Taliban besetzen UN-Büros in Kandahar


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Hartkore_Diab.:

Taliban besetzen UN-Büros in Kandahar

 
24.09.01 19:49
ftd.de, Mo, 24.9.2001, 8:49, aktualisiert: Mo, 24.9.2001, 15:00  
Taliban besetzen UN-Büros in Kandahar

Die afghanische Taliban-Miliz hat die Büros der Vereinten Nationen in der Stadt Kandahar besetzt. US-Präsident George W. Bush hat Vermögenswerte Bin Ladens in den USA eingefroren.


Die in Afghanistan verbliebenen UN-Mitarbeiter wurden von jeder Kommunikation nach außen abgeschnitten, sagte eine UN-Sprecherin am Montag. "Jeder Kontakt mit dem Ausland bringt die Mitarbeiter in Lebensgefahr", sagte sie. Die Taliban hatten zuvor in einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan die Vereinten Nationen aufgefordert, in den Konflikt nach den Terroranschlägen in den USA einzugreifen. Pakistan hat als Vorsichtsmaßnahme seine Diplomaten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul abgezogen.

Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar hat die USA gewarnt, dass ein Terrorangriff auf Afghanistan den Terrorismus nicht beenden werde. Den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge Osama Bin Laden oder Omar selbst zu töten, werde die Probleme nicht lösen, hieß es in einer Erklärung.



Vermögenswerte Bin Ladens eingefroren

Bush hat nach Angaben eines Sprechers des Präsidialamtes die US-Vermögenswerte Bin Ladens und seiner Organisation El Kaeda eingefroren. Bush habe eine entsprechende Anordnung bereits unterschrieben. Nach Informationen aus US-Regierungskreisen hat Bush in der Anordnung auch alle Geschäfte mit Personen oder Gruppen verboten, die Beziehungen zu mutmaßlichen Terroristen haben.


Der Botschafter der Taliban in Pakistan teilte mit, seine Regierung mobilisiere inzwischen für einen Krieg. Zum Aufenthaltsort des mutmaßlichen Drahtziehers der Terroranschläge in den USA, Osama Bin Laden, sagte er: "Ich weiß nicht, wo er sich genau aufhält."


Die Taliban hätten 300.000 'Gotteskrieger' rekrutiert, sagte der Verteidigungsminister der Miliz der Nachrichtenagentur AFP. Experten bezweifeln diese Zahl. Nach westlichen Schätzungen verfügen die Taliban bislang über 45.000 Mann und könnten nicht wesentlich mehr Leute bewaffnen. Außerdem besteht der größte Teil der Taliban-Truppe aus Überläufern früherer feindlicher Milizen, die sich bei veränderten Machtverhältnissen gegen die Taliban stellen könnten.




Die USA setzen ihren Truppenaufmarsch in der Krisenregion am Golf fort. Das Pentagon berief zusätzliche Reservisten ein. Weitere Schiffs- und Flugzeugverbände sind auf dem Weg in die Region. Das US-Verteidigungsministerium wollte weder Ziele noch Truppenverlegungen bestätigen. Wann und wo ein erster Militärschlag erfolgen würde, war weiter ungewiss. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Sonntag im US-Fernsehen, die US-Streitkräfte würden an "verschiedenen Punkten der Welt" in Stellung gebracht. "Das ist kein afghanisches Problem allein." Präsident George W. Bush stehe vor einer "ganzen Reihe von Entscheidungen".



US-Militärdelegation in Islamabad


Eine US-Militärdelegation berät mit der pakistanischen Regierung in Islamabad über eine Zusammenarbeit bei einem Militärschlag gegen Afghanistan. Der Delegation, die am Wochenende in Islamabad angekommen war, gehören vermutlich vier Militärvertreter aus Washington an. Pakistan hatte den USA Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesichert. Am Sonntag hatte die pakistanische Regierung mitgeteilt, die Verhandlungen mit den USA über eine Stationierung von US-Truppen seien noch im Gange. Der Sekretär von Präsident Pervez Musharraf sagte: "In der Zusammenarbeit mit den USA können wir mäßigend wirken und sicherstellen, dass es keine zivilen Opfer geben wird."


US-Außenminister Colin Powell widersprach der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, die gesagt hatte, die Vertreibung der Taliban aus Afghanistan sei eines der Ziele der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Rice räumte der Nordallianz, die im Norden des Landes gegen die Taliban kämpft, "eine bestimmte Rolle" im bevorstehenden Kampf ein. Die Nordallianz setzte am Sonntag nach Geländegewinnen vom Vortag ihre Offensive gegen die Taliban fort.



Landwirtschaftliche Flüge verboten


Offenbar aus Furcht vor Anschlägen mit chemischen oder biologischen Waffen verboten die USA am Sonntag alle landwirtschaftlichen Flüge, bei denen die Felder aus der Luft mit Pflanzenschutzmitteln besprüht werden. Der Geheimdienst habe die Maßnahme empfohlen, erklärte ein Sprecher der Bundesluftfahrtbehörde FAA. Die "Washington Post" berichtete auf ihrer Internetseite, dass sich drei Männer aus dem Nahen Osten vor einiger Zeit nach Flugzeugen zum Besprühen von Feldern erkundigt hätten. Einer dieser Männer sei als Mohamed Atta identifiziert worden. Atta gilt als mutmaßlicher Entführer bei den Anschlägen vom 11. September.



Gedenkfeier für die Opfer


In New York hatte am Sonntag eine Gedenkfeier für die Opfer der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon stattgefunden. Im traditionsreichen New Yorker Yankee-Stadion versammelten sich rund 20.000 Menschen, um den Opfern zu gedenken, die bei den Anschlägen am 11. September getötet wurden. In dem Baseball-Stadion im New Yorker Stadtteil Bronx sprachen Vertreter der christlichen Kirchen wie auch der jüdischen, moslemischen und hinduistischen Glaubensgemeinschaften den Trauernden Trost und Mut zu und riefen zur Einheit auf. Großen Applaus gab es für Imam Izak-El Pasha, der die Menschen aufforderte, sich nicht von Vorurteilen beeinflussen zu lassen. "Wir sind Moslems, aber wir sind Amerikaner!", sagt er.


New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani sprach den Menschen Mut zu. "Unsere Skyline wird sich wieder erheben", sagte er. "Jenen, die sagen, unsere Stadt wird nie mehr so sein wie vorher, sage ich: Ihr habt Recht - sie wird noch besser werden." Er hatte darauf bestanden, nicht von einer Trauerfeier zu sprechen, weil noch ein Funke Hoffnung für die Rettung einiger der Vermissten bestehe. Seit den Terrorangriffen wurde jedoch kein Überlebender aus den Trümmern geborgen. Nach der Veranstaltung gab Giuliani die Zahl der Vermissten mit 6453 an - 120 mehr als zuletzt angenommen.



Polizei und Feuerwehr suchen weiter


Viele hielten bei der Gedenkveranstaltung Bilder ihrer vermissten Angehörigen und Freunde und die amerikanische Flagge hoch. Die Veranstaltung fand unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. Ursprünglich hätte die Gedenkfeier im Central Park von New York stattfinden sollen, wo bis zu eine Million Menschen Platz gefunden hätten. Dies hätte aber große Sicherheitsvorkehrungen bedurft. Viele Polizisten und Feuerwehrmänner sind immer noch am "Ground Zero" genannten Einsatzort in Manhattan im Einsatz, um Trümmer zu beseitigen oder doch noch Überlebende zu finden.



© 2001 Financial Times Deutschland
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