To buy or not to buy? (Chat-Zusammenfassung)


Thema
abonnieren
Beiträge: 2
Zugriffe: 414 / Heute: 4
Happy End:

To buy or not to buy? (Chat-Zusammenfassung)

 
08.03.02 06:30
Wackelbörse, Salamicrash, Enronitis - Technologietitel bringen Anleger ins Schwitzen. Klaus Lüpertz von HSBC Trinkaus & Burkhardt gibt Profi-Tipps für die richtige Anlagestrategie.

zeisig1: Herr Lüpertz, wann werden Fundamentaldaten wieder die Börse bestimmen und nicht Gerüchte und Internetgeflüster der Zocker?

Lüpertz: In der Zukunft wird es so sein, wie es auch in der Vergangenheit war: Mal haben die Fakten die Oberhand, mal das "Geflüster". Die letzten Ereignisse, angefangen mit dem 11. September bis zu der Enronitis, sorgen jedoch dafür, dass aktuell die "Stories" mehr im Vordergrund stehen als die Fundamentaldaten. Wann sich das ändern wird, ist schwer zu sagen: Ich denke, wir werden an der Börse noch einige Monate großer Unsicherheit sehen; erst wenn die Unternehmen wieder zuverlässige Daten liefern und ihre Ausblicke erfüllen, werden die Hard Facts in den Vordergrund rücken.

grabaz1: Die Techwerte ziehen bei jedem Zeichen auf eine Konjunkturerholung stark an. Sind Werte wie Cisco  und Intel  bereits wieder zu teuer?

Lüpertz: Die Popularität der Techwerte kommt daher, dass sie in der Vergangenheit immer bei einer Konjunkturerholung überproportional stark mitgelaufen und natürlich auch im Abschwung sehr stark abgestraft worden sind. IBM  hat die bekannten Probleme und der Wert ist schwer zu greifen.

Cisco  hat, nach ersten Herabstufungen amerikanischer Broker jetzt mit einem weiteren Problem zu kämpfen: In den USA wird die Bilanzierung von Mitarbeiteroptionen eventuell neu strukturiert. Dieses Verfahren liegt noch vor dem Kongress.

To buy or not to buy? (Chat-Zusammenfassung) 602001
Die Cisco-Aktie im Vergleich zum Nasdaq-Index (rot)
 
Der CFO von Cisco gab bereits in einer Mitteilung an die Wertpapier-Aufsichtsbehörde SEC bekannt, dass im schlechtesten Fall statt des Verlustes von einer Milliarde Dollar per ultimo letzten Geschäftsjahres dann 2,7 Milliarden Dollar zu Buche stehen. Cisco bleibt aber ein interessanter Wert, allein auf Grund der Marktführerschaft. Aktuell würde ich mit Käufen noch abwarten.

RotesDepot1: Welche Allokation würden Sie aktuell empfehlen? Lieber auf US-Werte setzen oder auf europäische Aktien?

Lüpertz: Wir bevorzugen aktuell europäische Titel. Das erklären wir mit der Konjunktur: Wir rechnen in den USA mit einem deutlich niedrigeren Wirtschaftswachstum in 2002 als in Europa. Von daher wird sich auch die Gewinnseite der Unternehmen wohl erst zeitverzögert wieder erholen. Insgesamt sind Aktien derzeit in unseren Depots übergewichtet, wir bevorzugen Europa vor den USA, der Pazifikregion (ohne Japan) und haben in Japan aktuell keine Bestände.

Hase1: Womit begründen Sie ein deutlich stärkeres Wachstum in Europa?

Lüpertz: Vorab erst einmal unsere Zahlen: Wir rechnen in Europa mit einem Wachstum von 1,4 Prozent in 2002 nach 1,5 Prozent in 2001 und in den USA mit 0,8 Prozent nach 1,1 Prozent. Das macht schon einmal deutlich: Es handelt sich um einen "Niveaueffekt". Die USA sind im Abschwung sehr viel weiter heruntergelaufen und konsolidieren 2002 auch auf diesem niedrigeren Niveau, um dann zum Jahresende wieder "Fahrt aufzunehmen". Die europäische Wirtschaft ist offensichtlich nicht so stark betroffen gewesen und profitiert in den nächsten zwölf Monaten davon.

Mongolenhamster: Wie ist Ihre derzeitige Strategie? Haben Sie einen hohen Liquiditätsbestand, oder sind Sie schon voll investiert?

