Millionen-Abfindungen
Ackermann und Zwickel droht Anklage
Wegen dem Mannesmann-Vodafone-Deal sind die Chefs von Deutscher Bank und IG Metall in den Verdacht der Untreue geraten.
Bewilligten den Millionensegen aus der Mannesmann-Konzernkasse: Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel. (dpa )
Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will gegen den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, den IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie fünf weitere Beschuldigte Anklage wegen Verdachts der Untreue erheben. Dies verlautete aus Düsseldorfer Justizkreisen.
Gegen alle Beschuldigten wird wegen der Affäre um die mehr als hundert Millionen Mark betragenden Abfindungen bei der Übernahme des Telefonkonzerns Mannesmann durch den Konkurrenten Vodafone im Jahr 2000 ermittelt. Die Beschuldigten können dazu noch bis zum 16. August Stellung nehmen. Die Anklage gilt aber als sicher.
Größte Übernahme der deutschen Wirtschaft
In zweijähriger Ermittlungsarbeit rollte eine aus Staatsanwälten und Spezialisten des Düsseldorfer Landeskriminalamts zusammengesetzte Sonderkommission „EK Mannesmann“ die Hintergründe der größten Übernahmeschlacht in der deutschen Wirtschaftsgeschichte auf.
Anfang Februar 2000 war Mannesmann von dem britischen Mobilfunkkonzern Vodafone nach einem drei Monate dauernden Machtpoker übernommen worden. Für die Rekordsumme von 188 Milliarden Dollar hatte Vodafone die Aktienmehrheit erworben.
Millionensegen aus der Mannesmann-Kasse
Für einige Führungskräfte von Mannesmann, die sich der Übernahme lange widersetzt hatten, gab es danach einen Millionensegen aus der Mannesmann-Konzernkasse.
Die Zuwendungen wurden von einem vierköpfigen Ausschuss des Aufsichtsrats bewilligt, dem neben Ackermann und Zwickel der damalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und der Vorsitzende des Konzern-Betriebsrats Jürgen Ladberg angehörten.
90 Millionen Mark für Esser
Allein Mannesmann-Chef Klaus Esser erhielt – einschließlich Abfindung – etwa 60 Millionen Mark aus der Mannesmannkasse. Weitere 30 Millionen Mark zahlte der damalige Mehrheitsaktionär, der weltweit agierende Mischkonzern Hutchison Whampoa, an ihn.
Nach Feststellungen der Ermittler hatte der Konzern bei dem Übernahmekampf zwischen Dezember 1999 und Februar 2000 mit Mannesmann-Aktien einen Kursgewinn von etwa acht Milliarden Euro erzielt und etwa 4,5 Milliarden Euro gleich realisiert.
Essers Team bekam eine Art Anerkennungsprämie von 31 Millionen Mark. Für 18 pensionierte Vorständler, darunter drei frühere Arbeitsdirektoren sowie die Angehörigen verstorbener Vorstandsmitglieder, wurden weitere 60 Millionen Mark ausbezahlt.
Kein Hinweis auf Bestechung
Die Ermittler gingen zunächst dem Verdacht nach, die hohen Summen hätten möglicherweise zur Kapitulation der Manager von Mannesmann geführt. Dieser Verdacht hat sich jedoch nicht bestätigt.
Nach den Ermittlungen haben die Mannesmann-Manager bis zuletzt versucht, eine Übernahme zu verhindern. Es gibt keinen seriösen Hinweis auf Bestechung.
Allerdings kursierten bereits im Dezember 1999 erste Pläne bei Mannesmann, wie Mitglieder des Vorstands, Vorstands-Pensionäre und leitende Mitarbeiter im Fall einer Niederlage finanziell abgesichert werden könnten.
Belohnung für den Verlust der Selbstständigkeit
Nachdem Mannesmann dann mit Zustimmung von Esser seine Selbstständigkeit verloren hatte, wurden nach Ansicht der Strafverfolger unrechtmäßig Zahlungen aus der Konzernkasse genehmigt.
Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um Zahlungen handelte, die sich nicht am Unternehmensinteresse Mannesmanns orientierten. Auch sei fraglich, ob die Beschlüsse korrekt zu Stande gekommen seien, da Zahlungsverpflichtungen weder erkennbar noch nachvollziehbar seien.
Unverhältnismäßig hohe Prämien bezahlt
Bemerkenswert finden die Ermittler, dass sich die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG gegen die Abwicklung der Zahlungen sträubte, weil diese rechtswidrig sein könnten.
In Vermerken wies die KPMG darauf hin, die hohen Anerkennungsprämien stünden möglicherweise in keinem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des einzelnen Vorstandsmitglieds. Womöglich liege eine „Pflichtverletzung des Aufsichtsrats“ vor.
Die KPMG verlor ihr Prüfungsmandat und wurde durch eine Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft ersetzt, mit der Vodafone bereits zusammengearbeitet hatte.
Mit deutschen Übernahme-Sitten nicht vertraut
Der Fall ist brisant wegen der Verwicklung von Ackermann und Zwickel. Im Fall einer Anklage gilt es als möglich, dass beide zurücktreten müssen.
Der Schweizer Staatsbürger Ackermann hat in einer für die Ermittler bestimmten Erklärung bereits darauf hingewiesen, dass er mit den deutschen Gepflogenheiten bei solchen Übernahmen nicht so vertraut gewesen sei.
SZ