet. E-Trade habe in den vergangenen fünf Quartalen immer schwarze Zahlen geschrieben. "Unsere Strategie ist es, nicht so schnell wie möglich in den Markt zu kommen, viel wichtiger ist für uns im Augenblick, dass wir mit einem soliden Produktangebot in den Markt einsteigen. Letztlich ist für uns ein mittel- bis langfristiger Erfolg wichtiger", sagte Zibell. Messlatte sei nicht die Anzahl der Kunden und Konten, wichtig sei, wie aktiv die Kunden sind. Über die Zahl der E-Trade-Mitarbeiter in Deutschland wollte Zibell keine Angaben machen. Er sagte lediglich: "Wir brauchen im Augenblick keine Riesenmannschaft". Der Zeitpunkt für den Markteintritt ist aus seiner Sicht gut gewählt. "Ich denke, wir haben den Boden an den Aktienmärkten gesehen, die Bereitschaft zu investieren steigt zunehmend." Im Moment konzentriere sich E-Trade bei den Ländern, in denen das Unternehmens bereits vertreten sei, auf eine Verstärkung der Produkttiefe und in Deutschland auf den Start des Geschäfts. 13 Prozent der Einnahmen seien bei E-Trade im dritten Quartal aus dem internationalen Geschäft gekommen. E-Trade sei nach dem Start in Deutschland in zwölf Ländern auf vier Kontineneten vertreten. "Kein Mensch braucht einen neuen Online-Broker - Gut dass wir ein Alter sind", mit diesem Motto wolle E-Trade in Deutschland an den Start gehen, sagte Zibell.
Reuters

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