Washington, 25. Apr (Reuters) - Nach dem Ende der
Kampfhandlungen im Irak hellt sich die Stimmung der
US-Verbraucher allmählich wieder etwas auf.
Im ersten Quartal hatte dagegen die Unsicherheit im Vorfeld
des Krieges die Ausgaben der Verbraucher und Unternehmer und
damit das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft noch spürbar
gedämpft. Der geringer als erwartet ausgefallene Anstieg des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) belastete am Freitag die
US-Aktienmärkte und den Dollar, während die Anleihe-Kurse etwas
anzogen.
Der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan
erholte sich im April deutlich von seinem Zehnjahrestief im
Vormonat. Wie aus New Yorker Finanzkreisen verlautete, stieg das
von Anlegern und Volkswirten viel beachtete Konjunkturbarometer
nach endgültigen Berechnungen der Universität auf 86,0 (erste
Schätzung 83,2) Punkte. Im März hatte der Index mit 77,6 Zählern
noch den niedrigsten Stand seit September 1993 verzeichnet.
Volkswirte hatten im Schnitt mit 84,8 Zählern gerechnet.
Die Michigan-Zahlen bestätigen die Ergebnisse anderer
Verbraucherumfragen in diesem Monat: Die Amerikaner sind
erleichtert, dass die Kämpfe im Irak weitgehend vorüber sind und
erwarten nun eine Belebung der Wirtschaft. Analysten warnten
allerdings vor übertriebenen Hoffnungen. Eine verbesserte
Stimmung der Verbraucher bedeute nicht zwingend, dass diese dann
auch verstärkt einkauften. Außerdem liege der Michigan-Index im
historischen Vergleich noch auf einem niedrigen Niveau, sagte
Volkswirtin Nancy Vanden Houten von Stone & McCarthy Research
Associates. Das Vertrauen werde relativ schwach bleiben, bis
sich die Wirtschaft wirklich erhole.
US-BIP SCHWÄCHER GESTIEGEN ALS ERWARTET
Das US-BIP stieg im ersten Vierteljahr zum Vorquartal
saisonbereinigt mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von
1,6 Prozent nach 1,4 Prozent in den letzten drei Monaten 2002,
wie das Handelsministerium auf Basis vorläufiger Berechnungen
mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem stärkeren
Wachstum von 2,3 Prozent gerechnet.
Verbraucher und Unternehmer hielten sich im ersten
Vierteljahr mit Ausgaben zurück, was Analysten vor allem auf die
Unsicherheit im Vorfeld des am 20. März begonnen Irak-Kriegs und
die zahlreichen Schneestürme in einigen Teilen der USA
zurückführten. Die Konsumausgaben, die rund zwei Drittel der
US-Wirtschaftsleistung ausmachen, stiegen lediglich um 1,4
Prozent und damit so wenig wie seit dem zweiten Quartal 2001
nicht mehr. Die Investitionen der Unternehmen gingen um 4,2
Prozent zurück nach einem Anstieg um 2,3 Prozent in den letzten
drei Monaten 2002. Experten gehen davon aus, dass die
US-Wirtschaft erst bei einer Erholung der Investitionsnachfrage
wieder kräftig an Fahrt gewinnen kann.
An der Wall Street veranlassten die BIP-Zahlen die
Investoren zu verstärkten Gewinnmitnahmen nach der
Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen. Die Börsenbarometer
tendierten im New Yorker Vormittagshandel schwächer. Auch der
Dollar reagierte mit Kursverlusten, der Euro kletterte wieder
über 1,10 Dollar. Händler sagten, die BIP-Zahlen hätten den
jüngsten Optimismus der Anleger wieder etwas gedämpft. Zuletzt
waren einige US-Konjunkturindikatoren besser als erwartet
ausgefallen und hatten an den Märkten Hoffnungen auf eine
baldige Erholung aufkommen lassen.
mer/phi