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"Stoiber ist peinlich und empörend"


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Happy End:

"Stoiber ist peinlich und empörend"

 
18.08.02 23:51

Häuptling "Ruhige Hand" packt zu


Gerhard Schröder führt, Edmund Stoiber stolpert. Auf einem kleinen SPD-Parteitag in Berlin präsentiert sich der Kanzler seinen Genossen als tatkräftiger Krisenmanager, während die Union sich selbst das Wasser abgräbt.
 
Berlin - Als ein weiterer Akt der Hartz-Festspiele: So war er gedacht, der kleine SPD-Konvent heute in Berlin, auf dem die Genossen dem Arbeitsmarktkonzept ihren Parteistempel aufdrückten, Geschlossenheit und Tatkraft demonstrieren sollten. "Land in Sicht" spürt die SPD im Hinblick auf den 22. September, erst recht, seit es in Deutschland heißt: Land unter.
Denn wie schon am Freitag bei der weihungsvollen Präsentation der Hartz-Module im Französischen Dom nutzt Gerhard Schröder die Arbeitsmarktdebatte und die Hochwasserkatastrophe, um zu zeigen, dass Häuptling "Ruhige Hand" wieder zupackt.
Auf dem kleinen Parteitag präsentierte er sich als Kanzler der Deutschen, der an allen Fronten gleichzeitig Problem erkennt, benennt und bekämpft. Die SPD singt einstimmig: Wir packen das. Denn beide Themen eignen sich prächtig, um ihr Leitmotiv deutlich zu machen: Wir sogen für Sicherheit im Wandel, die SPD ist die Partei der Solidarität. "Gemeinsam schaffen wir das", sagte Schröder heute im Willy-Brandt-Haus.
   

Die Flut habe alle Kritiker eines Besseren belehrt, die gesagt hätten, Solidarität sei unmodern geworden, rief Schröder seinen Genossen zu. Und er steht an der Spitze der Bewegung: Schröder in Gummistiefeln in Grimma, im Anzug bei Hartz, mit aufgekrempelten Ärmeln auf dem SPD-Konvent, noch am Sonntag ein Treffen mit den Länderchefs der europäischen Staaten, die ebenfalls vom Wasser überrollt wurden in Berlin, und am Montag folgt die nächste Kabinetts-Flut-Sondersitzung. "Wir werden die Führung übernehmen", machte Schröder in Berlin deutlich, was er sich unter der SPD weiter vorstellt: eine selbstbewusste Regierungspartei.

"Die wirtschaftliche Kraft unseres Landes reicht aus, diese Aufgabe zu schultern", unterstrich er, auch wenn noch niemand genau sagen kann, welche finanzielle Herkulesaufgabe auf Bund, Länder und Gemeinden zukommt. Schröder unterstrich, der Aufbau Ost sei in den betroffenen Gebieten um Jahre zurückgeworfen. Damit ist nur klar: Es wird teuer und noch weiß niemand, wie das zu finanzieren ist: Solidarpakt II vorziehen? Flut-Sonderopfer für alle? Die europäischen Stabilitätskriterien für den Haushalt durch Neuverschuldung in den Wind schießen? Am Dienstag trifft sich deshalb der Haushaltsausschuss des Bundestages zu einer Sondersitzung.

Kleinlicher Parteienstreit

Schröder versucht alles zu vermeiden, was den Eindruck nähren könnte, er instrumentalisiere die Not für den Machterhalt. Das geht am besten, indem man es thematisiert: In dieser Situation dürfe man nicht in "kleinlichen Parteienstreit" verfallen, forderte er. Die Union lieferte ihm dafür leichtfertig eine Steilvorlage. Mit Blick auf das von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) am Samstag einberufene Treffen der ostdeutschen CDU-Länderchefs in Leipzig warf er den Unionspolitikern vor, die Katastrophe zu missbrauchen.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering kritisierte, es sei völlig unverständlich, dass bei der Hochwasser-Konferenz in Leipzig kein SPD-Vertreter eingeladen worden sei. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, der sich als damaliger Umweltminister Brandenburgs mit seinem Einsatz beim Oder-Hochwasser vor fünf Jahren verdient gemacht hatte, nannte das Treffen eine "CDU-Veranstaltung". "Mit mir ist Wahlkampf zu dem Thema nicht zu machen", legte er am Sonntag nach.

