- E-Learning ist krisenfest -
von Hinrich von Haaren
Der Bildungs- und E-Learning-Sektor hat sich im vergangenen Jahr als relativ resistent gegen die Konjunkturflaute erwiesen. Während die Branche in Europa noch recht unterentwickelt und Unternehmen hierzulande für Anleger nur von begrenztem Interesse ist, können Investoren in den USA interessante langfristige Anlagemöglichkeiten finden. Als attraktivste Gruppe innerhalb der Branche erwiesen sich 2001 Unternehmen, die Weiterbildungszentren und private Universitäten bzw. Colleges führen. Diese können in den USA nun vom verstärkten Fokus der Regierung Bush auf den Bildungssektor profitieren. Gelitten hat dagegen die Weiterbildung auf Unternehmensebene, wo sich die Konjunkturflaute stärker als im privaten Bereich ausgewirkt hat. Mit neuerstellten Budgets für 2002 rechnen Analysten aber auch hier mit einer Erholung.
Aus fundamentaler Sicht halten die Analysten der Deutschen Bank den E-Learning- und Bildungssektor für einen der attraktivsten überhaupt. Der von ihnen erstellte Index mit 35 Learning-Stocks stieg im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent (2000: + 15,5), während der S&P 500 um 13 Prozent nachließ. Für diese Stabilität gibt es verschiedene Gründe.
Zuflucht in unsicheren Zeiten
Learning-Stocks gelten in einem prekären wirtschaftlichen Umfeld als "sicher". Viele Anleger, die nach dem Schiffbruch der Tech-Branche genug von IT-Aktien hatten, suchten hier Zuflucht. Der relativ hohe Grad an Vorhersagbarkeit bei Umsätzen und Gewinnen erwies sich in den vergangenen 12 Monaten als zunehmend attraktiv. Das politische Umfeld ist günstig und demographische Daten geben einen recht klaren Ausblick auf steigende Studentenzahlen in den nächsten fünf Jahren.
Ertragskraft und Cash Flow in der Branche sind gut und verbessern sich ständig. Die Top-Picks (s.u.) konnten in den vergangenen Jahren ständig ihre Margen verbessern und von schrittweisen Preiserhöhungen profitieren. E-Learning hat sich zunehmend als ein kostenbewusster und bequemer Weg der Weiterbildung etabliert und ist damit eine der interessantesten Nischen im gesamten Bildungsmarkt geworden.
Sektor ist sehr breit gefächert
Das Wort "Nische" deutet aber auch gleichzeitig auf das Problem der Branche hin: Eine unglaubliche Vielfalt an Segmenten und Untersegmenten und damit starke Schwankungen bei der Unternehmensperformance. Learning-Stock ist eben nicht gleich Learning-Stock. Auf die Differenz zwischen fortführender Bildung nach dem Schulabschluss und Weiterbildung für Arbeitnehmer wurde anfangs schon hingewiesen.
Anleger sollten sich also vornehmlich auf Aktien aus dem ersten Bereich konzentrieren und dabei vor allem auf Unternehmen mit einem breiten Angebot von Qualitätsprodukten, einem weiten Vertrieb und einer starken Marktpräsenz. Anbieter also, die ein solides Wachstum in allen Bereichen und hohe Margen vorweisen können. Meiden sollte man dagegen Unternehmen mit einem hohen Kapitalbedarf und beschränkten Umsatzaussichten. Die Analysten der Deutschen Bank weisen darüber hinaus auf eine weitere Gefahr hin: Sollte sich der Markt wieder in Richtung zyklischere Tech-Stocks zurückbewegen, wird die Attraktivität der sichereren Bildungsanlagen aller Wahrscheinlichkeit nach abnehmen.
Unter den herrschenden Marktbedingungen bleibt die Mehrzahl der Analysten dem Sektor gegenüber jedoch "bullish" eingestellt. Zwei der Top-Picks sind Sylvan, ein Unternehmen, das Bildungszentren der verschiedensten Art betreibt und der E-Learner SmartForce.
Top-Pick Sylvan
entrium.teledata.de/entrium/chart/...m=SLVN.NAS&hist=&bFunds=0 target="_new" rel="nofollow">Sylvan Learning Systems (NAS), mit Hauptsitz in Baltimore, betreibt weltweit insgesamt 1 900 sogenannte Lernzentren. Hinter diesem Begriff verbergen sich Zentren für Weiterbildung (z.B. Lehrerausbildung) und Sprachschulen, als auch Beteiligungen an privaten Fachhochschulen wie einer Hotelfachschule in der Schweiz.
