ftd.de, Di, 22.5.2001, 20:10
Teldafax geht hoch verschuldet in die Insolvenz
Der tief verschuldete Telefondienstleister Teldafax geht in die Insolvenz. Mit einem Rettungsplan will das Unternehmen aus der Verlustzone kommen.
"Das Insolvenzverfahren wird am 1. Juni eröffnet", sagte Teldafax-Vorstand Stefan Koch am Dienstag der FTD. Grund ist Zahlungsunfähigkeit. Das Unternehmen steht bei der Deutschen Telekom mit 70 bis 90 Mio. DM in der Kreide.
Damit hat für Teldafax die entscheidende Runde in der jungen Unternehmensgeschichte begonnen. In den nächsten Monaten wird sich herausstellen, ob das 1995 gegründete Unternehmen Konkurs anmelden muss oder sich an dem Insolvenzverfahren sanieren kann. In den vergangenen Monaten war Teldafax wegen des Preisverfalls im Festnetz in arge Schwierigkeiten geraten. Den Höhepunkt der Krise erreichte das Unternehmen, als die Telekom die Leitungen im April für knapp drei Wochen kappte. Erst durch eine vom Kölner Landgericht angeordnete einstweilige Verfügung wurde das Unternehmen wieder aufgeschaltet.
Die Gläubiger seien sich zum großen Teil einig, das Unternehmen zu erhalten, sagte Koch. Eine Gläubigerversammlung werde im Juni darüber entscheiden. Dem Gremium werde ein Plan vorgelegt, demzufolge die Teldafax in wenigen Monaten schwarze Zahlen schreiben werde.
Koch kündigte an, das Unternehmen werde sich auf das Festnetz konzentrieren und alle anderen Bereiche verkaufen. Außerdem werde sich Teldafax von seinen Vertriebspartnern trennen. Durch die Insolvenz habe das Unternehmen Verträge mit Partnerunternehmen neu verhandelt und so "gigantische Einsparungen erzielt". Mit den derzeitigen Umsatz von wöchentlich bis zu 6 Millionen Gesprächsminuten von 30000 Kunden "machen wir ein Plus". Koch ist der einzige Vorstand, der dem Unternehmen die Treue hält. Technikvorstand Stefan Lengner verlässt Teldafax zum 31. Mai, 20 weitere Mitarbeiter hätten gekündigt. "Die Führung ist aber intakt", sagte Koch.
© 2001 Financial Times Deutschland