An der von Stoiber einberufenen Runde nahmen nur dessen CDU-Amtskollegen Bernhard Vogel (Thüringen), Georg Milbradt (Sachsen) und Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt), der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) und der Wirtschaftsexperte in Stoibers Führungsteam, Lothar Späth (CDU), teil. Platzeck war nicht eingeladen. Eine "merkwürdige Veranstaltung" nannte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) den strategischen Fehler der Union genüsslich.

"Peinlich und empörend"

SPD-Fraktionsvize Michael Müller wurde deutlicher. Er bezeichnete das Verhalten Stoibers als "peinlich und empörend" . Stoiber habe bei Klimaschutz, ökologischer Modernisierung und Naturschutz nichts zu bieten und scheine jetzt auch nicht in der Lage zu sein, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Still triumphierend streuten die Kampa-Mitarbeiter auf dem SPD-Konvent jüngste Umfrageergebnisse. Laut einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts für den "Stern" und RTL konnte Schröder durch sein Verhalten Punkte machen. 44 Prozent der Befragten sagten, er habe auf die Katastrophe am besten reagiert, im Osten finden dies sogar 51 Prozent. Bei der Union, deren Kandidat in Ostdeutschland ohnehin mit großen Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat, klingeln die Alarmglocken: Dem Herausforderer bescheinigten nur sechs Prozent, im Osten sogar nur drei Prozent, dass er angemessen reagiert habe. Das kleinliche Treffen unter Parteifreunden in Leipzig droht ebenfalls zu einem Image-Fiasko zu werden.

"Die Einheit der Herzen wird sichtbar", sagte Schröder staatsmännisch getragen in Berlin im Hinblick auf die Hilfsbereitschaft unter den Menschen: Und machte deutlich, dass die SPD als Herzschrittmacher der Nation in Not den Alleinvertretungsanspruch anmeldet.


Die Flut, ein Gottesgeschenk für den Kanzler?


Während die Flut noch in die Häuser schwappt, stürzen sich die Politiker auf das Katastrophen-Thema. Mit immer teureren Rettungsprogrammen versuchen sie Bürgernähe zu demonstrieren, auf "Flutgipfeln" wollen sie Handlungsstärke beweisen. Das Hochwasser verdrängt alle anderen Wahlkampfthemen - zur Freude der Kandidaten.
 
Hamburg - Die Miene sorgenvoll, die Worte mit Bedacht gewählt: Wo immer Edmund Stoiber am Freitag in Gummistiefeln und Armani-Jeans die Flut durchwatete, demonstriert er Mitgefühl und Zurückhaltung. Doch kaum war der Unionskandidat im Helikopter verschwunden, brach der Wahlkampf wieder aus.
Mit den Landeschefs von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen traf er sich am Samstag in Leipzig zum Krisengipfel, um notwendige Hilfsmassnahmen zu diskutieren - als sei er bereits Kanzler. Tagelang hatte der bayerische Ministerpräsident die Flut aus der Ferne beobachtet, sich geweigert, seinen Urlaub auf der Nordseeinsel Juist abzubrechen. Nun sollte der Bürger spüren, wie nahe ihnen der Unionsfürst ist. Ein Sonderfonds "Flutkatastrophe 2002" müsse schleunigst her, so forderte der Kandidat, noch in diesem Jahr sollten für die Bewältigung der Hochwasserschäden in Deutschland zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden.

