DJ: AUSBLICK/ Gewinne von Solarunternehmen bleiben unter Druck
DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die deutschen Solarunternehmen dürften nach dem
Einbruch im ersten Quartal im zweiten Quartal etwas Morgenluft gewittert haben.
Die Erlöse sollten nach Schätzungen der von Dow Jones Newswires befragten
Analysten nicht mehr ganz so stark eingebrochen sein. Die Ertragslage stellt
sich jedoch weiterhin dürftig dar.
Die Branche leidet unter den Auswirkungen des boomenden Wachstums der
Vorjahre. Die Kapazitäten sind ausgebaut worden, gleichzeitig hat sich neue
(und oft günstigere) Konkurrenz - etwa aus China - etabliert. Mit der
Bankenkrise sind größere Projekte zudem schwerer finanzierbar geworden. Dazu
hat Spanien, das 2008 noch mit über 2 Gigawatt (GW) installierter Leistung der
größte Markt weltweit war, für dieses Jahr für die nachfragestützenden
Subventionen eine Obergrenze von 500 Megawatt festgelegt. Die in Folge
gesunkenen Preise belasten die Ergebnisse.
Mit Solarworld und Q-Cells sind zwei Unternehmen bereits mit Eckdaten für den
Zeitraum April bis Juni vorgeprescht. Solarworld hält sich zugute, an der
gesamten Wertschöpfungskette zu partizipieren, aber auch das hat das
Unternehmen nicht davor bewahrt, dass bei 26% höherem Absatz die Erlöse um 6%
gesunken sind. Der Umsatz soll in diesem Jahr dennoch um über 10% auf 1 Mrd EUR
steigen.
Der Solarzellenhersteller Q-Cells dagegen hat größere Schwierigkeiten. Nach
dreimaliger Senkung der Umsatzprognose wurde diese Mitte Juli komplett
gestrichen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) liegt nun im
Minus. Am Donnerstag, wenn Q-Cells endgültige Zahlen vorlegt, wird deshalb auch
nicht das Endergebnis von Interesse sein, sondern Details zu Einsparungen,
strategischer Ausrichtung und den liquiden Mitteln.
Größtes Sorgenkind der Branche bleibt der Modulhersteller Conergy. Hier
prognostizieren die Marktbeobachter einen mehr als halbierten Umsatz. Der
Verlust dürfte sich nochmals ausgeweitet haben. Seit langem verzeichnen die
Hamburger Verluste. Anja-Katharina Bohlen von der LBBW sieht für Conergy nur
bei einer Lösung des Vertragsstreits mit MEMC eine Chance, profitabel zu
werden. Mit MEMC besteht ein langfristiger Liefervertrag für Siliziumscheiben,
der zu hohen Preisen geschlossen wurde und gegen den in den USA derzeit ein
Gerichtsverfahren läuft. Bohlen hofft in dieser Sache am Donnerstag auf
Neuigkeiten.
Besser stehen die Zulieferer da. Die SMA Solar Technology AG, die
Wechselrichter herstellt, wird schätzungsweise nur 10% der Erlöse im Vergleich
zum Vorjahr eingebüßt haben und weiter Gewinne erzielen, wenn auch niedrigere.
Eine Prognose für das Gesamtjahr gab es von SMA bisher nicht. Analystin Bohlen
rechnet mit einem Ausblick, wenn das Unternehmen am Freitag seine Zahlen
vorlegt.
Die Roth & Rau AG, welche Maschinen zur Zell- und Modulherstellung
produziert, wird ähnlich wie SMA mit leicht rückläufigem Umsatz und stärker
gesunkenen Gewinnen erwartet. Bei dem Unternehmen ist vor allem der
Auftragseingang von Interesse, bei dem Frank Neumann vom Bankhaus Lampe mit
einem "schleppenden Verlauf" rechnet. Die Analysten halten am Freitag ebenfalls
Ausschau nach der Prognose des Unternehmens für das Gesamtjahr. Roth & Rau
hatte ein Umsatzziel von 245 Mio bis 270 Mio EUR und einer Steigerung der
EBIT-Marge auf Produktebene ausgegeben.
Noch erfolgreicher dürfte sich die Lage der centrotherm photovoltaics AG
darstellen. Beim Anbieter für Produktionstechnik rechnen die Analysten mit
einem Umsatzanstieg um fast 80%. Die Gewinne dürften mit diesem Wachstum
allerdings nicht Schritt gehalten haben. Die Marktbeobachter werden auf den
Auftragseingang schauen. Erkan Aycicek von der LBBW erwartet zudem, dass
centrotherm am Donnerstag die Umsatzprognose von 500 Mio bis 550 Mio EUR im
Gesamtjahr bestätigt.
Beim Projektentwickler und Komponentenhändler Phoenix Solar dürfte sich mit
dem besseren Wetter auch die Umsatzsituation verbessert haben. Die Analysten
rechnen mit einem leichten Anstieg zum Vorjahr. Doch die angespannte Preislage
wird sich wahrscheinlich negativ auf die Gewinne ausgewirkt haben. Den
Analysten zufolge dürfte das Unternehmen knapp über der Gewinnschwelle
gewirtschaftet haben. Phoenix Solar hatte Ende Juni angekündigt, das EBIT-Ziel
von 31 Mio EUR im Jahr 2009 nicht erreichen zu können.
Webseiten: www.centrotherm.de
www.conergy.de
www.phoenixsolar.de
www.q-cells.de
www.roth-rau.de
www.sma.de
www.solarworld.de
- Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214;
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August 11, 2009 09:46 ET (13:46 GMT)
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