Thiel 25-30€ Citibank&G.Thiel


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grenke:

Thiel 25-30€ Citibank&G.Thiel

 
12.06.02 14:21
Günter Thiel: "Sehe den fairen Wert unserer Aktie bei 25 bis 30 Euro"


Citibank: Herr Thiel, Sie bezeichnen sich als Komplettanbieter für den Logistikbereich. Was genau verstehen Sie darunter und auf welchen Geschäftsfeldern genau sind Sie tätig?

Günter Thiel: Thiel Logistik ist durch ihr führendes, ganzheitliches Prozess- und IT-Know How in der Lage, gesamte Wertschöpfungsnetzwerke von der Analyse über die Planung bis hin zur maßgeschneiderten Implementierung als Komplettanbieter umzusetzen, langfristig zu betreuen und laufend zu optimieren. Wir sind in drei Geschäftsfeldern tätig: Kontraktlogistik / E-Logistics, Value-Added-Services (Mehrwertdienste) und HealthCare-Logistics (Logistik für Gesundheitseinrichtungen).

Citibank: Ihr Supply-Chain-Managementsystem hat auf dem europäischen Logistikmarkt neue Standards gesetzt. Können Sie dieses System kurz erläutern und wo liegen die Vorteile gegenüber bisherigen Systemen?

Günter Thiel: Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz, der die Verknüpfung aller Prozessabläufe mit nahtloser Kommunikation unterstützt. Die zunehmende Globalisierung der Märkte mit verkürzten Produktions- und Lieferzeiten fordern vom Logistiker maßgeschneiderte Konzepte, ein großes Branchen-Knowhow und die Erfahrung, auch weltweit zu agieren. Dabei decken wir die logistischen Prozesse von der Analyse, Planung, Implementierung bis zur Überprüfung und Wartung.

Citibank: Was unterscheidet Sie von anderen Wachstumswerten des Neuen Marktes und wer sind Ihre Wettbewerber?

Günter Thiel: Unsere Wettbewerber bieten größtenteils nur Teillösungen an. So sind im Bereich HealthCare viele Anbieter tätig, die nur die Beschaffungs- oder die Inhouselogistik abdecken, wir decken die gesamten logistischen Prozesse einer Gesundheitseinrichtung ab, vom Einkauf bis zur Entsorgung. Deshalb haben wir Wettbewerber nur in Teilbereichen.

Citibank: Wie sind Sie international ausgerichtet und wo liegen Ihre Hauptmärkte?

Günter Thiel: Wir sind inzwischen ein Global Player mit einer Präsenz auf allen Kontinenten. Europa ist dabei immer noch der Hauptmarkt, weil hier die Outsourcingquote im Vergleich bspw. zu den USA noch gering ist und deshalb das Wachstumspotenzial größer. Aber für viele unserer Kunden schaffen wir schon weltweite Logistiklösungen, weil einige Branchen, bspw. die Fashion-Logistik, weltweite Produktionsprozesse haben, die wir optimieren und steuern.

Citibank: Logistik verbindet man nicht unbedingt mit Software, sondern oft mit Fracht und Transport. Wie oft war dies ein Nachteil für Sie?

Günter Thiel: Es hat eine Zeit gedauert, bis wir der Öffentlichkeit klargemacht haben, dass Logistik mehr ist als Transport, bzw. dass der Transport nur einen geringen Anteil an einer Gesamtlogistiklösung hat. Schließlich geht es bei Logistik mehr um Prozesssteuerung und -optimierung. Aber ein Nachteil ist uns daraus noch nicht entstanden, diejenigen, die sich genau über uns informiert haben, haben den Unterschied sehr bald erkannt und inzwischen denke ich, dass unser Image sicher ganz anders geprägt ist.

Citibank: Jeder denkt bei Logistik immer an LKW-Flotten. Besitzen Sie überhaupt eigene LKWs?

Günter Thiel: Wir geben die Transportaufträge größtenteils an Dienstleister weiter, zu unseren Umsätzen tragen die Transporte auch nur circa 15 Prozent bei. Die Thiel Logistik AG selbst hat keine LKWs, aber einige unserer Tochterunternehmen besitzen noch eine kleine Transportflotte.

Citibank: Im ersten Quartal konnten Sie das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 34% auf 17 Mio. Euro steigern, der Umsatz kletterte um 73% auf 352 Mio. Euro. Was sind die Gründe für diese beeindruckenden Zahlen? (Stichwort Healthcare-Logistik)

Günter Thiel: Alle Geschäftsbereiche verzeichnen eine anhaltend starke Nachfrage nach Outsourcing-Dienstleistungen, besonders die HealthCare-Logistics+ Services. Mit der Übernahme der Birkart-Gruppe haben wir jetzt über 9000 Mitarbeitern und ein weltweites Logistik-Netz. Auch unser organisches Wachstum von 18 Prozent in diesem Quartal kann sich durchaus sehen lassen.

Citibank: Wird der Healthcarebereich auch weiterhin der Wachstumsmotor bleiben?