So rasch wie mancherorts das Wasser steigt, schwellen derzeit die Hilfspakete an. Bundeskanzler Gerhard Schröder war der Schnellste, schon am Mittwoch stellte er sein Sofortprogramm vor. Er versprach Selbständigen, Landwirten und anderen Bedürftigen Hilfen in Höhe von 385 Millionen Euro, am Freitag wurden die ersten Zahlungen überwiesen. Auf einem Flutgipfel wollen Schröder und sein Außenminister Joschka Fischer an diesem Sonntag mit ihren Amtskollegen aus betroffenen Staaten über Hilfsmaßnahmen für die Opfer der Flutkatastrophe in Mitteleuropa beraten.

Flutgefahr mit Atomkraftwerken dämmen

Am Samstag meldete sich dann sein Gegner mit dem vierfachen Betrag zu Wort, auch das wird nicht das Ende sein. Schäden von fünf Milliarden Euro hat der sächsische Ministerpräsident Milbradt allein an der Infrastruktur seines Landes ausgemacht, aus der Staatskanzlei ist schon die Summe von zehn Milliarden zu vernehmen. Und für den Flutexperten Stoiber liegt der Gesamtschaden sogar zwischen 10 und 15 Milliarden Euro.

Noch mitten in der Katastrophe sind die Frontmänner der Parteien mit Macht dabei, die Bewältigung der Flut zum Top-Wahlkampfthema zu machen - trotz aller gegenteiliger Bekundungen.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat eine nationale Krisenkonferenz von Bund und Ländern zur Bewältigung der Flutschäden angekündigt. FDP-Vize Jürgen Möllemann fordert eine sofortige Sondersitzung des Bundestages, um über die Flut zu debattieren. Innenminister Schily will die Mittel für den Katastrophenschutz aufstocken. Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle rät, mit den Devisen-Reserven der Bundesbank einen Notfallfonds einzurichten, um dadurch bis zu zehn Milliarden Euro bereitzustellen. Für den CSU-Politiker Horst Seehofer braucht es ähnliche Aufbauanstrengungen wie nach dem Zusammenbruch der DDR.

Kaum ein Thema bleibt, das nicht irgendwie mit den Fluten zusammengebracht werden kann: Unionspolitiker wie der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU),wollen die Flutgefahr in der Zukunft mit neuen Atomkraftwerken dämmen und legen nahe, dass der von Grünen und SPD durchgesetzte Atomausstieg das Wetter-Chaos nur verschlimmern würde. Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) will eine Aufweichung der EU-Stabilitätskriterien nicht auszuschließen. Die Bekämpfung der Not habe schließlich Vorrang. Und selbst der PDS-Mann Gregor Gysi gesellt sich zu den Flut-Surfern und meldet sich mit einem besonders durchdachten Vorschlag zu Wort: Man solle doch lieber die Wahl verschieben, weil wegen des Flut-Chaos möglicherweise nicht allen Bürgern die Wahlunterlagen rechtzeitig zugestellt werden könnten.

Flut verdrängt Wirtschaftskrise

Unbestritten muss den Betroffenen geholfen werden, rasch und ohne allzu viel Bürokratie. Unbestritten wird der Aufbau im Osten Milliarden kosten. Doch die Inflation der Notprogramme lässt befürchten, dass die Fluthilfe alle anderen Themen der Wahl ablöst, dass Aktionismus die Vernunft verdrängt. Kein Flutopfer braucht das Gerede vom "nationalen Notstand", braucht die großen Gesten, braucht teure Gipfel.

Doch die Gelegenheit scheint den Spitzenkandidaten offenbar zu verlockend. Schleppend hat sich der Wahlkampf in den vergangenen Monaten hingezogen, entsetzt ob der Konzept-Losigkeit der Spitzenpolitiker hatten sich mehr und mehr Bürger abgewandt. Fünf Wochen vor der Wahl sind noch immer 45 Prozent der Wähler unentschlossen, ermittelte das Institut Dimap.

