Schmuggel-Vorwürfe, manipulierte Kennzeichnungen, Milliarden im Raum. Super Micro ermittelt – ohne Zeitplan. Anleger sitzen auf heißen Kohlen.
Der Serverhersteller Super Micro Computer hat eine unabhängige Untersuchung eingeleitet, nachdem im März drei mit dem Unternehmen verbundene Personen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Exportkontrollvorschriften angeklagt worden waren. Zwei ehemalige Mitarbeiter und ein externer Auftragnehmer sollen laut US-Behörden in eine Verschwörung verwickelt gewesen sein, bei der Hochleistungsserver – unter anderem mit Technologie von Nvidia – illegal nach China exportiert wurden.
Das Unternehmen selbst steht nicht im Fokus der Ermittlungen und wird in der Anklage nicht als Beschuldigter geführt. Super Micro betont zudem, dass die betroffenen Personen inzwischen keine Verbindung mehr zum Konzern haben. Dennoch reagiert das Management mit einer umfassenden Aufarbeitung. Die Untersuchung wird von zwei unabhängigen Verwaltungsratsmitgliedern, Scott Angel und Tally Liu, geleitet. Unterstützt werden sie von der Anwaltskanzlei Munger, Tolles & Olson sowie dem Beratungsunternehmen AlixPartners. Ein konkreter Zeitplan für den Abschluss der Untersuchung wurde nicht genannt.
Parallel dazu hat das Unternehmen eine interne Überprüfung seines globalen Trade-Compliance-Programms gestartet. Diese wird von General Counsel Yitai Hu verantwortet und soll sicherstellen, dass bestehende Kontrollmechanismen den regulatorischen Anforderungen entsprechen.
Die Vorwürfe selbst wiegen schwer. Laut Anklage sollen die drei Beschuldigten erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um Exportbeschränkungen zu umgehen und ihre Aktivitäten zu verschleiern. Dazu gehörte demnach auch die Manipulation von Seriennummern und Kennzeichnungen, um Server unbemerkt außer Landes zu bringen. Insgesamt sollen auf diese Weise seit 2024 Umsätze in Milliardenhöhe generiert worden sein.
Super Micro bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung und verweist auf seine internen Standards. "Super Micro setzt sich für den Schutz der fortschrittlichen Technologien und des geistigen Eigentums der USA ein", erklärte CEO Charles Liang. Und weiter: "Unsere interne Überprüfung und die Untersuchung durch die unabhängigen Direktoren werden im Einklang mit unserer Verpflichtung durchgeführt, sicherzustellen, dass unsere Technologie unter Einhaltung höchster ethischer und rechtlicher Standards behandelt wird."
Obwohl das Unternehmen selbst nicht beschuldigt wird, zeigt der Fall, wie sensibel der Umgang mit Hochtechnologie im Spannungsfeld geopolitischer Interessen geworden ist – und wie schnell Vorwürfe gegen Einzelpersonen auch auf Konzernebene für Druck sorgen können.
Quelle: WallstreetOnline