Stopp und Loss


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 300 / Heute: 1
tom68:

Stopp und Loss

 
20.04.01 14:32

Stopp und Loss
 
powered by


Von Michael Mross
Zu einer Geheimwissenschaft der Börse zählt die Vermögensvermehrung mittels einfacher Tricks. Als Wunderwaffe gegen Verluste gilt das Stopp-Loss-Verfahren. Fällt ein Kurs unter ein gewisses Limit, dann wird die Aktie automatisch verkauft. Hört sich gut an, funktioniert es aber auch in der Praxis? Was in vielen schlauen Börsenbüchern als Allheilmittel gegen Verluste verschrieben wird, verursacht bei genauerem Hinsehen in den meisten Fällen genau das, was es nicht tun sollte: Verluste.

Gerade in schwachen Börsenphasen verlieren die "Stop-Loss-gewappneten" ihre Aktie auf niedrigstem Niveau. In umsatzschwachen Zeiten ist es durchaus möglich, dass der nächste Käufer erst 10 Prozent oder sogar 20 Prozent unterhalb des Limits lauert, um dem entnervten Anleger die Aktien zu Schnäppchenpreisen wegzunehmen. Am Neuen Markt ist dies keine Seltenheit. Aber sogar bei großen Indizes kann es an schwachen Tagen zu Kursrutschern kommen, an denen selbst milliardenschwere Blue Chips in einer Stunde 5 bis 10 Prozent verlieren.

Wer ist denn in einer solchen Situation der Gewinner? Derjenige, der die Nerven verlor und seine Verluste endlich realisierte? Oder jener, der schwache Zeiten für kostengünstige Anschaffungen nutzt? Einer irrt an der Börse immer - sonst gäbe es keinen Handel. Ich behaupte, derjenige, der aus Angst verkauft, hat schon mal die schlechtesten Karten.

Wer an der Börse investiert, braucht einen langen Atem. Er darf sich nicht einschüchtern lassen von den chaotischen Attacken einer Herde Wahnsinniger, die meinen, aus irgendeinem Grund zu verkaufen. Wichtig allein, dass man hinter seinem Investment steht und die Geschäftsidee des Unternehmens auch in schlechten Börsenzeiten überzeugt. An der Börse werden keine Vermögen mit Stop-Loss gemacht. Mit Stop-Loss wäre Warren Buffet niemals Milliardär geworden. Stop-Loss ist ein System für Unkundige, für Ungeduldige. Eine Erfindung der Banken, um Umsätze zu generieren. Es garantiert, dass man Aktien zu Tiefstpreisen verliert, die man vielleicht schon am nächsten Tag wieder kaufen würde.

An der Börse wird kein Geld gemacht, indem man der Wackelkurve des Index oder einer Aktie sklavisch hinterher hechtet. Reich mit Aktien wird nur derjenige, welcher eine kluge Investmentstrategie entwickelt und auch die Kraft aufbringt, gegen den Strom zu schwimmen. Dazu ist freilich eine gewisse Intelligenz erforderlich, die an der Börse nun leider nicht der Normalverteilung entspricht. Zu viele Vorstadtbroker spekulieren mit dem letzten Groschen oder gar per Kredit - ihre Versicherung lautet Stop-Loss. Leider ein Fahrschein in den Ruin: die Aktien sind dann weg und das Geld auch. Der letzte Stopp wird oft von der Bank selbst durchgeführt und übrig bleibt das Loss.

Der Grund, sich von einem Investment zu trennen, sollte nur fundamentale Ursachen haben. Wenn Geschäftsmodelle nicht aufgehen, dann muß man verkaufen. Das schöne daran: Das kann man auch tun, wenn die Kurse oben sind - und dann locken Gewinne und keine Verluste.

Michael Mross ist Börsenexperte und Buchautor: "Die BÖrse!" (Econ). Im Internet unter www.mross.de - Seine Hotline: 0190 / 78 78 78 (2,42 DM/Min.)


20.04. - 11:38 Uhr
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--