Immer deutlicher wurde, dass der Kanzler und sein Gegner für das eigentliche Problem des Jahres, Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, keine überzeugenden Lösungen entwickelt hatten. Die Verkündung des Hartz-Papiers am Freitag, als große Inszenierung geplant, soff zwischen den Hochwasser-Meldungen ab und geriet zum Nicht-Ereignis. Schon zuvor waren allerdings weitreichende Reformen wie die Ausweitung des Niedriglohnsektors abgeblasen oder verwässert worden. Die Bürger hatten es längst durschaut: Über 80 Prozent, so ermittelte Dimap, halten die Vorschläge für "Schaumschlägerei".

Der Unions-Kandidat wiederum schaffte es bis heute nicht, ein überzeugendes Reform-Programm vorzulegen. Aus Angst, mit der Forderung nach unbequemen Maßnahmen die Wähler zu vergraulen, wird das Thema schlicht verschoben. Sollte Stoiber seine Ankündigung, die Staatsquote auf 40 Prozent zu senken, jemals ernst gemeint haben, wäre dagegen ein Reformprogramm von historischen Dimensionen und außergewöhnlicher Radikalität nötig. Doch davon sind bisher nicht einmal Fragmente zu entdecken.

Gefährliche Diskussion

Nun schwemmte sich die Flut als rettendes Thema in die letzten Wochen bis zum 22.September. Besonders gefährlich könnte sich dabei die Diskussion um die Aufweichung der Maastricht-Stabilitätskriterien erweisen. Alle Politiker wissen, dass mehr Toleranz bei der Verschuldung eine heikle Kettenreaktion nach sich ziehen könnte. Alle europäische Länder mühen sich, mit Umschichtungen, Reformen und oft unpopulären Sparmassnahmen die Kriterien einzuhalten. Österreich etwa, durch die Fluten der vergangenen Wochen schwer geschädigt, will die Verschuldungsgrenzen einhalten und stattdessen lieber an den Militärausgaben sparen.

Etliche Regierungen würden allerdings nur allzu gern die engen Vorgaben lockern. Dadurch allerdings würde nicht nur der gerade erstarkte Euro wieder ins Rutschen geraten, sondern auch dringend nötige Haushalts-Reformen verschoben werden - nur um in wenigen Jahren zu umso größeren Problemen zu führen.

Noch ist nicht klar, ob die Flut tatsächlich die Rettung für die vor der Abwahl stehende Regierung bringen könnte. Nach Einschätzung von Wahlforschern bringt die Hochwasserkatastrophe der regierenden rot-grünen Koalition in Berlin keine Pluspunkte. Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Dimap, Reinhard Schlinkert, wies darauf hin, dass die direkte Hilfe in den Hochwassergebieten von Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt vor allem über die jeweilige unionsgeführte Landesregierung wahrgenommen werde.

Andererseits würden Schröder selbst wenige Prozentpunkte mehr helfen. Je mehr das Umwelt-Thema in den nächsten Tagen in den Vordergrund rückt, umso mehr wird eine offen Flanke der Union exponiert: Stoiber hat kein Umweltprogramm, nicht einmal einen Spezialisten für Umweltfragen in seinem Kompetenzteam. Zudem gibt die Flut dem Kanzler endlich Gelegenheit, sein Macher-Image wieder herzustellen, dass er durch die von ihm vor zwei Jahren verkündete Politik der ruhigen Hand auf so fatale Weise beschädigt hatte.

"Schröder ist kein religiöser Mensch. Aber wenn er die Wahl doch noch gewinnt, kann er einzig und allein dem Allmächtigen dafür danken.", kommentierte die britische Tageszeitung Independent.  
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Schnorrer:

Jedes Volk kriegt die Regierung, die es verdient.

 
18.08.02 23:58
Nach den letzten U-Bahnfahrten befürchte ich schlimmstes: es könnte Westerwelle werden ...
Antworten
ernuwieder:

ist Westerwelle nicht auch Bäckermeister?

 
19.08.02 00:01







ernuwieder





Stoiber ist peinlich und empörend 754260
   Q U A D R A T U R ____d e s____K R E I S E S
Antworten
Mara:

Das ist empörend und gemein !!!