Lüpertz: Ein Großteil unserer Gelder ist bereits investiert - hier haben wir die angedeutete Übergewichtung von Aktien herbeigeführt. Die restlichen Mittel werden dann investiert, wenn es noch einmal zu kleineren Rückschlägen kommen sollte. Mit einem starken Kursrutsch rechnen wir allerdings nicht mehr, da aktuell die Marktteilnehmer über sehr hohe Liquidität verfügen; das wird ein guter Puffer für die Kurse nach unten sein.

scheichreich: Wie bewerten Sie das politische Risiko (zum Beispiel ein Angriff auf den Irak)? Tech- und Wachstumstitel brechen dann meist stark ein. Also abwarten?

Lüpertz: Absolut richtig. Das ist auch der Grund dafür, weshalb wir noch geringe Liquiditätsbestände halten. Letztendlich sind politische Börsen allerdings nicht berechenbar. Das hat sich in der Vergangenheit häufig gezeigt. Politische Börsen haben aber einen großen Vorteil: Sie haben häufig "kurze Beine". Das heißt: Ist das Ereignis erst einmal eingetreten, akzeptieren die Finanzmärkte den Status quo und kommen schnell zur "Tagesordnung" zurück. Das haben die Ereignisse des 11. September auch wieder gezeigt.

Hase1: Was sind sichere Signale dafür, dass die Konjunktur in der Technologie-Branche wieder anzieht?

Lüpertz: Sorry, aber ich kenne kein "sicheres Signal"; wenn Sie eins kennen, lassen Sie es mich wissen. Aber im Ernst: Wir beobachten sehr stark die Auftragseingänge in der Techbranche, die natürlich immer ein erster guter Indikator sind. Hier ist eine deutliche Verbesserung im Laufe der vergangenen Monate zu verzeichnen. Bedenklich ist noch, dass viele Firmenchefs klar gesagt haben, dass geplante Internetprojekte oder Ähnliches auf Grund des Makroszenarios noch etwas auf "die lange Bank geschoben werden".

ipo1: Welchen Anlagezeitraum sehen Sie, bis eine Erholung im Techsektor durchgreift? Muss ich ein Jahr Geduld mitbringen?

Lüpertz: Wir haben die Erwartung, dass sich die Konjunktur sowohl in den USA als auch in Europa im zweiten Halbjahr erholen wird. Das wird die Börse auch wieder mit steigenden Kursen honorieren. Üblicherweise wird an der Börse die realwirtschaftliche Entwicklung sogar um sechs bis neun Monate vorweggenommen, so dass bereits in den nächsten Monaten ein Anstieg der Aktien nicht auszuschließen ist. Wenn Sie mit einem Horizont von einem Jahr arbeiten, werden Sie nach unserer Einschätzung von steigenden Kursen im Spätsommer/Herbst partizipieren.

To buy or not to buy? (Chat-Zusammenfassung) 602001
Der 3-Jahres-Chart von Enron
 
Darbepoetin: Die Techwerte sind momentan alle vom "Enronitis-Virus" beeinträchtigt. Erwarten Sie noch weitere unangenehme Bilanz-Überraschungen?

Lüpertz: Ich glaube, dass es das eine oder andere Unternehmen noch "erwischen" wird. Die "kreative Buchführung" einiger Unternehmen wird wohl in den nächsten Monaten von den Analysten besonders kritisch durchleuchtet werden. Vor allem Unternehmen mit einem hohen Verschuldungsgrad und einer niedrigen Cashflow-Generierung stehen hier immer wieder im Verdacht. Wann ein Ende dieses Trends abzusehen ist, kann heute nicht seriös prognostiziert werden.

zeisig1: Wann wird der erste Boss wegen eines Enronitis-Vergehens verknackt?

Lüpertz: Hoffentlich bald. Je eher klar wird, dass "Bilanzkosmetik" kein Kavaliersdelikt ist, desto eher ist auch die Verunsicherung von dieser Seite her aus den Märkten heraus

RainerRiessling: Ihr SAP-Tipp vor einigen Monaten war eine sehr gute Empfehlung. Wie sehen Sie SAP heute?
Hase1: Beispiel SAP - ein solides Unternehmen. Wird es an der Börse korrekt bewertet?