Günter Thiel: HealthCare ist und bleibt der Bereich, in dem wir am stärksten wachsen werden. Der europäische Markt für HealthCare-Logistik ist ca. 100 Mrd. Euro groß, hier streben wir binnen der nächsten zehn Jahre einen Marktanteil von 8 bis 10 Prozent an. Das Outsourcing-Potenzial im Gesundheitssektor ist sehr groß und fast 99 Prozent der Logistik liegen noch in den Händen der Trägergesellschaften, das zeigt, wie groß die Wachstumsaussichten hier sind.

Citibank: Und wie sieht es mit den anderen Bereichen aus? (Kontraktlogistik, Value-Added-Service)

Günter Thiel: Auch hier planen wir, in der Zukunft überproportional zu wachsen. Die Impulse, die dieses Wachstum unterstützen, sind die neuen Brachenlösungen für Industriezweige wie die Möbelindustrie, die Systemgastronomie und die Fashion- und Lifestylebranche. Aber auch der generelle Trend zum Outsourcing von Logistik spielt hier eine große Rolle.

Citibank: Ihre Jahresplanung für 2002, einen Umsatz von 1,61 Mrd. Euro und ein EBIT von 109 Mio. Euro zu erzielen, hat also nach wie vor Bestand?

Günter Thiel: Es gibt keinen Grund, die Finanzplanung für das Geschäftsjahr 2002 zu revidieren, weder nach oben noch nach unten. Die Indikatoren, die wir bereits vom ersten Quartal haben, bestätigen das auch, dass das bisherige Geschäftsjahr im Plan ist. Außerdem sind die Projekte, über die wir derzeit mit potentiellen Kunden sprechen, noch nicht in den Planzahlen für 2002 miteinbezogen.

Citibank: Kann man denn überhaupt bei rückläufiger Konjunktur mehr verdienen?

Günter Thiel: Gerade bei einer rückläufigen Konjunktur stehen die Unternehmen stärker unter Druck, Kosten zu sparen und Prozesse zu optimieren. Insofern profitieren wir als Logistiker davon, wenn der Kostendruck auf die Unternehmen wächst. Aber auch von einer steigenden Konjunktur werden wir begünstigt, denn dann wachsen wir mit unseren Kunden.

Citibank: Sie haben eine recht hohe Eigenkapitalquote von 44%. Sind bei Ihnen bald weitere Übernahmen geplant?

Günter Thiel: Wir haben zuletzt im Januar 2002 mit der Birkart-Gruppe eine sehr große Akquisition getätigt und momentan konzentrieren wir uns auf die Integration von Birkart. Wir planen, die Integration im Laufe des Jahres erfolgreich abgeschlossen zu haben und dann könnte das Thema Übernahmen für die Zukunft wieder interessant werden. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber eine größere Akquisition nicht sinnvoll. Wir haben auch unser Eigenkapital sicherlich nicht erhöht, um eine Übernahme vorzubereiten, sondern um für anstehende Großprojekte und -aufträge das Unternehmen auf eine solide finanzielle Basis zu stellen.

Citibank: Dürfen die Aktionäre auf die Zahlung einer Dividende hoffen?

Günter Thiel: Zur Zeit steht eine Dividendenzahlung nicht an, weil es sicher sinnvoller ist, die erwirtschafteten Erlöse in das weitere Wachstum des Unternehmens zu investieren. Davon profitieren langfristig auch die Aktionäre.

Citibank: Sie gelten als eines der wenigen noch soliden Unternehmen am Neuen Markt. Trotzdem brach der Kurs der Aktie am 22. April zeitweise um 40% auf 6,93 Euro ein. Was war der Grund für diesen Kurseinbruch?

Günter Thiel: Der Kurs hatte schon in den Wochen davor unter den Abgaben von institutionellen Investoren aus den USA, die sich generell aus dem Segment Neuer Markt zurückgezogen haben, sowie unter den verschiedensten Gerüchten gelitten. Warum die Kursentwicklung gerade an diesem Tag so war, können wir nicht nachvollziehen. Das war ein Abschlachten im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt Banken und Hedge-Fonds, die an fallenden Kursen genauso verdienen wie an steigenden Kursen. Allein in der Woche um den 22. April wurden an zwei Tagen rund 10% des Freefloats an Thiel-Aktien gehandelt mit weit über 4 Mio. Stück. Am 22. April allen wurden elf Millionen Thiel-Aktien gehandelt, im ganzen Dax dagegen nur 80 Millionen Aktien. Das zeigt die Volumina, die bewegt wurden. Dabei steht der Kursverlauf der letzten Monate im Gegensatz zu den Fundamentaldaten und der momentanen Entwicklung des Unternehmens.

Citibank: An den Gerüchten um angebliche Finanzierungsprobleme ist also nichts dran?