 
19.08.02 00:07
Herr Stoiber behandelt seine Gegner immer fair. Dem Herrn Schröder hat er sogar seine Hilfe angeboten. Und wie antwortet Herr Schröder darauf ?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Herr Stoiber Kanzler wird. Die anständigen Bürger dieses Landes werden nie wieder einen Herrn Schröder wählen. Der zeigt jetzt sein wahres Gesicht.

Ausserdem hat er seine Frau verlassen. Das zeigt, dass Treue für ihn ein Fremdwort ist.
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Karlchen_I:

Stimmt doch wieder nicht ... üble Propaganda...

 
19.08.02 00:19
Schröder hat seine frau nicht verlassen - sondern sie hat ihn verlassen. Bloß weil Schröder sich eine Freundin zugelegt hat. Das zeigt mal wieder, wie intolerant Frauen sein können.

Und der Herr Stoiber hat m. E. keinen Geschmack, sonst hätte er seine Frau schon längst verlassen. Aber wer will schon so einen hölzernen Juristen, der es schaft, in jedem Satz mindestens drei "ÄÄÄHHH"s unterbringen. Der Mann hat die Spontanität eines BacKsteins, und da kann er mal froh sein, dass er überhaubt eine Frau gefunden hat, die bereit ist, seine zur Einschäferung neigende Sprechweise zu ertragen. In dieser Hinsicht: Respekt und weiterhin viel Vitalität Frau Stoiber, denn wenn sie tatsächlich einschlafen sollten bei der blendenden Rhetorik ihres Edes.....
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kunibert:

Schröder is doch auch Jurist? o.T.

 
19.08.02 00:26
Antworten
Karlchen_I:

@Kuni: Stimmt.....

 
19.08.02 00:33
Das ist ja die Plage mit unserer Politik. Eine viel zu hohe Juristendichte. Diese Herrschaften (und Damschaften) meinen, alles zu verstehen. Tatsächlich haben sie aber vom meisten keine Ahnung. Das macht sie verbissen - weil sie es ahnen.

Oder ist etwa der Polizist, der den Verkehr leitet, schon ein guter Autofahrer?



Also: Juristen sind Menschen mit gehemmter Lebensfreude (und Schröder ist zwar einer, aber ein offenbar weiniger gehemmter).  
Antworten
Happy End:

;-)

 
19.08.02 08:01
 
Antworten
Happy End:

Treibt die Elbe-Flut Schröder an?

 
19.08.02 08:47
Erst das Elbe-Hochwasser hat die Politik wieder wachgerüttelt. Plötzlich ist von Umweltpolitik wie selbstverständlich die Rede. Auch vom Kanzler, der am Sonntag bekräftigt hat, dass die EU nun verstärkt Klimapolitik in Johannesburg durchsetzen will. Aber die Ziele des Weltgipfels reichen viel weiter. Und seine Erfolgsaussichten sind gering.

Berlin/Johannesburg - Es klingt zynisch. Aber hinter vorgehaltener Hand bezeichnen Umweltexperten die deutsche Jahrhundertflut als Geschenk des Himmels, weil durch sie ein Thema wieder in den Vordergrund rückt, für das sich bislang kaum jemand interessierte: Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg, der hochambitioniert möglicherweise seine Ziele verfehlt.
Rund 65.000 Teilnehmer werden zwischen dem 26. August und 4. September in Südafrika erwartet, darunter zeitweise mehr als 100 Regierungschefs. Sie wollen Bilanz ziehen, welche Umweltziele nach dem Erdgipfel von Rio vor zehn Jahren erreicht worden sind, und neue Ziele festschreiben, die von gerechter Wasserversorgung oder fairem Handel bis zu hin zur Stärkung der Uno-Umweltorganisation Unep reichen.

Kanzler Gerhard Schröder war bis vor fünf Wochen noch nicht gewillt, mitten im Wahlkampf nach Südafrika zu reisen, denn Umweltthemen galten in Deutschland seit dem hitzigen Streit über die Ökosteuer als out, und Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt war in Deutschland noch nie ein populäres Thema. Außerdem kostet den Wahlkämpfer der Südafrika-Trip mit Hin- und Rückreise zweieinhalb Tage, die Schröders Berater zunächst nicht opfern wollten. Allein der grüne Umweltminister Jürgen Trittin und die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul, sollten Deutschlands Delegation offiziell vertreten.