Lüpertz: Mitte Januar habe ich allerdings auch vor SAP  gewarnt, da das weitere Kurspotenzial nach unserer Einschätzung eher begrenzt ist. SAP konnte kaum Marktanteilsgewinne erzielen und das angestrebte Umsatzwachstum von 16 Prozent ist ohne eine Verbesserung des USA-Geschäfts kaum möglich. Gerade in den USA ist aber noch nicht absehbar, wann sich die "Großwetterlage" für SAP aufklärt. Von daher sehe ich SAP aktuell eher "neutral", es drängt nicht zum Einstieg.

BayernZwo: Sie hatten sich mal in einer Kolumne zur Aktie von Ryanair geäußert. Ihr Kommentar: Nicht kaufen! Sehen Sie das immer noch so?

Lüpertz: Wir halten die Aktie der Deutschen Lufthansa  immer noch für interessanter als die der Ryanair . Das Missverhältnis wird besonders deutlich, wenn man sich einmal die Marktkapitalisierung der Unternehmen anschaut.

Die Lufthansa hat, als etablierte Airline mit starken Allianzpartnern etc., eine Marktkapitalisierung von 6,7 Milliarden Euro, der "Newcomer" Ryanair ist ebenfalls an der Börse bereits mit 5,3 Milliarden Euro bewertet. Im direkten Vergleich wird klar, dass Ryanair noch zu teuer ist. Ich mag die Geschäftsidee von Ryanair, glaube aber, dass der Kurs noch Risiken birgt.

bluechip1: Siemens oder Deutsche Telekom? Welchen Techwert würden Sie derzeit vorziehen?

Lüpertz: Beide Werte sehen wir neutral. Bei der Deutschen Telekom  scheinen die Marktanteilsverluste im heimischen Markt einen Boden zu finden. Mit ADSL wird versucht, das Festnetz zu hebeln. Bis 2004 will man 3,5 Millionen Kunden in diesem Segment haben. Der Preisdruck im Festnetz scheint sich ebenfalls etwas zu beruhigen.

To buy or not to buy? (Chat-Zusammenfassung) 602001
Die Entwicklung der T-Aktie im Vergleich zum Dax (rot)
 
Gegen die Deutsche Telekom spricht, dass sich die Qualität der Gewinne zunehmend verschlechtert (durch Verlängerung der Abschreibungsperioden und Gewinne durch Teilveräußerungen). Die Voicestream-Übernahme sorgt außerdem für ein "Flow-Back"-Problem. Das wird die Aktie unter Druck halten. Ein letztes großes Problem ist die hohe Verschuldung.

Siemens  ist in den vergangenen zwei Jahren renditestärker geworden. Wir können allerdings noch nicht abschätzen, ob das Management auch in diesem konjunkturell angespannten Umfeld diesen Trend beibehält. Im Handset-Bereich konnten Marktanteile gewonnen werden. Ingesamt überzeugt uns der Ausblick aber noch nicht.

Zitronenfalter: Die T-Aktie ist fast wieder auf IPO-Preis. Sehen Sie dort Hoffnung? Ich denke da auch an die 66 Milliarden Euro Schulden.

Lüpertz: Die Deutsche Telekom ist für uns nicht besonders interessant. Sie sprechen es selber an: Die Verschuldung wird ein Problem bleiben. Die Telekom wollte selbst im laufenden Jahr die Verschuldung von 65 auf 50 Milliarden Euro senken; nach dem gescheiterten Verkauf des Kabelnetzes an Liberty Media ist das aus unserer Sicht nicht mehr möglich.

In den Plänen zur Schuldenreduzierung war auch T-Mobile mit zehn Milliarden Euro veranschlagt; wir halten auch diesen Wert für zu hoch und gehen davon aus, dass die Telekom - falls überhaupt - die Verschuldung bis Ultimo nur marginal senken kann. Insgesamt halten wir die T-Aktie aus den genannten Gründen kurzfristig für "totes Geld". Mittel- bis langfristig ist der Wert innerhalb des Sektors Telekommunikation aber wieder interessant.

super1: Wer sind Ihre Favoriten im Dax für die nächsten zwölf Monate?

Lüpertz: Wir sind nicht auf Deutschland fokussiert, sondern haben einen europaweiten Ansatz. Von den deutschen Unternehmen gefällt uns im Automobilbereich die BMW-Aktie , im Bankenbereich haben wir eine leichte Übergewichtung bei der Deutschen Bank .

blendamax1: Sie haben jüngst Vodafone empfohlen. Bietet dieses liquide Papier nicht zu viel Angriffsfläche für Short Seller, die den Kurs kurzfristig herunterzocken?