Günter Thiel: Davon ist natürlich nichts wahr. Wir haben weder die Kapitalerhöhung im März durchgeführt, um die Übernahme von Birkart zu finanzieren noch haben für diese Übernahme einen nachträglichen Wertberichtigungsbedarf. Auch haben wir mit den Ergebnissen des ersten Quartals gezeigt, dass das operative Geschäft gut läuft und dass wir für das laufende Geschäftsjahr auf einem guten Weg sind. Die Eigenkapitalausstattung ist gut, die Liquidität des Unternehmens ist hoch, wir sind für die anstehenden Aufgaben gut gerüstet.

Citibank: Sind Ihnen aus dem überraschenden Kurseinbruch Schäden entstanden, haben sich z.B. Vertragsabschlüsse oder Gespräche über Neuverhandlungen dadurch verzögert?

Günter Thiel: Bis jetzt haben wir alle Zweifel beseitigen können, dass der Kurseinbruch Einfluss auf unser operatives Geschäft haben könnte. Wir sind weiterhin in Verhandlungen über einige attraktive Projekte und ich denke, dass wir im zweiten Halbjahr einige Erfolgsmeldungen dazu bringen können.

Citibank: Auch wenn die Gerüchte unbegründet sind, geriet die Aktie schon Tage vorher unter Druck. So haben sich vor allem US-Investoren aus der Aktie zurückgezogen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Günter Thiel: Ziemlich sicher ist, dass amerikanische angelsächsische Adressen verkauft haben, die dem Neuen Markt per se den Rücken kehren - und keinen Unterschied zwischen Substanzwerten und dem Rest machen. Hier scheint das Vertrauen der Anleger in den Neuen Markt als Segment so stark erschüttert, dass die Fonds radikal aus den Werten aussteigen. Aber das ist nicht alles. Nach den Skandalen am Neuen Markt sind die Anleger verständlicherweise skeptisch geworden. Und wir sind fälschlicherweise für Fehler, die andere Unternehmen am Neuen Markt begangen haben, mit bestraft worden.

Citibank: Gab es schon mal Überlegungen, den Neuen Markt zu verlassen?

Günter Thiel: Ich stehe zum Neuen Markt, wünsche mir aber eine Verbesserung des Regelwerks und die konsequentere Ausübung von Sanktionen bei Verstößen gegen die Regeln. Trotz der negativen Entwicklung der letzten Monate war der Neue Markt ein voller Erfolg auch für Thiel, denn er hat uns zu einer hohen Aufmerksamkeit verholfen. Auch ist der Neue Markt wichtig für die Wirtschaft in Deutschland. Ob er eine Überlebenschance hat, wird sich noch zeigen. In einigen Jahren wird die Thiel Logistik AG wahrscheinlich jedoch zu groß für dieses Segment werden. Dann würden wir einen Wechsel des Segments in Erwägung ziehen. Da wir ein luxemburgisches Unternehmen sind, können wir nicht in den DAX oder den MDAX, aber es gibt auch Alternativen.

Citibank: Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Jahre aus?

Günter Thiel: Wir werden sicher weiterhin wachsen, denn Thiel Logistik ist ein Wachstumswert. Wir werden unsere Marktposition in der Logistik sowie in den Zukunftsbranchen wie HealthCare, Möbel, Fashion und Lifestyle oder Systemgastronomie ausbauen und dort neue Standards für die Logistik schaffen.

Citibank: Der Aktienkurs konnte sich seit dem 22. April wieder deutlich erholen, ist aber von seinem Jahreshoch von 24 Euro noch weit entfernt. Wagen Sie einen Ausblick und können Sie sagen, wo die Aktie am Ende des Jahres stehen wird?

Günter Thiel: Ich sehe den fairen Wert unserer Aktie bei 25 bis 30 Euro, so wie die meisten Analysten auch. Da würden wir uns sicher wohl fühlen. Ob die Verfassung des Kapitalmarkts das allerdings kurzfristig hergibt, bezweifle ich noch. Wenn sich der Neue Markt erholt und bereinigt, ist es aber möglich. Dann könnten wir im nächsten Jahr neue Höhepunkte mit der Thiel-Aktie sehen.

Citibank: Herr Thiel, vielen Dank für das Interview.


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juliusamadeus:

heute Morgen (7:30)auf Verdacht gr. Kauforder zu

 
12.06.02 18:22
7,45 an Codi rausgegeben. Komm gerade nach hause und sehe Kurs über 8,20€, wieder verkauft und wieder rein zu 7,72€.
Hab ich heute Geburtstag oder was??

Sorry, aber musste nochmal zu 8,2 verkaufen. Bin jetzt aber wieder dabei.

Danke Günter, dass ihr endlich was unternehmt.
Antworten
methusalem:

@ grenke

 
13.06.02 08:50
sag mal, von wann ist denn das interview?
-kommt mir so bekannt vor?
Antworten
grenke:

@ methusalem

 
13.06.02 09:52
hi grüß dich,

habs von der Hompage im pressespiegel bei thiel kopiert, da stand leider nur juni 2002.
wann genau kann ich dir leider im mom nicht sagen sorry.

gruß grenke
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