Doch nun überzeugten SPD-Fraktion und Uno-Politiker Schröder, am 2. September wenigstens für einen halben Tag in Südafrika Präsenz zu zeigen - um persönlich für das deutsche Modell von Nachhaltigkeitspolitik zu werben und um den absehbar zähen Verhandlungen in Johannesburg einen "unbedingt notwendigen Schub zu verleihen", so formuliert es Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye.

Außerdem hätte Schröder sonst in der kompletten Riege der europäischen Staatschefs gefehlt. Nun soll sich der Bundeskanzler an prominenter Stelle der tagelangen Rednerliste, nämlich schon an siebter Position, als Fürsprecher eines Themas profilieren, mit dem nur 13 Prozent der Bundesbürger etwas anfangen können. Denn nur so viele haben laut Umfragen überhaupt eine Vorstellung, was "Nachhaltigkeit" bedeuten mag.

Begriff aus der Forstwirtschaft

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und besagt, dass nur so viel Holz geschlagen werden soll, wie nachwächst.1987 hat die "Brundlandt-Kommission" den Begriff für die Uno umdefiniert: "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen".

Insofern ist nachhaltige Politik vor allem langfristig wirksame Politik, die auf Wohlstand für alle setzt - bei größtmöglicher Schonung von Ressourcen und Natur. In Johannesburg soll deshalb vor allem gegenseitiges Verantwortungsbewusstsein der Weltgemeinschaft geschärft werden. Dabei steht Armutsbekämpfung noch deutlicher im Vordergrund als Umweltpolitik, weil sich seit Jahren die Schere zwischen armen Entwicklungsländern und reichen Industrieländern immer weiter öffnet. Vor allem die wirksame Umsetzung der zehn Jahre alten Rio-Ziele für eine soziale Agenda des 21. Jahrhunderst soll überprüft und festgeschrieben werden. Aus gutem Grund: Denn die meisten Zusagen der Rio-Konferenz wurden nicht eingehalten und Ziele mangels Kontrollmechanismen und Sanktionen nicht erfüllt.

Schwierige Verhandlungen

Dabei treten Regierungsdelegationen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) teilweise Seite an Seite auf, zugleich veranstalten die NGOs parallel zwei Gegengipfel in Johannesburg. Sie wollen ihren Einfluss nutzen, weil anders als bei anderen Gipfel-Konferenzen im Vorfeld noch keine Einigung über die Inhalte der Abschlusserklärung erzielt werden konnte.

Mehr als ein Drittel aller Punkte sind noch offen, was die Hoffnungen vieler Initiativen bestärkt, sich produktiv einbringen zu können. Allerdings bremst vor allem die US-Regierung Bestrebungen, verbindliche Verpflichtungen zu beschließen. Denn die Amerikaner nicht wieder als Buhmann für nicht erfüllte Zusagen, wie im Fall des Kyoto-Abkommens dastehen und setzten nunmehr weitgehend auf freiwillige Verpflichtungen und auf Partnerschaften der Industrie. Präsident George W. Bush schickt zwar die größte aller Delegationen nach Johannesburg, erscheint aber selber voraussichtlich nicht.

Ernüchternde Prognosen

Daher sieht auch die Bundesregierung die Möglichkeiten von Johannesburg "nach dem bisherigen Verlauf des Vorbereitungsprozesses nüchtern", gestand Ende vergangener Woche der verantwortliche Gipfel-Experte im Auswärtigen Amt, Botschafter Julius Georg Luy, in einem öffentlichen Chat. Dass in Johannesburg eine Trendwende in der Entwicklungspolitik eintreten werde, "möchte ich eher bezweifeln", bekundete der Diplomat und machte deutlich, dass die Wünsche derzeit größer sind als die Erwartungen.

