Theoretisch steht das Prinzip des Moralischen Individualismus, das »Kernprinzip einer interessenorientierten Moralkonzeption« im Mittelpunkt der Untersuchung. Die unterschiedlichen Argumente von Nelson, Feinberg, Bentham und Singer zeigen für Ach, »dass im Rahmen einer interessenorientierten Moralkonzeption die Entscheidung für einen pathozentrischen bzw. einen sentientistischen Ansatz zumindest naheliegt.«
Der Zusammenhang zwischen dem Kriterium der Empfindungsfähigkeit und der Zuschreibung von Interessen bleibt jedoch bei allen der genannten Autoren in verschiedener Weise unklar.
Aufgrund dieses Problems hält Ach eine Erweiterung des Interessen-Prinzips für notwendig. Mit Hilfe der »These der präsupponierten Empathiemöglichkeit« ist es möglich, zwischen moralisch relevanten Interessen einerseits und moralisch irrelevanten Interessen andererseits zu unterscheiden, denn »wir können nur solchen Wesen gegenüber moralisch handeln, in die wir uns - in welch rudimentärer Weise auch immer - einfühlen können und von denen wir - in welch rudimentärer Weise auch immer - verstehen können, worin ihr Wohl und Wehe besteht.« Es entzieht sich nämlich völlig unserem Vorstellungsvermögen, worin ein Individualwohl für ein Wesen bestehen sollte, welches nicht empfinden kann.
Somit kommt für Ach allen Entitäten ein moralischer Status zu, »sofern sie Wunschsubjekte waren, sind oder sein werden.«
Von diesen Überlegungen aus ist es nun möglich, speziesistische Moralkonzeptionen zu deplausibilisieren. Die Versuche, zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen eine »differentia specifica« zu behaupten (wie z. B. Vernunft, Moralfähigkeit, Sprachfähigkeit) stellen sich »entweder als empirisch falsch, als in moralischer Hinsicht irrelevant oder als beides zusammen heraus.«
Der Speziesismus erweist sich somit als unhaltbar: »Die Zugehörigkeit zur biologischen Gattung ist weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung für einen moralischen Status überhaupt. Sie ist aber auch weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung für eine moralische Ungleichbehandlung innerhalb der moralischen Gemeinschaft.«