Tech-Aktien stark im Kommen: Ist die Wende bereits


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sir charles:

Tech-Aktien stark im Kommen: Ist die Wende bereits

 
28.01.02 12:57
Tech-Aktien stark im Kommen: Ist die Wende bereits geschafft?

Erfreuliche Nachrichten von Chip- und Softwareherstellern lassen die Herzen der Anleger wieder höher schlagen. Experten zeigen sich indessen noch vorsichtig optimistisch.

Nach dem verheerenden Kurssturz des vergangenen Börsenjahres können Anleger mit Technologiewerten bereits seit Monaten wieder kräftig verdienen. Vorausgesetzt freilich, wenn sie zur richtigen Zeit aus- bzw. wieder eingestiegen sind. Schon im vierten Quartal des letzten Jahres war der Sektor von einer Phase der Erholung geprägt, die Kurse wurden regelrecht nach oben gepeitscht. Wenngleich die Niveaus aus dem Jahr 2000 noch in unerreichbarer Ferne liegen, konnten die im Dow Jones European Technology-Index vertretenen Aktien seit September 70 Prozent an Wert gewinnen (siehe Chart). Ist die Wende an den Tech-Märkten damit geschafft?


"Vielleicht", wäre wohl die repräsentative, wenngleich unbefriedigende Antwort der Experten. Insgesamt wird zwar eine deutliche Besserung der Lage konstatiert, von einer bevorstehenden Hausse spricht aber noch niemand. Auf der Habenseite stehen teils überraschend positive Geschäftsberichte der Software-Hersteller SAP und Siebel sowie gute Nachrichten vom Handy-Hersteller Nokia. Gerade der finnische Paradekonzern zeigt, wie schwer sich die Profis derzeit mit einer Lagebestimmung tun.

Experten zeigen Nerven

Noch zu Beginn der Vorwoche hatte etwa Merrill Lynch Nokia-Aktien zum Verkauf empfohlen, sehr zum Ärger aller Anleger die diesem Rat prompt folgten. Schließlich legte die Aktie nach den positiven Geschäftsdaten bis Freitag um knapp zehn Prozent zu. Insgesamt hat Merrill Lynch den Anlegern geraten, sich aus dem Tech-Sektor zurückzuziehen.

Die Augen der Börsianer richten sich indes vor allem auf den Chip-Sektor, dem Herzstück der Tech-Märkte. Nicht zuletzt die angestiegenen Preise lassen die Hersteller und deren Eigentümer hoffen. Laut Paul Shutes von J.P. Morgan Fleming waren herkömmliche Speicherchips vor wenigen Monaten zur Freude der Konsumenten noch um knapp einen Dollar zu haben, derzeit sind dafür schon wieder rund drei Dollar zu bezahlen. In der Hochblüte des Tech-Booms schossen die Preise für Speicherchips aber sogar auf 15 Dollar in die Höhe. Analysten prophezeien dem Chip-Sektor für heuer eine Welle der Konsolidierung, wodurch sich die Erträge weiter stabilisieren könnten. Freilich nur für jene, die übrig bleiben.

Die Frage, um die sich derzeit alles dreht, ist, ob irgendwer den Markt nach vorne treiben könnte. So stehen positiven Nachrichten - wie dem starken Weihnachtsgeschäft von Nokia - noch immer viele negative gegenüber. Beispielsweise die schweren Verluste von Motorola. Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S, dessen Geschäft vom Handy-Markt abhängt, kann derzeit noch keine treibende Kraft erkennen. Starke Unternehmenszahlen wie jene von Nokia blieben noch immer die Ausnahme, so AT&S-Sprecher Reinhold Oblak.

Ein nachhaltiger Aufschwung lasse sich laut Oblak erst dann feststellen, wenn die Kapazitätsauslastung der Leiterplattenhersteller über mehrere Monate hinweg die 80 Prozent-Schwelle übersteige. Derzeit liege die Auslastung noch bei knapp 70 Prozent. Wie skurril die Lage ist, zeigte nicht zuletzt die AT&S selbst, mit einem höchst selten zu beobachtenden Schauspiel. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen wies zu Beginn des Jahres eine von der Erste Bank ausgestellte Analyse über das Unternehmen entschieden zurück. Nicht etwa, weil diese zu negativ gewesen wäre, sondern weil darin der AT&S eine zu rosige Geschäftsentwicklung prophezeit wurde.

Für weniger Wirbel wird die RZB sorgen, die in ihrer aktuellen Sektor-Analyse auf die noch immer verhaltenen Markteinschätzungen hinweist. Die RZB-Experten rechnen zwar mit einer kontinuierlichen Besserung im High-Tech-Sektor, aber nicht mit einem raketenhaften Anstieg der Kurse. Den Anlegern bleibt also noch Zeit, interessante Tech-Werte etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.


Für Shutes dürfen Anleger nicht mit einer breit angelegten Technologie-Hausse rechnen, sondern müßten sich auf das konsequente Herausfiltern von guten Einzelwerten konzentrieren. Neben einer starken Marktposition wären vor allem jene Unternehmen interessant, die auch in Aussicht gestellte Ertragsziele übertreffen.

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