hier liest man immer wieder, dass Steinhoff die Adhoc von gestern eher hätte veröffentlichen müssen. Im Grunde ist dies richtig, jedoch ist eine Kapitalgesellschaft nach Art. 17 Kapitel 4 berechtigt eine Veröffentlichung aufzuschieben, wenn "die unverzügliche Offenlegung [...] geeignet [wäre] die berechtigten Interessen des Emittenten oder Teilnehmers am Markt [...] zu beeinträchtigen. Hiervon wird Steinhoff Gebrauch gemacht haben. Generell empfinde ich die Kapitalmarktkommunikation von Steinhoff sehr professionell. Selbst habe ich ebenfalls Erfahrung in der Kapitalmarktkommunikation und Investor Relations und bin erstaunt mit welch Eifer und Fleiß die Kollegen arbeiten. Dass schwammige Antworten gegeben werden ist völlig normal. Die Kunst liegt eben zwischen den Zeilen lesen zu können und ich erinnere nur zu gerne an den Aussagen von heute "the successful completion of the restructuring".
Weiterhin kann ich nicht nachvollziehen, warum die meisten den Bilanzen entgegensehnen. Es handelt sich um die Vergangenheit. Uns liegt eine neuere Bilanz sogar vor mit dem zurückliegenden Halbjahresfinanzbericht. Somit sind wir im klaren Bilde, wie es um der Gesellschaft steht - und ja, hier gehe ich auch davon aus, dass alles abgeschrieben wurde, was nicht nagelfest ist. Wenn der PWC-Bericht durch ist, wird (wie in jeder anderen Gesellschaft auch) jeder Besenstiel im Keller aktiviert, sodass die Aktiva wieder steigen wird.
Für mich ist der PWC-Bericht auch das Entscheidende, und dass dieser aufgeschoben wurde ist natürlich ärgerlich, für mich jedoch ein gutes Zeichen. Wäre wirklich belastbares gegen Steinhoff gefunden worden, würde sich Steinhoff schnell davon entblößen wollen. Dass die zentrale Untersuchung abgeschlossen ist, zeugt doch davon, dass die Befürchtungen nicht bestätigt werden und stattdessen Steinhoff eigene Ansprüche prüft und sich selbst die Karten zuteilt, mit denen nach der Veröffentlichung gespielt wird.
Dazu passt auch die Anpassung der Restrukturierung, die nächste Woche Freitag auf dem Gläubigertreffen bestätigt werden soll. Steinhoff sieht sich nun selbst in der Position den Ton anzugeben und mehr Druck auszuüben und die Restrukturierung komplett im eigenen Interesse zu steuern. Und da bereits an Optimierung von Steuerzahlprozessen gearbeitet wird, gehe ich stark von operativen Gewinnen aus. Auf die Vermögensgewinne aus dem Poco-Verkauf werden übrigens ebenfalls keine Steuern gezahlt werden müssen, da diese nach IDW steuerfrei sind.
Für mich wirkt das in der Gesamtheit sehr durchdacht. Wer anderer Meinung ist, darf diese gerne für sich behalten. :-)