Ja, im ersten Moment denkt man, hui, gewagte These:
"Vorsichtig formuliert, halte ich diese Ankündigung für ziemlich gewagt. Wer etwas Ahnung hat, wie Automobilproduktion funktioniert und warum die Geschwindigkeit einer Produktionslinie eine wichtige Kennziffer ist, wird bei dieser Aussage nicht schlecht staunen."
Aber, wir hatten ja den Vergleich, mit dem selben Argument hätte es nie einen Erfolg des iPhone in dieser Form geben können.
Wer die Technologie der Handyproduktion und deren Standards kannte, und wusste, wie effektiv sie produziert haben, der wäre nie auf die Idee gekommen, dass da noch Luft drin steckt.
Die Realität ist: mit dem iPhone hat Apple gezeigt, dass es auch anders geht, dass andere Anforderungen bestehen, dass es Potential gibt, das es zu heben galt.
Stand jetzt, bald zehn Jahre nach dem ersten iPhone: man bekommt Smartphones für fast den gleichen Preis, wir vor zehn Jahren Handys, obwohl diese sehr viel komplexer sind. Es hat sich eine komplexe Industrie an Zulieferbetrieben für hochspezialisierte Komponenten entwickelt, die Teile für Minimalbeträge produzieren - und entsprechend in neuen Generationen von Geräten, ohne nennenswerte Verteuerung, eingebaut werden.
Und warum hat das Apple geschafft? Weil sie als 'branchenfremdes Unternehmen' einen unverklärten Blick auf die Mobilgeräte Industrie geworfen, und neue Ansätze gewagt haben. Und nur wenige Jahre später sind diese Standard.
Wenn Tesla das als Neuling mit absolut unverklärtem Blick, ohne alte Korsette, und ohne gedankliche Mauern anschaut und analysiert, besteht durchaus die Möglichkeit für neue Ansätze. Weil sie eben nicht Betriebsblind sind, und in engen Bahnen denken.
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By the way: Wer hatte weiter oben behauptet, Teslas Direktmarketing sei 'erfolglos'? Nun ja: das gilt dann sicher auch für Apples Apple Stores - wo der Hersteller selber verkauft? Und dass man jedes Apple Gerät auch online bestellen kann? Deswegen hat Apple auch so untreue Kunden?
Ich denke, dass das Hersteller-Händler Modell antiquiriert ist, und ebenfalls zu einer aussterbenden Spezies gehört. Wer vertraut denn schon seinem Autohändler? Gerade dass es eben beispielsweise kein VW Geschäft ist, sondern unabhängige Händler zugange sind, ist ein Nachteil, der den Vertrieb (Zwischenhändler verdient mit, und wenn man den zu doll drückt, kommt vielleicht Murks heraus) teurer macht.
Und: der Hersteller hat dadurch keinen direkten Kontakt zum Kunden, und kann zwar Vorschriften machen, wie die Geschäfte auszusehen haben, sie gängeln und unter Druck setzen, etc. - aber der Kunde kauft eben bei einem Händler, und nicht bei VW. Dadurch kann sich keine echte Kundenbindung entwickeln. Weil der eben weit weg ist.
Tesla kann sich komplett frei und ungebunden das Vertriebskonzept aufbauen, was sie haben wollen. Ohne Altlasten.
Die Kundenbindung ist bei Apple sehr gut, und bei Tesla ist es durch den Direktvertrieb entsprechend. Der Kunde kauft nicht einen Tesla von xyz, er kauft bei Tesla. Direkte Geschäftspartner. Mit allen Vorteilen.
Und, wenn etwas nicht gut läuft, kann man direkt auf den Tisch hauen, und ist nicht, siehe den Diesel Skandal, auf irgendwelche jämmerlichen Versteckspiele angewiesen. Von wegen beim Händler betteln, der bei VW bettelt, und die Heben oder senken den Finger.