Zwar werde von deutscher Seite ehrgeizig die Durchsetzung der Milleniumsziele angestrebt. Dazu zählen die Halbierung des Anteils der Weltbevölkerung, die in extremer Armut lebt, Hunger leidet und keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat, bis zum Jahr 2015. Darüber hinaus soll der Anteil erneuerbarer Energien weltweit auf 15 Prozent bis in das Jahr 2015 gesteigert und der Verlust natürlicher Ressourcen und der Artenvielfalt gestoppt werden. Doch skeptisch fügt Luy an: "Dass wir dazu wirklich kommen werden, setzt allerdings noch harte Verhandlungen voraus".

Denn nicht nur die USA bremsen. Verhandlungsführer für die Gruppe der G-77 Entwicklungsländer ist ausgerechnet Venezuela, das als Opec-Staat wenig Interesse an der Förderung erneuerbarer Energien hat. Überdies verweigern sich Entwicklungsländer Umweltinteressen, solange sie kein Entgegenkommen des Nordens bei der Marktöffnung ihrer exportfähigen Produkte sehen. Diese Blockadehaltung beklagte diese Woche die zuständige Expertin der Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen, Barbara Unmüssig.

Vor allem seien bislang "keine anspruchsvollen Ziele und Zeitpläne zu so zentralen Themen wie Energie und Wasser oder zum Abbau umweltschädlicher Subventionen erkennbar", resümierte sie. Außerdem seien "kaum verbindliche Regelungen für die soziale und ökologischen Gestaltung der Globalisierung auf der offiziellen Agenda von Johannesburg zu finden".

Einen weiteren Erfolg hat Russland verbaut. Dort wurde die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls auf die lange Bank geschoben um sich immer neue Sonderzugeständnisse zu erobern. Damit ist der Zeitplan geplatzt, das Abkommen feierlich in Johannesburg in Kraft zu setzen - zur Schadenfreude der USA.

Südafrika macht Druck

Um doch noch zu einem vorzeigenswerten "global deal" zu kommen, hat Südafrikas Regierung nun die ausländischen Delegationen gebeten, bereits zwei Tage vor dem offiziellen Gipfelstart zu informellen Treffen nach Johannesburg zu kommen. Die südafrikanischen Gastgeber betrachten den Gipfel als letzte große Chance Afrikas, nicht zum ewigen Welt-Armenhaus zu werden. Aber auch Landbau, Bildung und nachhaltige Gesundheitsvorsorge gehören zu den Gipfelthemen, etwa beim Kampf gegen die in Afrika besonders vehement grassierende Aids-Seuche, die ohne Hilfe des des Nordens im Süden kein Ende nimmt.

Nachhaltiger Tag der offenen Tür

In Deutschland bleibt die eingeforderte Nachhaltigkeit von Ökonomie, Ökologie und Sozialverantwortung aber ein kaum auf das Verhältnis zu anderen Ländern besetzter Begriff. So hatte die Bundesregierung an diesem Wochenende überraschend ihren Tag der offenen Ministerien in Berlin unter das Motto Nachhaltigkeit gestellt - aber verknüpfte damit vor allem ihr Wahlprogramm. Nur im Umwelt- und Entwicklungshilfeministerium wurde intensiv über die Ziele von Johannesburg informiert und reflektiert.

Ansonsten wurde in einer Broschüre von Haushaltskonsolidierung über die Steuerreform, das Altersvermögensgesetz, Bildung und Forschung bis zur Energiewende nahezu jedes Regierungsvorhaben unter das Stichwort Nachhaltigkeit subsummiert und eher beiläufig aufgeklärt, dass es auch in Johannesburg um ökonomische, ökologische und soziale Fragen gehe, "allerdings nicht aus der Sicht eines einzelnen Landes, sondern der ganzen Welt".

