Studie zu Kursrückschlägen und Erholungsphasen

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Studie zu Kursrückschlägen und Erholungsphasen

 
03.09.01 20:06
Auf die große Börsenparty folgte die Ernüchterung und nun fragen sich nicht wenige: Wann geht es endlich wieder aufwärts? Die Antwort kennt niemand so genau. Doch immerhin halten es Fachleute für möglich, dass sich die Märkte in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren wieder erholt haben werden. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Münchner Vermögens-Zentrums GmbH, von der die Stiftung Warentest in der September-Ausgabe ihres Magazins "Finanztest" berichtet.

ap FRANKFURT/MAIN. Und auch Börsenpsychologe Joachim Goldberg rechnet damit, dass die Anleger nach einer Flaute von ein bis zwei Jahren wieder zurückkommen. Die Münchner Studie hat sich laut Stiftung Warentest mit den schwersten Kursrückschlägen (mindestens 20 %) der vergangenen 40 Jahre an deutschen und US-Börsen befasst. "Im günstigsten Fall wurden die Verluste bereits nach vier Monaten, im ungünstigsten Fall erst nach über elf Jahren wieder aufgeholt", berichten die Verbraucherschützer.

Am zähesten sei der Erholungsprozess nach dem 33-prozentigen Kursrutsch zwischen 1970 und 1971 in Deutschland verlaufen. Erst Anfang der 80er Jahre sei das Anfangsniveau zurückerobert worden. "Zum Vergleich: Nach der Asienkrise im Jahre 1998 brauchte der deutsche Markt knapp anderthalb Jahre, um den 37-prozentigen Kurssturz wettzumachen."

Generell seien die Erholungszeiten in den USA etwas kürzer gewesen als in Deutschland. Dennoch: Die Münchner Finanzleute schöpften laut Stiftung Warentest aus der Statistik Hoffnung für die aktuelle Börsenphase, "denn meist hatten sich die Märkte in weniger als zwei Jahren wieder erholt".

Aktionärsschützerin Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) geht davon aus, dass es zumindest in Deutschland geraume Zeit dauern wird, bis die Anleger verlorenes Vertrauen in die Märkte zurückgewinnen. Die Entwicklungen am Neuen Markt und die T-Aktie - das sind laut Keitel "die wichtigen, unglaublichen Vorgänge, die die Anleger registriert haben".

Ein Fazit sei: "Man kann sich offensichtlich nicht darauf verlassen, was öffentlich dargestellt wird." Für den Neuen Markt könne noch gelten, dass Anleger wussten, dass sie ein besonderes Risiko eingehen - wenngleich dies "die Lügen dort natürlich nicht rechtfertigt". Doch die Erfahrungen mit dem Dax-Wert Telekom seien viel gravierender für die Aktienkultur, meint Keitel. "Das wird Auswirkungen haben und eine Weile brauchen, denn es ist ganz viel Vertrauen verloren gegangen."

Goldberg: "Schlagartig die Nerven" verloren

In der jüngsten Ausgabe des Hamburger Magazins "Stern" sagt der Börsenpsychologe Goldberg, "es wäre schade, sich gerade jetzt von der Börse abzuwenden und nichts aus dem Desaster zu lernen. Der Crash ist für Börsenanfänger eine wirksame Lektion, wenn auch eine teure". Seiner Ansicht nach sind viele Anleger in eine psychologische Falle getappt: "Zu Beginn des Abschwungs wollte niemand glauben, dass die Zeiten der großen Gewinne vorbei sind. Die ersten Kursverluste waren zwar schmerzhaft, aber statt die Notbremse zu ziehen und die Papiere rechtzeitig zu verkaufen, haben viele etwas ganz anderes gemacht."

Zahlreiche Kleinanleger hätten nur noch wahrgenommen, was sie in ihrer Hoffnung bestärkte, dass sich die Kurse schnell wieder erholten. Jede kleinste Kurserholung sei gleich als Trendwende interpretiert worden. Anfangs habe kaum einer die warnenden Stimmen hören wollen, "weil das für den Anleger bedeutet, er hat einen Fehler gemacht. Und wer will sich das schon gerne eingestehen?" Nun hätten manche Anleger "schlagartig die Nerven" verloren. Sie hielten die Verluste psychisch nicht mehr aus und verkauften hektisch. "Fatalerweise fliegen dann nicht nur die Verlustbringer aus dem Depot, sondern auch die guten Aktien."

Goldberg sieht auch die Gefahr, dass bei Vielen das Vertrauen in die Börse für immer zerstört ist. "Nach dem Zusammenbruch an der Wall Street Ende der zwanziger Jahre dauerte es ein bis zwei Jahrzehnte, bis die Anleger wieder zurückkamen." Doch: "Heute rechne ich nur mit einer Flaute von ein bis zwei Jahren."
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Meines Erachtens

 
03.09.01 20:15
hält die Flaute genauso lange an wie die Stagnation der Wirtschaft, bei den ersten sicheren Anzeichen gehts sofort aufwärts, denn:

Die Börse war der einzige Weg zu den schlimmen Verlusten, sie ist aber für viele auch der einzige Weg, dort wieder herauszukommen.

