Im Juli werden 23 Milliarden an Anleihen fällig, wenn die nicht wieder in Anleihen gehen, kann es an der börse weiter hoch gehen.
aber lest selbst:
Der Anleihenmarkt zeigt sich in den vergangenen Monaten schwach. Neu ist das wirklich nicht. Der Bund Future, der im Septenmber noch bei 124,60 Prozent notierte, ist mittlerweile auf 115,37 Prozent gerutscht und notiert damit so tief wie seit Oktober 2004 nicht mehr. Der Bobl-Future ist auf 109,37 Prozent gerutscht und damit auf ein Niveau, auf dem er seit 2002 nicht mehr gesehen ward.
Nicht ganz so schlecht schlugen sich die Unternehmensanleihen. Während Staatsanleihen in den ersten vier Monaten des Jahres 3,13 Prozent an Wertverloren, kamen Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating aufgrund ihrer kürzeren Duration mit einen Abschlag von 2,13 Prozent davon. Im Fokus des Interesses standen dagegen die High-Yields, die als einzige Anlagekategorie immerhin 3,3 Prozent zulegen konnten
In der vergangenen Woche setzte sich die relativ bessere Entwicklung der Unternehmensanleihen gegenüber den Staatsanleihen fort. So verringerte sich der Spread der Corporates um weitere 0,6 Punkte. Laut Raiffeisen Research stützte neben guten Unternehmenskennzahlen auch die rege Nachfrage sowie die weiterhin hohe Risikobereitschaft das enge Spreadniveau.
Optimisten mögen dies als Lebenszeichen sehen und hoffen auf eine Trendwende am Markt. Die WGZ Bank beispielsweise sieht nicht nur eine „äußerst positive Situation an den Unternehmensanleihemärkten“. Vor allem setzen die Analysten auf „große, zur Anlage am Corporate Bondmarkt bestimmte, liquide Mittel“. Gleichzeitig verknappe sich das Angebot
Insbesondere im Juli würden 23 Milliarden an Anleihen fällig - just in der traditionellen Sommerpause der ohnehin wenig regen Emissionstätigkeit. Dies sollte bei einem anhaltenden Liquiditätsüberhang zu einem schrumpfenden Angebot führen - und das könnte die Kurse existierender Anleihen wieder nach oben treiben.
Ganz gegensätzlich argumentieren die Analysten der DZ Bank. Die Einengung der Spreads sei eine temporäre Bewegung und keine Trendumkehr - und zwar gerade weil die Liquidität in Euroland hoch sei und die Gegenbewegung daher technische Faktoren zur Ursache habe.
Sie sehen Belastungen auf Unternehmsanleihen dadurch zukommen, daß sie gegegenüber den Staatsanleihen gerade eher weniger verloren haben. So ist die Rendite deutscher Staatsanleihen von ihrem jahrestief bei 3,23 Prozent mittlerweile auf 4,02 Prozent geklettert. Für den Fall des Durchbruchs durch die Vier-Prozent-Marke sehen die Analysten Umschichtungen zulasten der Unternehmensanleihen. Sie sehen die Spreads von Anleihen mit einem Rating über „BBB“ in diesem Jahr besonders deutlich anziehen.
Um die Verwirrung komplett zu machen, scheinen die Experten von Raiffeisen Research einen Vorschlag zur Güte machen zu wollen. Zwar sehen auch sie den positiven Effekt der hohen Liquidität. Doch deuten ihrer Ansicht nach andere Indikatoren, wie etwa der Volatilitätsindikator VDax allmählich auf steigende Spreads hin. Und deshalb gehen die Österreicher vorerst von einer weiteren Seitwärtsbewegung aus.
Alles ist wie immer, nur schlimmer
Diese Situation ist für Anleger natürlich keineswegs befriedigend. Am miesten einwenden läßt sich dabei noch gegen die Argumentation, der VDax deute auf steigende Spreads hin. Die jüngste Bewegung nach oben ist am vergangenen Mittwoch wieder abgebrochen worden. Der VDax konnte die 16 Prozent-Marke nicht erreichen, ist mittlerweile wieder auf 14,09 Prozent gefallen und bewegt sich damit weiter im gleichen Korridor wie seit Mitte Januar zwischen 13,5 und 16 Prozent.
Indes stützt diese Betrachtung eher die These, daß sich an den Aussichten für Unternehmensanleihen in der nächsten Zeit erst einmal nichts ändert. Die weiter hohe Risikoneigung stützt die High-Yields und läuft eher gegen Investment-Grade-Bonds und Staatsanleihen.
Mittel- bis langfristig aber spricht alles dafür, daß sich die Entwicklung gegen die High-Yields wendet. Eine weitere Herabstufung der General-Motors-Anleihen durch Moody's, wie sie in der vergangenen Woche in Aussicht gestellt wurde, könnte das Bewußtsein für Ausfallrisiken schärfen. Vielleicht muß es auch erst einige Ausfälle geben. Irgendwann dürfte auch der Spread zwischen Staats- und Unternehmensanleihen Dimensionen erreicht haben, in denen Junk-Bonds einfach nicht mehr attraktiv sind.
(FAZ)