Ich poste hier ja nicht oft, aber möchte nun doch mal zusammenfassen, was ich für mich in der letzten Zeit gelernt bzw. in Erfahrung gebracht habe, und wieso ich hier nach wie vor investiert bin, obwohl der Kurs momentan ja alles andere als rosig ausschaut.
Also grundlegend gehe ich einmal davon aus, dass Steinhoff eine solides Unternehmen war und wieder werden kann, das, um es diplomatisch auszudrücken, die letzten Jahre nicht gut gemanaged wurde.
Es wurde oftmals ohne viel Verstand expandiert, auch überteuert, wie man heute weiß, was alleine ja noch nicht existenzbedrohend ist - siehe Bayer aktuell, wobei es da ja aufgrund der vielen offenen Verfahren nochmals faustdick kommen kann.
Zeitgleich begannen einige der Manager, wie man aus dem PWC-Bericht weiß, etwas in die eigenen Tasche zu arbeiten, und sind wir uns mal ganz ehrlich, es wird kaum einen Konzern geben, wo das anders ist, sei es jetzt in der einen Form oder in der anderen. Nur kann es grundsolides Unternehmen damit nicht nur überleben, es fällt dort nicht mal groß auf.
Wie man weiß wurde auch seit 2009 die Zahlen geschönt, zunächst eine reine Ergebniskosmetik, danach immer extremer, und das hatte laut mir 3 wesentliche Gründe: Zunächst durfte man die Eingriffe des betrügerischen Managements nicht erkennen, weiteres musste man immer Top Zahlen liefern, um Gläubiger, Banken und Aktionäre vorspielen zu können, der Expansionskurs, der betrieben wurde, würde das bestmögliche Ergebnis liefern und dem Management dahingehend weiters freie Hand zu lassen, und letztendlich denke ich, dass es oft auch Faulheit war, welche das Management dazu bewog, einfach die Zahlen hinzubiegen, anstatt sich die Arbeit anzutun und einzelne Konzernteile, die nach und nach in Schieflage gerieten oder schon so übernommen wurden - Confo, KIKA-Leiner, Mattress Firm - wieder auf die rechte Bahn zu lenken.
Wie wir alle wissen, flog mit dem Verweigern des Wirtschaftsprüfers, die Zahlen des Jahresabschlusses 2017 zu testieren, die ganze Geschichte auf, und ab da wurde ständig und überall alles berichtet und von sogenannten Finanzblättern beleuchtet, dass selbst ein Einäugiger der Geschichte quasi blind folgen konnte (vorausgesetzt, sein fehlenden Auge lies ihn die Empfehlungen derselben, die sich oft schneller drehten als das Fähnchen im Wind, übersehen).
Warum bin ich also immer noch investiert, wenn es für Steinhoff ja keine Zukunft gibt?
Naja, zunächst muss ich sagen bin ich spät eingestiegen, Juni 2018, und habe seitdem mehrfach teurer oder billiger nachgekauft, also ist das momentane Minus im Depot nicht so groß, dass es mich nachts schlechter schlafen lassen würde.
Zum Zweiten ist das neue Management in meinen Augen mehr als bemüht, den Schaden, der allen Beteiligten entstanden ist, zu begrenzen bzw. in Teilen auch wiedergutzumachen. Die Kommunikationspolitik, die hier oft angeprangert wurde und wird, ließ auch mich manchmal stutzen, aber es weiß eben keiner von uns genau, was das Unternehmen hinsichtlich laufendem CVA und nicht zuletzt den laufenden Ermittlungen auch alles offiziell Kommunizieren darf. Die Veröffentlichung eines Auszug des PWC-Berichts und der 2017er Zahlen haben mich letztlich aber wieder von der Kompetenz und vom Pflichtbewusstsein der neuen Führungsriege überzeugt.
Zugegeben, die 2017er Zahlen kamen 5 Monate später als angekündigt, und bei den 2018ern und dem HY1 2019 ist immer noch nicht fix, ob der Termin gehalten werden kann, aber wenn man sich vor Augen führt, wie umfangreich das Unternehmens- und Beteiligungsgeflecht der Holding ist, dann sollte das auch niemanden verwundern. Auch werden Jooste und Co. es wohl eher so arrangiert haben, dass es sich eben nicht um auf den ersten Blick ersichtliche Betrügereien handelte.
