"Unternehmen Amerika"
kämpft um sauberes Image
Der Ruf der US-Unternehmenslandschaft steht nun wirklich auf dem Spiel. Nach dem Enron-Kollaps und dem Skandal um Tyco International machte in der vergangenen Woche dann auch noch WorldCom Negativ-Schlagzeilen. “Plötzlich” tauchte ein Loch von 3,8 Milliarden Dollar in der Bilanz des Telekommunikationsunternehmens auf, der Konzern muss die Bankrotterklärung fürchten.Weltweit wurden die Finanzmärkte erneut erschüttert, die Indizes verloren rund um den Globus an Wert. Investoren schütteln nur noch den Kopf, die immer wieder auftauchende Hoffnung auf eine Erholung der US-Börsen muss ein weiteres Mal auf Eis gelegt werden. Angesichts der Mängel beim Corporate Governance und des anhaltenden Krieges gegen den Terrorismus fragt sich die Mehrheit der Anleger derzeit wohl: Warum sich überhaupt noch um Aktien kümmern? Wall Streets Analysten würden antworten: Wer selektiv vorgeht, kann aus Aktien immer noch Kapital schlagen.
Analysten setzen auf Old-Economy
Dabei sind sich die Aktien-Strategen in zwei Dingen einig: Alles hängt von einer Erholung der US-Wirtschaft ab, die soll nach jüngsten Schätzungen nun spätestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres einsetzen. Zweitens sollten Investoren den Traum eines Comeback der High-Techs zunächst einmal aufgeben. Auch wenn sich die US-Wirtschaft erholen wird, bis mindestens ins Jahr 2003 hinein sollten die Gewinne der New-Economy-Unternehmen die Anleger enttäuschen. Kein Wunder also, dass das Gros der Analysten auf Sektoren der Old-Economy setzt.Rohstoffbranche und Grundgüter sind "Strong Buys"
Zu den Sektor-Favoriten von Merrill Lynch etwa gehört die Rohstoffbranche in der Annahme, dass der Ölpreis weiter über 20 Dollar je Barrel bleibt. In den Vereinigten Staaten setzen die Strategen vor allem auf den Dow-Jones-Titel ExxonMobil und auf Chevron Texaco, beide Aktien erhalten ein "Strong Buy". Unter den Rohstoff-Papieren mögen die Analysten aber auch die Minen-Titel. Starkes Produktionswachstum in Korea und Japan sowie der schwächere Dollar seien hier die treibenden Kräfte für Wachstum.Ebenfalls Potential zur Outperformance haben nach Ansicht von Merrill Lynch die Hersteller von Grundgütern, auch wenn diese defensiven Papiere zum Teil schon von der Börse fair bewertet werden. Doch zwei Gründe sprechen für eine weiterhin mögliche gute Entwicklung: Die Gewinne dieser Unternehmen sind relativ stabil, und die meisten Konzerne profitieren von einem erstarkenden Euro. Als ein "Strong Buy" stuft hier Merrill Lynch derzeit den Dow-Jones-Titel Philip Morris sowie General Mills oder Avon Products ein. Ein "Buy"-Rating erhalten etwa der Dow-Jones-Titel Procter & Gamble sowie Sara Lee oder Kellogg. Die Sektoren Konsumgüter, Finanz und IT werden von Merrill Lynch derzeit dagegen mit "Underperform" bewertet.
Ein Risiko gibt es immer
Salomon Smith Barney setzt vor allem auf Zykliker, denn früher oder später müsse die Erholung kommen. Dabei schließen sich die Analysten der Meinung von Merrill Lynch an, dass Rohstoff- und Energietitel im Vergleich zum S&P-500 übergewichtet werden können und dass Finanzaktien mit Vorsicht zu genießen sind.Allerdings sollten sich Anleger nicht blindlings auf die Branchen-Favoriten der Analysten stürzen. Jedes Investmenthaus macht innerhalb der Branche erneut Under- und Outperformer aus. So warnen die Strategen zwar vor Finanztiteln, doch etwa Morgan Stanley steht auf einigen Empfehlungslisten. Daneben kann eine Aktie eine "Strong-Buy"-Empfehlung bekommen und dennoch als risikoreiches Investment gelten, wie etwa Philip Morris bei Merrill Lynch.
In der derzeit unsicheren Börsen-Lage müssen die Strategen einfach zu viele Annahmen machen, um halbwegs sichere Aussagen machen zu können. Noch ein Betrugsfall im “Unternehmen Amerika” und alles kann schon wieder ganz anders aussehen.