Lüpertz: Die Gefahr ist bei jeder Aktie gegeben, aber: Vodafone  hat eine Marktkapitalisierung von etwas über 150 Milliarden Euro. Um hier wesentliche und marktbeeinflussende Transaktionen auszulösen bedarf es schon eines entsprechend großen Volumens. Gerade vor diesem Hintergrund ist Vodafone eine der vergleichsweise "sicheren" Aktien.

Dazu kommt: Der Kurs ist in der letzten Zeit stark unter Druck gekommen. Auch Short Seller setzen mit ihren Aktionen darauf, dass über die Fundamentals eine Lockerung des Kurses kommt. Eine fundamental starke Aktie zu "shorten" ist eher gefährlich, da dann die fundamental orientierten Anleger dafür sorgen, dass der Short Seller nicht den gewünschten Effekt (= Gewinn) erzielt.

blendamax: Das heißt, auch die Short Seller sorgen bei unterbewerteten Aktien irgendwann für eine Erholung? Welches Risiko geht von Short Sellern bei den besonders schwankungsanfälligen Technologietiteln aus?

Lüpertz: Hier sind die Internetaktien ein gutes Beispiel: Viele der kleinen und kleinsten Techunternehmen sind mit einem geringen Streubesitz an die Börse gebracht worden. Das heißt, der Unternehmensbesitzer, dessen Familie oder VC-Fonds halten die anderen Stücke.

Kommt jetzt viel Nachfrage oder auch Angebot in den Markt, werden die Kurse überproportional stark in die eine oder andere Richtung gedrückt. Das hat zu den Internetboomzeiten dazu geführt, dass bei einigen Werten innerhalb eines Tages ein Vielfaches des Streubesitzes gehandelt worden ist - mit entsprechend ungesunden Konsequenzen für die Kurse.

Hubert1: Wie viel Potenzial geben Sie den Chipwerten (zum Beispiel Infineon) noch?

Lüpertz: Die Aussagen der Halbleiterhersteller waren von Zurückhaltung geprägt. Selbst die Tatsache, dass sich die Fundamentaldaten in den letzten Wochen stetig verbessert haben, ließ die Vorsicht der Anleger nicht weichen.

Wir sind aber etwas optimistischer, da zum Beispiel die PC-Produzenten wie Compaq  oder Dell  ein erfreuliches Weihnachtsgeschäft hatten. Darüber hinaus konnten sich die Preise von Speicherchips (DRAMs) ausgehend von ihren Ende Oktober erreichten Tiefständen teilweise mehr als verdreifachen. Insgesamt gehören Halbleiterwerte noch zu den Titeln, die wir innerhalb des Techsektors übergewichten.

daytrader1: Viele Analysten halten das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) inzwischen für eine wenig aussagekräftige Größe. Auf welche Indikatoren setzen Sie bei der Bewertung von Aktien?

Lüpertz: Ein gewisses Schmunzeln kann ich mir nicht verkneifen. Das KGV hat, gerade in den vergangenen zwölf Monaten seit dem Tech-Crash, wieder sehr viel Charme gewonnen. Es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass "innovative" Kennzahlen (beispielsweise Click-Ratios bei Internet-Werten) für eine gewisse Zeit gut funktioniert haben. Letztendlich steht aber immer noch die Gewinngröße und in den letzten Monaten auch vermehrt der Cashflow im Interesse der Analysten.

Namenlos: Die Mobilfunk-Branche ist schwer angeschlagen. Welche Werte in diesem Bereich würden Sie noch empfehlen?

Lüpertz: Auf Ausrüsterebene mögen wir immer noch die Nokia . Das finnische Unternehmen hat seine Marktführerschaft nicht nur behauptet, sondern sogar permanent ausbauen können. Natürlich: Die Zeiten des großen zweistelligen Umsatz- und Ertragswachstums sind hier erst einmal vorbei und es kehrt wieder Realismus ein.

Viele Anleger verbinden mit Nokia oder auch Ericsson  immer noch jährliche Kursgewinne von 100 Prozent und mehr. Das wird es wohl in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Bei den Betreibern hatte ich eben schon ein paar Worte zu Vodafone gesagt. Hierbei gefällt uns vor allem die Diversifizierung im Geschäft und ein "Global Footprint".

WallstreetOffline1: Wie beurteilen Sie die weiteren Aussichten für den Neuen Markt? Hat er nach all den Skandalen überhaupt noch ein Chance?