Die kurzfristigen Aussichten für Sylvan sind ausgezeichnet. Die Ergebnisse des dritten Quartals wiesen ein beeindruckendes organisches Wachstum auf. Der Umsatz stieg um 80 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Deutsche Bank erwartet eine ähnlich gute Entwicklung für das vierte Quartal. Auch sind die Prognosen für das Jahr 2002 optimistisch. Die Umsatz- (568 - 592 Millionen Dollar) und Gewinnschätzungen (61,4 - 64,6 Millionen) liegen über den Prognosen der Analysten, die aufgrund der guten Unternehmenslage (20 Prozent mehr Studenten im letzten Jahr, neue Akquisitionen) davon ausgehen, dass Sylvan seine eigenen Schätzungen übertreffen wird. Ein organisches Wachstum in Bereich von 20 Prozent über die nächsten drei bis fünf Jahre sei daher durchaus möglich, so die Deutsche Bank, die den Wert zum Kauf mit einem Kursziel von 29 Dollar empfiehlt.
Als "Sehr Attraktiv" für kurzfristig ausgerichtete Anleger und "Attraktiv" für Investoren, die auf der Suche nach stabilen, qualitativ hochwertigen Anlagen suchen, bezeichnet das amerikanische Researchhaus Value Engine die Aktie, die mit 37,45 Dollar fair bewertet sei. Eine Kaufempfehlung kommt auch von Credit Suisse First Boston (Kursziel 30 Dollar), vor allem aufgrund der Tatsache, dass Sylvan in allen Geschäftsbereichen ein Wachstum aufweisen konnte. In seiner speziellen Nische ist das Unternehmen zweifellos Marktführer. UBS Warburg hebt hervor, dass dies dem guten Management zu verdanken ist, dem es in den letzten anderthalb Jahren gelang, Sylvan zu einem der führenden Anbieter von Fernkursen zu machen. "Langfristig Kaufen" raten die Analysten daher und setzen ihr Kursziel bei 34 Dollar an.
Top-Pick SmartForce
Der Anbieter von E-Learning-Kursen entrium.teledata.de/entrium/chart/...m=SMTF.NAS&hist=&bFunds=0 target="_new" rel="nofollow">SmartForce (NAS) gehört zu den am besten positionierten Unternehmen in diesem Segment. SmartForce betreibt eine Internetplattform auf der über 4 000 Unterrichtsstunden abgerufen werden können. Schwerpunkt sind Technologie- und Projektmanagementkurse. Der Kundenstamm besteht aus über 2 500 Unternehmen, darunter Dell, AT&T und Unisys. Die Seminare werden online abgehalten, darüber hinaus gibt es ein Programm, das den Fortschritt der Lernenden überprüft.
Analysten sind besonders beeindruckt, dass es SmartForce ohne größere Probleme gelungen ist, sein Produktangebot von CD auf Internet umzustellen. SmartForce weitet seinen Kundenkreis ständig aus, verbessert seine Margen und verfestigt damit seine Position als "Nischenführer" für E-Learning.
Die Deutsche Bank hebt darüber hinaus das erfolgreiche Verkaufsteam hervor, das dem Unternehmen einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen Anbietern verschafft. Die gegenwärtige Konjunkturschwäche kommt dem Unternehmen nach Ansicht der Analysten zugute, da schwächere Anbieter jetzt einer Marktkonsolidierung zum Opfer fallen werden. Außerdem suchen Unternehmen zunehmend nach kostengünstigeren Weiterbildungslösungen für ihre Angestellten. Die Deutsche Bank rechnet mit einem Umsatzwachstum zwischen 20 und 30 Prozent in den nächsten drei bis fünf Jahren. Erst kürzlich hat SmartForce einen Vertrag über 2,2 Millionen Dollar mit TRW Systems über Weiterbildungskurse abgeschlossen. UBS empfiehlt die Aktie zum Kauf, ebenso Standard & Poor's. Value Engine verpasst dem Wert ein "Attraktiv" für Investoren mit Interesse an soliden Marktführern und gibt einen fairen Wert von 24,64 Dollar an.