AUSBLICK: Detaillierte Telekom-Bilanz soll Kaffeesatzleserei beenden
BERLIN (dpa-AFX) - Vier Wochen nach der Präsentation der vorläufigen Zahlen wird die Deutsche Telekom am heutigen Dienstag im Rahmen der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin ihre endgültige Halbjahresbilanz inklusive der Zahlen für das zweite Quartal auf den Tisch legen. Analysten warten auf die detaillierten Daten aus dem operativen Geschäft, die "logischerweise sehr viel aussagekräftiger" seien als die bisherigen Angaben.
Die Deutsche Bank-Analysten gehen davon aus, dass es beim Telefonriesen im abgelaufenen zweiten Quartal (Ende Juni) mit 962 Mio. Euro Netto-Verlust sehr viel schlechter gelaufen ist als im ersten Quartal (minus 358 Mio. Euro). Werden jedoch die Einnahmen durch Übernahmetransaktionen hinzu gerechnet, ist laut den Analysten mehr oder weniger ein ausgeglichenes Ergebnis auf Netto-Basis sowie beim Gewinn je Aktie möglich. Ende Mai hatte die Telekom die Übernahme des amerikanischen Mobilfunkers VoiceStream abgeschlossen. Daher wird die neue Tochter für rund einen Monat (Juni) erstmals in der Bilanz berücksichtigt sein.
ANALYSTEN WARTEN AUF AUFSCHLÜSSELUNG ALLER GESCHÄFTSBEREICHE
Am 31. Juli hatte der Bonner Konzern lediglich folgende Pro-Forma-Zahlen für das erste Halbjahr bekannt gegeben: einen Fehlbetrag nach Sonderposten in Höhe von 400 Mio. Euro (Vorjahresvergleich: 4,34 Mrd. Euro Gewinn) sowie einen Konzernumsatz, der auf rund 22,6 Mrd. Euro stieg (19,2 Mrd. Euro). Analysten wie Werner Stäblein von der BHF-Bank bezeichneten die wenigen Fakten nur als "Stückwerk", vor dessen Kaffeesatzleserei man sich besser hüten sollte.
Die Experten nahmen jedoch insbesondere die positiven Folgen des Umdenkens in der Mobilfunksparte für das Gesamtergebnis des Konzerns zur Kenntnis: Nachdem die Mobilfunksparte T-Mobile im vergangenen Jahr durch die hohen Kosten für die Werbung von Neukunden tiefrote Zahlen geschrieben hatte, verbesserte sich die Ertragslage im laufenden Jahr deutlich. In Deutschland bestimmt die Telekom mit ihrem T-D1-Angebot gemeinsam mit dem britischen Konkurrenten D2-Vodafone den Mobilfunkmarkt. Hier will der Konzern nun vorrangig auf höhere Umsätze der bestehenden Kundschaft setzen, um nach den Jahren des Wachstums die Profitabilität zu verbessern.
BÖRSIANER NERVÖS WEGEN MÖGLICHER NEUER GROSSVERKÄUFE
Die Deutsche Bank hatte am 7. August für Schlagzeilen gesorgt, als sie in einem umstrittenen Paketverkauf von T-Aktien im Wert von rund 1 Mrd. Euro den deutschen Aktienmarkt kräftig ins Schwanken brachte. In der Folge markierte die Volksaktie neue Jahrestiefs: Bei 16,29 Euro verzeichnete sie am 22. August den niedrigsten Schlusskurs seit Anfang 1998. Der Auftrag des Großaktionärs Hutchison Whampoa wurde just zwei Arbeitstage nach einer Kauf-Empfehlung von Seiten der Deutschen Bank abgewickelt.
Bei den Börsianern sorgt die am 1. September endende Sperrfrist für VoiceStream-Aktionäre für erneute Nervosität. Dann dürfen die Aktionäre ihre einst umgetauschten Anteilsscheine verkaufen. Unterdessen bestätigte die Telekom am Sonntag, dass der finnische Telekom-Großaktionär Sonera bereits im Juni und Juli in Abstimmung mit der Deutschen Telekom rund ein Viertel seiner Telekom-Aktien vor dem Ablauf der Sperrfrist abgestoßen hat: Anders als bei der Deutschen Bank wurde die Order über die Dresdner Bank anscheinend ohne spürbaren Einfluss auf den Aktienkurs abgewickelt./aa/bz/ar
28.08. - 07:04 Uhr