Aus einem solchen Nebensatz ein Hauptanliegen zu machen, auf ein solches Bekenntnis des Bundeskanzlers wird nun in Johannesburg gehofft. Und darauf, dass er nicht nur vom "Klimagipfel in Johannesburg" spricht, wie gestrigen Sonntagabend in den ARD-Tagesthemen. Denn in Johannesburg geht es nicht nur um das Klima, dass die hochwassergeschädigten Deutschen plötzlich wieder beschäftigt, sondern um mehr - um das zukünftige Klima zwischen den Staaten aus Nord und Süd.  
Antworten
altmeister:

@happyend

 
19.08.02 09:14
genauso nervig wie die doppel postings von si sind deine 500 zeiligen beiträge!
warum stellst du nicht deine eigene meinung dar?
oder ist es für dich einfach nur wichtig möglichst viele grüne sterne zu bekommen?
über mehr eigene beiträge von dir würden sich sicher die meißten freuen,da diese elendig langen beiträge meiner vermutung nach 2-von 3 leuten nicht durchlesen!
mfg  
Antworten
Happy End:

@altmeister

 
19.08.02 09:22
Das ist das Problem - die meisten glauben, man könne alles in zwei, drei Sätzen abhandeln und dann zum nächsten Part übergehen. Bei den meisten Sachen lohnt es sich aber (und bei Ernsthaftigkeit ist es nahezu zwingend), auch mal ein wenig tiefer in die (Sach)materie einzudringen und nicht in BILD-Zeitungs-Manier kurze Scheininhalte darzulegen.

;-)
Antworten
altmeister:

@happyend

 
19.08.02 09:28
natürlich gibt es themen die mann nicht in 3 zeilen abarbeiten kann,aber es geht mir um deine meinung und nicht um die einer zeitung!
Antworten
Snagglepuss:

Applaus Happy End

 
19.08.02 09:37
haargenau erfasst. Möglichst wenig Informationen sammeln
und dann aber der interessierten Öffentlichkeit hier
eine schlüssige Meinung und einen felsenfesten Standpunkt
abgeben.
Wie bei dem Posting von Mara (ist das eigentlich wieder
der rumänische Bombenleger Maramures?)
Wahrscheinlich ist er noch zu jung um sich daran
zu erinnern, als Stoiber noch der Bullybeiss von
FJS war und wohl nicht zu unrecht Zerstoiber oder
auf bairisch "Giftspritzn" hiess.

Grüsse Pussy
 
Antworten
calexa:

@ happy

 
19.08.02 14:26
Hör nicht auf Altmeister.

Die Meinung, daß in der kürze die Würze liegt, ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Die Folge: Die meisten haben oft keine AHnung, worüber überhaupt geredet wird, weil ihnen das Hintergrundwissen fehlt. Und um eine Meinung zu haben, braucht man erst Infos. Manche werden das nie lernen.

Mahc einfach weiter so wie bisher.

So long,
Calexa
www.carstenlexa.de
Antworten
Happy End:

Thanx Ihr zwei!

 
19.08.02 14:28
;-)
Antworten
m77077:

Wir ! SPD GEHÖRT NICHT DAZU!

 
19.08.02 14:35
Wir packen das gemeinsam an und schaffen das!
Ich lach mich tot! Wo hat den die rot/gruene Chaosregierung bis jetzt was angepackt.Vielleicht eingepackt!Käme eher hin !
Jetzt vor der Wahl werden die tollsten Ideen geboren!Warum erst jetzt?
ARMES DEUTSCHLAND WENN IHR NOCHMAL AUF ROT/GRÜN VERTRAUT!
Antworten
jack303:

INTELLIGENZ

 
19.08.02 14:40
Finde Happy´s Postings ok.

Nur zum Thema "In der Kürze liegt die Würze":

Nur wer intelligent ist, schafft es komplizierte Dinge einfach und plausibel jedem "Vollidioten" näherzubringen.  
Antworten
Sitting Bull:

Schade, Stoiber wäre wohl der richtige

 
19.08.02 15:03
für Deutschland. Leider zu hölzern. Ein Glücksgefühl wird es jedenfalls nicht, sein Kreuz am "rechten Fleck" zu machen.
Antworten
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