Telekom verzichtet auf französische UMTS-Lizenz


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Telekom verzichtet auf französische UMTS-Lizenz

 
22.11.00 00:34
Die Deutsche Telekom wird nicht an der Versteigerung von UMTS-Lizenzen in Frankreich teilnehmen.

Das hat der Vorstand am Dienstag beschlosssen und nach Börsenschluss bekannt gegeben. Seine Mobilfunktochter T-Mobile fokussiere sich "auf Märkte, in denen sie bereits über eine bestehende Kundenbasis und Netzinfrastruktur verfügt", erklärte T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke. Beides sei in Frankreich nicht gegeben. Analysten bewerteten den Schritt als Abschied der Telekom von ihren Ambitionen, ein gesamteuropäischer Mobilfunkbetreiber zu werden.

Frankreich ist nach Italien und Spanien bereits das dritte große europäische Land, in dem die Telekom in der Vergabe der UMTS-Lizenzen einen Rückzieher macht. Damit fällt sie gegenüber dem britischen Konzern Vodafone und France Télécom zurück, die ihre Position als Marktführer im europäischen Mobilfunkmarkt der Zukunft ausbauen. In Frankreich werden die UMTS-Lizenzen Mitte 2001 vergeben. Die Regierung hat sich für eine Vergabe nach Eignung entschieden, nicht für eine Auktion wie in anderen europäischen Ländern.

Frankreich bleibe trotz der Entscheidung ein "sehr wichtiger Markt" für die Telekom, erklärte der Konzern. Er verwies auf seine Beteiligungen im Festnetz-, Internet- und IT-Dienstleistungsgeschäft. Auch im Mobilfunk gibt die Telekom Frankreich nicht auf. "Wenn wir ein weltweiter Anbieter in der dritten Mobilfunkgeneration sein wollen, können wir es uns nicht erlauben, in Spanien, Italien oder Frankreich zu fehlen", sagte Ricke in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Er ließ allerdings offen, wie ein alternativer Weg aussehen könnte.

Sommers Partnersuche blieb erfolglos

Die Telekom hat in den vergangenen Wochen Gespräche mit verschiedenen möglichen Partnern in Frankreich geführt. Diese haben jedoch zu keinem Ergebnis geführt. Ihr ging es darum, einen Partner mit Kundenbeziehungen zu finden, mit dem sie gemeinsam ein UMTS-Netz aufbauen könnte. In der Regel strebt die Telekom Mehrheitsbeteiligungen an, was sich häufig als nicht akztepabel für die Partner erwiesen hat. In Frankreich sei dies jedoch "in den Gesprächen kein Problem" gewesen, sagte Ricke in dem Interview.

"Das ist die Aufgabe der Position als paneuropäischer Betreiber", sagte Frank Rothauge, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim, zur Entscheidung der Telekom. "Wenn es mal wichtig wird, eine europäische Mobilfunk-Abdeckung zu haben, dann entstehe mit Frankreich eine Riesenlücke. Und die wird auch nicht so leicht zu schließen sein." Andererseits spare die Telekom zunächst hohe Kosten, die durch den Kauf der Lizenz und den Aufbau eines Mobilfunknetzes entstanden wären. Dies sei kurzfristig positiv zu bewerten.

Abkehr von gesamteuropäischer Strategie

Frankreich gilt als interessanter Markt, weil es dort bisher nur drei Mobilfunbetreiber gibt. Da vier UMTS-Lizenzen vergeben werden, kommt voraussichtlich nur ein weiterer Betreiber hinzu. Damit bleibt der Wettbewerb überschaubar. In Deutschland haben sechs Betreiber eine UMTS-Lizenz erhalten.

Frankreichs Regierung hat sich anders als etwa die in Deutschland und Großbritannien für eine Vergabe der Lizenzen nach einer Eigungsprüfung - einen so genannten Schönheitswettbewerb - entschieden und nicht für eine Versteigerung. Die Lizenz hat einen Festpreis von 32,5 Mrd. Franc (rund 5 Mrd. E), von dem die Hälfte sofort und die zweite Hälfte verteilt über 13 Jahre zu bezahlen ist. Ricke betont in "Les Ecos", dieses Verfahren sei nicht zu kritisieren. Die Telekom habe keine Zweifel an dessen Objektivität gehabt.


Frank Wellendorf, Analyst von WestLB Panmure, verwies darauf, dass für die Telekom nun ein Zusammengehen mit der Telecom Italia Mobile (TIM) an Attraktivität gewinne. Entsprechende Gerüchte sind seit der gescheiterten Fusion mit Telecom Italia nie abgeflaut. Die Italiener sind über Bouygues Telecom in Frankreich vertreten und ergänzen mit Aktivitäten in ihrem Heimatland, Spanien und Griechenland T-Mobile regional sehr gut. Einen Zusammenschluss der beiden Anbieter vor dem für nächstes Jahr geplanten Börsengang von T-Mobile halten die Analysten allerdings für unwahrscheinlich. T-Mobile-Chef Ricke sagte dazu: "Ich äußere mich niemals zu Gerüchten. Aber in der Tat würden wir uns mit TIM ergänzen."

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