UMTS: Mobilfunker werden ganz langsam realistisch


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UMTS: Mobilfunker werden ganz langsam realistisch

 
12.02.02 12:07
Von Andreas Krosta, Hamburg

Die UMTS-Anbieter profitieren von der Handykrise. Sie können ihre Prognosen reduzieren, weil sie weniger für die Technik ausgeben müssen.

Die Erwartungen waren wohl doch zu hoch: Nach dem Mobilfunkanbieter Mobilcom hat auch T-Mobile die Erwartungen an den Umsatz mit dem künftigen UMTS-Geschäft gesenkt. Mobilcom rechnet für 2010 mit einem durchschnittlichen Umsatz pro Kunde (Arpu - Average Revenue per User) von 60 Euro pro Monat. Auch die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom erwartet in acht Jahren einen Arpu von 60 Euro. Dabei hat Vorstandschef Kai-Uwe Ricke bereits Spielraum eingerechnet: "Wir werden in der Lage sein, mit einem Durchschnittsumsatz von 50 Euro das UMTS-Geschäft in Deutschland profitabel zu gestalten." Der drittgrößte Mobilfunker Deutschlands, E-Plus, geht von rund 50 Euro Umsatz pro Kunde und Monat aus.

Das war mal anders: Nach der Versteigerung der jeweils 8,5 Mrd. Euro teuren Lizenzen für die nächste Mobilfunkgeneration in Deutschland hofften die sechs UMTS-Anbieter noch auf einen Arpu von 100 Euro, mit dem sie das Geschäft in die Gewinnzone steuern wollten. Heute sind die UMTS-Pioniere vorsichtiger. "Das sind Nachrichten, von denen wir in nächster Zeit noch mehr hören werden", kommentiert der Telekommunikationsexperte der Dresdner Bank, Chris-Oliver Schickentanz, die gesenkten Prognosen. "Da werden wir noch weitere negative Überraschungen erleben."

Realismus kehrt zurück

Die revidierten Umsatzerwartungen sind ein Hinweis dafür, wie realistisch die UMTS-Lizenznehmer im vergangenen Jahr geworden sind. Die alten Prognosen waren gezeichnet von der Boomphase der Mobilfunkbetreiber. Die neuen Erwartungen stützen sich auf die abflauende Stimmung in der Branche. Die Anbieter haben aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Mobilfunkstandard GPRS, über den seit rund einem halben Jahr Datendienste wie das mobile Internet genutzt werden können, erkannt: Die Kunden werden kaum bereit sein, für diese neuen Dienste eine gesalzene Handyrechnung zu akzeptieren.

Aber auch bei diesen abgespeckten Zahlen bleibt Schickentanz skeptisch: "Die jetzigen Erwartungen sind zu optimistisch, wir gehen von einem Durchschnittsumsatz pro Monat von 45 Euro bis 2006 aus." Wenn die Betreiber nun glauben, mit weniger Umsatz profitabel werden zu können, müssen sie ihre Einnahmen nicht mehr verdreifachen, sondern nur noch verdoppeln. Derzeit liegen die Umsätze pro Kunde und Monat bei rund 26 bis 33 Euro.

Die Netzbetreiber haben ihre Kosten nochmals durchgerechnet und sind dabei auf einen rascheren Durchbruch der Gewinnschwelle gekommen. "Die kritische Stellgröße sind die Ausgaben für die Netze", sagt Carsten Kratz, Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group.

Zusammenarbeit senkt Kosten

Die Mobilfunkanbieter machen sich eine Erlaubnis der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zunutze. Die Behörde überwacht den deutschen Telekommarkt und versteigerte die UMTS-Lizenzen. Ihr Präsident, Matthias Kurth, erlaubte im Juni 2001, dass die Lizenznehmer ihre Netze gemeinsam aufbauen können. T-Mobile schloss mit dem britischen Betreiber mmO2 - ehemals BT Wireless - ein Abkommen. E-Plus arbeitet mit Quam zusammen. So reduzieren sie die Kosten für ihre Netze um bis zu 40 Prozent. Statt der bisher eingeplanten sechs Mrd. Euro fallen jetzt nur noch rund 3,6 Mrd. Euro für den Netzaufbau an.

Hilfreich bei der Kalkulation war auch die Krise der Zulieferbranche. "Das eine oder andere Unternehmen wird erfolgreich nachverhandelt haben", sagt Kratz. Beispiel: In der vergangenen Woche kündigte T-Mobile den Start des Netzaufbaus für Deutschland an und bezifferte die Höhe des ersten Vertrages mit Siemens auf rund 350 Mio. Euro. Eine geringe Summe, denn T-Mobile plant rund zwei bis vier Mrd. Euro für den gesamten Netzaufbau ein.

Mit den neuen Prognosen dämpfen die Betreiber auch ihre Wachstumserwartungen, denn die Kundenzahl in Deutschland ist begrenzt. Schon heute sind 56 Millionen Menschen mobil erreichbar. Vor allem sind die Vieltelefonierer vergeben. Diejenigen, die noch hinzukommen, werden das Handy selten benutzen.

Quelle: FTD.de
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