Solarworld - Der Sonne zu nah gekommen?
07:27 28.11.08
Quelle: www.geldanlage-report.de
Wer zu nah an der Sonne fliegt, der läuft Gefahr zu verbrennen. Einen ziemlichen Höhenflug hat offenbar momentan auch Solarworld-Gründer und -Boss Frank Asbeck. Der als Pressemeldung veröffentlichte Vorschlag die vier deutschen Opel-Werke übernehmen zu wollen, ist hoffentlich nur ein Marketing-Gag.
Obwohl Asbeck sagt, er meine es ernst, dürfte der Deal nie und nimmer zustande kommen. Zum ersten will Solarworld Opel fast umsonst. Man könne zwar 250 Millionen Euro an Barmittel zur Verfügung stellen, will aber weitere 750 Millionen Euro nur rausrücken, wenn der Bund als Bürge auftritt.
Zugleich soll General Motors für jeden Arbeitsplatz 40.000 Euro an Solarworld, also insgesamt eine Milliarde Euro überweisen. Unter dem Strich will Asbeck sich Opel also quasi umsonst unter den Nagel reißen.
Kein Wunder, dass es Dementis und ablehnende Äußerungen von allen Seiten gab, allen voran von General Motors selbst. "Opel stünde nicht zum Verkauf", hieß es aus den USA schlicht.
*Wie soll das denn funktionieren?
Aber selbst wenn: Solarworld hat keinerlei Expertise beim Autobau und bis Opel zu einem grünen Elektro-Auto-Konzern umgebaut wäre, würde wohl mindestens ein Jahrzehnt ins Land ziehen.
Was sollen eigentlich dann die Mitarbeiter in der Zwischenzeit machen? In Heimarbeit Solarzellen zusammenschrauben? Offenbar wurde die Regierung bisher auch nicht in den Plan (wie immer er auch genau aussehen mag) eingewiesen. Das geht jedenfalls aus der überraschten Stellungnahme eines Sprechers des Wirtschaftsministeriums hervor.
Auch der Aktie von Solarworld bekommen die Pläne überhaupt nicht gut. Das Papier beschleunigte den ohnehin dramatischen Kursverfall im Anschluss an das Bekannt werden der Ideen noch weiter.
*Zweifelhafte Ideen
Bereits vor einigen Wochen hatte sich Solarworld den Unmut einiger Analysten zugezogen. Über den Sinn des angekündigten Aktienrückkaufprogramms, das jetzt auf Eis gelegt worden ist, lässt sich trefflich streiten. In der jetzigen Marktsituation wäre es sinnvoller das Geld auf dem Konto zu behalten.
Was aber steckt hinter der dubiosen Opel-Ankündigung? Meine Vermutung: Es könnte sich um ein Ablenkungsmanöver handeln, um vom schlechten Finanzergebnis von Solarworld abzulenken.
Ein Börsenbrief kolportierte jüngst, dass sich die Finanzabteilung von Solarworld mit einem nicht näher spezifizierten Schuldschein einer internationalen Großbank verzockt habe. Der Schuldschein habe einen Nominalwert von 32,5 Millionen Euro und sei aktuell nicht zu bewerten, weil es keinen Marktpreis gebe. Daher wurde dieser auf Null abgeschrieben.
Zumindest davon spricht aktuell niemand mehr - fast niemand.
Operativ macht den Bonnern der fallende Ölpreis schwer zu schaffen. Das in Kombination mit den ohnehin drohenden Überkapazitäten am Solarmarkt verdüstert die Zukunftsaussicht beträchtlich.
Trotzdem sollte man die Aktie jetzt nicht mehr verkaufen. Ich denke, das Ölzeitalter wird zu Ende gehen. Die Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Selbst wenn es zu einer schweren Branchenkrise kommt, sollte Solarworld dank seiner breiten operativen Aufstellung zu den Überlebenden zählen - vorausgesetzt man kommt bei Opel nicht zum Zug.
MEIN FAZIT:
- Das Angebot, Opel zu übernehmen, ist entweder ein Marketing-Gag oder eine Schnapsidee.
- Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der Deal zustande kommt.
- Eventuell will Solarworld nur von einigen missratenen Finanztransaktionen ablenken.
- Die Aktie ist aktuell eine Halteposition.
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