Lüpertz: Der Neue Markt braucht mit Sicherheit etwas mehr Zeit zur "Gesundung" als die marktbreiten Werte. Wir rechnen hier auch noch mit der einen oder anderen bösen Überraschung. Dabei kann es durchaus auch Unternehmen treffen, die heute noch niemand auf der Agenda hat. Aber: Der Neue Markt ist in einem gut diversifizierten Portfolio nur als Beimischung zu empfehlen. Da das Einzeltitel-Risiko sehr hoch ist, empfehlen wir Privatanlegern hier eine Fondslösung.

Holzbein1: Fast alle Internet-Aktien sind fürchterlich abgestürzt. Welche kann man Ihrer Meinung nach jetzt wieder kaufen?

Lüpertz: Vorab eins: Die alten Höchststände werden wohl kaum noch erreicht werden und die meisten Internetaktien haben ihre beste Zeit hinter sich. Vom heutigen Standpunkt aus ist es kaum möglich, sicher zu prognostizieren, wer die Gewinner in 2004 oder gar 2005 sein werden. Wenn ein Investment in Internetaktien gewünscht ist, sollte auch hier der Fonds gegenüber dem Einzeltitel bevorzugt werden. Wir geben für unsere Privatkunden ausdrücklich keine Einzelempfehlung aus dem Neuen Markt.

ipo1: Das Risikokapital scheint ausgetrocknet. Droht den jungen Wachstumsunternehmen damit eher die Insolvenz?

Lüpertz: Die Risikokapitalszene hat in den vergangenen 24 Monaten herbe Rückschläge hinnehmen müssen. Da ist die Zurückhaltung durchaus verständlich. Es zeigt sich aber, dass sich eher die Art der Investments als das Volumen insgesamt geändert hat. Klassische Start-Ups, die sogenannten Early-Stage-Unternehmen (heute in der Garage, schon morgen an die Börse), werden es sehr viel schwerer haben, als noch zu den Boomzeiten. Unternehmen, die aber bereits über ein ausgereiftes Produkt verfügen (Late-Stage-Companies), sind in der letzten Zeit eher stärker von den Venture Capitalists gesucht worden.

Hase1: Haben Haffa und Co. den Ruf des Neuen Marktes unwiederbringlich verspielt?

Lüpertz: Nein, die Herren haben ihren eigenen Ruf unwiederbringlich verspielt. Es wäre etwas vermessen, auch wenn einige es vielleicht gerne so gesehen hätten, dass die Haffa-Brüder gleichzusetzen sind mit dem gesamten Neuen Markt. Wie gesagt, es gibt noch immer interessante Titel und es wäre schade, wenn die Münchener Bilanzakrobatik hier wie ein Hemmschuh wirken würde.

bullrider1: Welche Strategie ist in diesem Jahr sinnvoller? Value oder Growth? Oder eine Mischung?

Lüpertz: Gerade heute kam das Ergebnis einer Umfrage bei Portfoliomanagern herein. Das Ergebnis: Nach den eher enttäuschenden letzten Wochen schwenken die Portfoliomanager doch lieber wieder auf Value um. (Wer sagt da prozyklisches Verhalten?) Ich denke, es gibt interessante Werte aus beiden Bereichen, wir sind allerdings in der Erwartung einer Konjunkturerholung leicht im Bereich "Growth" übergewichtet.

zeisig1: Bin ich mit meiner Strategie richtig gefahren, auf Cost-average zu setzen?

Lüpertz: Cost-average ist für langfristige Anlagen, zum Beispiel monatliche Fondssparpläne etc., eine wirklich gute Sache. An der Börse, bei Direktanlagen, zeigt sich aber häufig, dass Cost-averaging auch als: "Gutes Geld schlechtem hinterher schmeißen" gedeutet werden kann.

Hartaberherzlich1: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Netzwerk-Werte?

Lüpertz: Das Internet als solches wird in der nahen Zukunft große Wachstumsraten aufweisen. Für die nächsten zwei bis drei Jahre gehen Marktforschungsinstitute von einem durchschnittlichen Wachstum von über 100 Prozent jährlich aus. Große Bedeutung hat dabei die Massendatenübertragung. Von daher ist diese Branche einer der interessantesten Sektoren, wenn man über Techwerte spricht.
Antworten
Happy End:

Up für Langschläfer ;-)))

 
08.03.02 08:51
 
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--