ThyssenKrupp: Das Ende des Dinosauriers


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ThyssenKrupp: Das Ende des Dinosauriers

 
13.12.01 12:06
Dem ThyssenKrupp-Konzern, Europas größter Stahlschmiede, droht angeblich die feindliche Übernahme und Zerschlagung. Die Strippen zieht offenbar die Beteiligungsgesellschaft WCM - ein Spezialist, der bereits Klöckner zerlegt hat.  

Essen - In den Büros mehrerer Frankfurter Bankhäuser solle WCM bereits fieberhaft mit Übernahme-Experten an einem Schlachtplan mit dem Namen "Plan Alpha" arbeiten. Das zumindest berichtet die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ). An der Frankfurter Börse profitierten die Papiere des Dax-Unternehmens von den Spekulationen. Bis 10.30 Uhr legte ThyssenKrupp um 1,3 Prozent auf 16,9 Euro zu.
Dem ThyssenKrupp-Konzern  , aus der Verschmelzung zweier Legenden deutscher Industriegeschichte entstanden, liegen nach Angaben seines Sprechers Jürgen Claasen aber "keinerlei Erkenntnisse vor, dass Dritte eine unfreundliche Übernahme und Zerschlagung anstreben." Dies sei auf Grund der Aktionärsstruktur auch schwerlich möglich, beschwichtigt der Sprecher. Bei ThyssenKrupp befänden sich nur 60 Prozent der Aktien im Streubesitz, 40 Prozent würden von einigen wenigen Großaktionären kontrolliert. So halten die Krupp-Stiftung rund 18 Prozent und die Thyssen-Stiftung etwa fünf Prozent der Aktien.

Industrieriese zum Schnäppchenpreis

WCM allerdings wäre kein einfacher Gegner für den Industrieriesen: Die Beteiligungsgesellschaft unter Führung des Hamburger Kaufmanns Karl Ehlerding hatte jüngst mit der Übernahme der Duisburger Klöckner Werke für Aufregung in der Branche gesorgt. Unter der WCM-Regie ist das Unternehmen inzwischen weitgehend zerschlagen worden.

Außerdem ist ThyssenKrupp derzeit zum Schnäppchenpreis zu haben: Der Börsenwert beträgt lediglich 8,6 Milliarden Euro. Das ist zum Beispiel weniger, als der Konzern im Frühjahr 2000 für die Übernahme der Mannesmann-Industriesparte Atecs zahlen wollte. Damals hatte ThyssenKrupp 8,75 Milliarden Euro für die Übernahme Atecs geboten.

Kein Kommentar - auch kein Dementi


Zudem befindet sich der Essener Industriekonzerns mit weltweit 195.000 Beschäftigten in einer konjunkturell schwierigen Lage: Die Gewinne gingen im vergangenen Geschäftsjahr (Ende 30. September) um knapp 23 Prozent zurück. Das Konzernergebnis sank von 1,1 Milliarden Euro auf rund 850 Millionen Euro. Auch der Umsatz lag mit 37,9 Milliarden Euro nur leicht über dem des Vorjahres.

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz wollte sich Donnerstag nicht zu den Spekulationen äußern. "Wir beschäftigen uns mit einer Reihe von Projekten und haben auch Einiges in der Pipeline, aber ThyssenKrupp werde ich nicht kommentieren", sagte ein WCM-Sprecher auf Anfrage.

Der ThyssenKrupp-Konzernbetriebsratschef Thomas Schlenz sagte, derartige Versuche würden von der Belegschaft nicht nur abgelehnt, sondern auch "entsprechend beantwortet". Schlenz schließt für einen solchen Fall auch Arbeitskämpfe nicht aus.

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