"Eine unbegrenzte Nachfrage kann es für materielle Dinge schon theoretisch nicht geben. Was damit gemeint ist, dass Tesla viel mehr verkaufen könnten wenn sie mehr produzieren könnten."
Tesla hätte ohne weiteres mehr produzieren können. Die "annualized installed capacity" lag bereits Ende Q3 bei gesamt 840000, für Q4 also 210000 Fahrzeuge. Gefertigt wurden tatsächlich knapp 180000. Wenn's nicht die Nachfrage war, was hat dann Tesla veranlasst alleine in Q4 30000 Fahrzeuge weniger zu produzieren als sie nach eigener Aussage hätten produzieren können? (siehe Tesla IR)
"Als ob die Fabrik in Shanghai nicht zählen würde. Bisher wurde China von Fremont aus mit versorgt. Jetzt gibt es da eine lokale Produktion und Tesla kann die Autos zu anderen Märkten schicken."
Natürlich zählt die Fabrik in China und dort sieht es im Moment auch nicht nach mangelnder Nachfrage aus. Aber China ist halt auch nur einer von drei Märkten. Da sich China selbst versorgt, hätte Fremont in der Tat mehr nach Europa liefern können. Hat es aber nicht. Während in 2019 immerhin ~ 111000 Fahrzeuge aus Fremont in Europa verkauft wurden, waren es in 2020 etwa 92000 (nach Abzug der ~7000 aus China); also +/- 19000 weniger. teslamotorsclub.com/tmc/threads/...-registration-stats.61651/
Insgesamt hat Fremont in 2020 etwa (meine Schätzung) 15-20000 Fahrzeuge weniger produziert als 2019. Damit ist Tesla immer noch besser als der Gesamtmarkt, aber darum geht es mir nicht. Es geht darum ob die Tesla-Wachstumsstory die der Markt erwartet noch intakt ist.
Die Nachfrage nach den tatsächlichen Produktionszahlen zu beurteilen, halte ich für einen falschen Ansatz: Das Unternehmen bräuchte dann nur die Produktion zurückzufahren (wie in Fremont?) und schon passt die Nachfrage wieder. Etwas mehr reduziert und man kann von "produktionslimitiert" sprechen..... was du ja gerne tust. Produktionskapazitäten aufzubauen und zu unterhalten kostet Geld. Deshalb besteht mMn ein Nachfragedefizit wenn die vorhandenen Kapazitäten nicht ausgelastet sind. Tesla hatte weltweit in 2020 nach eigenen Angaben eine gemittelte Kapazität von knapp unter 800000 Fahrzeugen, hat aber - trotz Preissenkungen, Model Y, Upgrades, Fortschritte bei FSD, etc - etwa 500000 Fahrzeuge produziert. Also abgerundet ca. 250000 weniger als sie hätten produzieren können!
Als Absatzschwankung würde ich das nicht mehr bezeichnen. Und die dafür genannten Begründungen halte ich für schwach: Einen staatlichen Endkunden-Preis-Nachteil von 7.500 Dollar pro Auto gibt es de facto nicht, die Corona Rezession hat vor allem die Absätze fossiler Fahrzeuge reduziert und damit Potential für alternative Antriebe geschaffen (siehe z.B. kba zahlen), die heftige Kannibalisierung von M3 durch MY ist ein hausgemachtes Problem und M2 gibt es noch nicht und wird da wo es kommt M3 von der anderen Seite kannibalisieren.
Wenn es Tesla schon nicht gelungen ist die vorhandenen Kapazitäten 2020 auszulasten, sind die zusätzlichen Kapazitäten die 2021 hinzukommen schwer begründbar und bestenfalls ein bis zwei Jahre zu früh.
Damit will ich nicht gesagt haben, dass Tesla diese Kapazitäten nicht füllen kann. Dazu müsste sich Tesla allerdings etwas einfallen lassen was jetzt noch gar nicht auf dem Radar ist, oder die Preise weiter deutlich senken, was der Buchhaltung nicht gefallen wird.
Es bleibt auf jeden Fall spannend (und nicht ohne erhebliches Risiko für Investierte).