Es dürfte für viele unerträglich sein, sich zu sagen: Na gut, jetzt habe ich dicke Verluste gemacht...und bei diesen Verlusten mag es bleiben, ich tue nichts mehr dagegen und finde mich für alle Zeit damit ab...

gruß
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Happy End:

Fondsgeflüster: Homo lamentabilis

 
03.09.01 20:35
Die Aktienkultur in Deutschland droht zu einer Klage-Kultur zu verkommen.

Rüdiger von Rosen vom Deutschen Aktieninstitut hat die frohe Botschaft verkündet: Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist seit 1997 um 52 Prozent auf sechs Millionen, die der Aktienfondsbesitzer um 341 Prozent auf über zehn Millionen gestiegen. Damit ist für Rosen klar: "Die neue Aktienkultur ist primär eine Fondskultur". Und die scheint den Zusammenbruch des Neuen Marktes und den Absturz der T-Aktie ohne Schäden überstanden zu haben.

Wer die junge deutsche Aktien- respektive Fondskultur angesichts der positiven Statistiken für gerettet hält, könnte irren: Die wirklichen Gefahren und Stressfaktoren liegen eher in der psychologischen Verfassung der Marktteilnehmer. Ein wesentlicher Impuls für den Boom der Aktienanlage war allzu oft reine Gier. Von einer Transformation dieser Gier in sachliche Analyse und Selbstkritik ist derzeit jedoch wenig zu spüren. Aktienkultur in Deutschland droht eher zu einer Jammer- und Klage-Kultur zu verkommen.

Dabei tritt zunehmend eine Anleger-Gattung in Erscheinung, deren wichtigste Eigenschaft darin besteht, dass ihre Bereitschaft zur öffentlichen und gerichtlichen Klage proportional mit den Kursverlusten des eigenen Depots ansteigt. Als soziologische Bezeichnung für solche Marktteilnehmer möchte ich "Homo lamentabilis" vorschlagen. Um die Bedeutung dieses Anlegertyps zu belegen, sollte ein Verweis auf den "Spiegel" genügen, der sich im Juni des Themas angenommen hat. Zitat: "Für viele Anleger ist das Klagen gegen ihre ehemaligen Lieblinge zu einer ähnlichen Leidenschaft geworden wie einst der Kauf der angeblich so zukunftsträchtigen Aktien."

Lamentieren auch in Chef-Etagen

Wären hiervon nur bestimmte Anleger betroffen, wäre die Situation nicht kritisch. Aber der Hang zum Lamentieren und Klagen hat sich längst auch in den Führungsetagen breitgemacht, wo Selbstkritik immer unverblümter durch verbale und juristische Rundumschläge ersetzt wird. Ein trauriges Beispiel hierfür liefert die Deutsche Börse AG: "Der Neue Markt ist der am schärfsten regulierte Markt in Europa", hatte deren Vorstandssprecher Werner Seifert unlängst verkündet. Angesichts dieser Aussage wirkt die Hektik unverständlich, mit der die Börse derzeit ihre schnell zusammengestückelten Ausschlussregeln für Penny Stocks vor Gericht durchzudrücken versucht.

Ein weiteres Beispiel ist Telekom-Chef Ron Sommer, der anlässlich des jüngsten Paketverkaufs von Telekom-Aktien durch die Deutsche Bank vor Wut gekocht und Investmentbankern in aller Öffentlichkeit einen "gravierenden Arbeitsfehler" vorgeworfen hat. Was er damit erreichen wollte, bleibt sein Geheimnis. Der Kurs der Telekom-Aktie ist jedenfalls nicht erst seit dem 7. August gefallen. Fragt man nach den Gründen, steht der Name "Voicestream" meist ganz oben auf der Liste der Antworten. Und dieses Ei hat Sommer sich und seinen Aktionären selbst ins Nest gelegt.

Obwohl die Motive für die Klagen illustrer Herren aus deutschen Vorstandsetagen nicht primär in Schwundphänomenen der eigenen Aktiendepots oder Optionspakete liegen mögen, lassen sie sich zwanglos in die Gattung lamentierender Marktteilnehmer einordnen. Dadurch erhält das Thema eine gewisse Brisanz: Wenn Selbstkritik offen und schonungslos vorgebracht und bei entsprechender Lernfähigkeit des Managements von Marktteilnehmern honoriert würde, bestünde hinsichtlich der hiesigen Aktien- und Fondskultur kein Grund zur Sorge. Andernfalls könnte der deutsche Aktienmarkt zu einer Spielwiese des Homo lamentabilis werden.

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