Nun, wie der Finanzbericht 2017 schon sagte, die Lage ist nach wie vor kritisch - aber halt auch nicht grundsätzlich aussichtslos, das heißt, der Kurs steht da, wo er momentan steht zurecht (der Markt hat ja immer recht), aber es ist eben auch noch keine akute Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Die 3 Hauptprobleme momentan sind A) die hohe Verschulung B) die Klagen und C) diejenigen operativen Teile, die Verlust oder keinen Gewinn erwirtschafteten. Die ersten beiden Punkte kann man von hier auf jetzt kaum ändern, mittels des LUA wurde aber schon einmal eine Frist für die Tilgung der Schulden angesetzt, wo man die Zeit jetzt auch konstruktiv genutzt hat, und inzwischen den Punkt C angegangen ist. Mattress Firm war im CH11, und sollte in Zukunft nicht nur kein Geld mehr verschlingen, sondern auch zum Gewinn beitragen (leider nur noch anteilig zu 50%, dafür aber ohne weiter von der Holding finanziert werden zu müssen). Auch Conforama muss wieder schwarze Zahlen schreiben, da ist man jetzt ja dran das zu bewerkstelligen. Ansonsten wurde mit POCO, KIKA-Leiner, KAP usw. genau richtig verfahren, alles raus was keine Miete zahlt ist da die einzig richtige Entscheidung; Auch bei denen, wo man 2-3% Rendite als Dividende erhalten hätte, rechnet sich das nicht, wenn man andererseits 10% an Zinsen an die Gläubiger zahlen muss, dann lieber das Kapital aus dem Verkauf zur Schuldentilgung verwenden.
Fraglicher Punkt, und zugleich der, der alles entscheiden wird, sind m.M.n. die Klagen. Also dass Wiese sich seine Ansprüche sonst wohin stecken kann, darüber ist sich, glaube ich, der Großteil des Forums hier einig. Für die anderen Aktionäre, vor allem diejenigen beim Listing in Frankfurt, ist m.M.n. mittlerweile erwiesen, dass diese hinters Licht geführt wurden, und dementsprechend auch Anrecht auf Kompensation in irgendeiner Form haben. Nur hoffe ich als selbst Investierter, dass diese Urteile sich nicht zu krass gegen das gebeutelte Unternehmen, sondern eher die Verursacher und (fahrlässig, oder wissentlich) Mitschuldigen (altes Management, Wirtschaftsprüfer, Banken) dafür gerade stehen müssen. Ich gönne sicherlich jedem Kleinaktionär seine Entschädigung, sollte er eine solche erhalten, allerdings profitieren von Klagen usw. doch meist eh die Institutionellen und Großanleger, weshalb ich bei den Verfahren und/oder Vergleichen auf einen bestmögliches Ergebnis für Steinhoff hoffe - Wenn ein Altaktionäre hier mir das krumm nimmt, dann kann ich das aber vollkommen verstehen.
Für die Zukunft kann ich nur hoffen, dass diese Übernahmepolitik, welche das ganze Schlamassel eingebrockt hat, jetzt aufhört, und mehr auf organisches Wachstum gesetzt wird, PEPCO macht ja gerade vor, dass das auch gehen kann. Und PEPCO wird es m.M.n. auch sein, das den ganzen Karren wieder aus dem Dreck zieht, denn ansonsten sind alle noch vorhanden Beteiligungen Stand 2019 leider nicht, nur knapp oder nicht weit genug in der Gewinnzone (Confo, Poundland, Mattress Firm), wir erhalten nur noch eine Dividende aufgrund der Besitzverhältnisse (Pepkor) oder sie sind einfach nicht groß und bedeutend genug, um am Konzernergebnis irgendetwas ausrichten zu können.
Die Kursziele verkneife ich mir auch, ich wünsche lediglich allen weiters Investierten hoffentlich noch viel Freude mit ihren Anteilsscheinen im 2. HY 2019 und natürlich weit darüber hinaus.