Hallo Leute,
jetzt habe ich mich schon lange nicht mehr zu Wort gemeldet, aber angesichts des bevorstehenden Abschlusses von Step 2 erlaube ich es mir mal wieder ein paar Worte zu schreiben. Dazu vorweg: Ich bin habe letzte Woche aus persönlichen Gründen - den Großteil meiner Aktien abgestoßen und möchte hier den Kurs weder pushen noch bashen. Allerdings beschäftige ich mich schon sehr lange mit der Aktie und verfolge die Steinhoffstory schon länger als so manch anderer. Darum hier mal meine objektive Meinung:
Step 2 & SoP:
Viele hatten sich vom heutigen Tag womöglich mehr erhofft. Das ist verständlich. Genauso absolut nachvollziehbar ist heute demnach auch der relativ schwache Anstieg und dann das erneute Absacken des Kurses. Steinhoff ist mit diesem Urteil nicht über den Berg, aber es bekommt die Gelegenheit sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich das operative Geschäft und die Schuldenreduktion. Gut so. Sehr gut sogar! Dass hier das Urteil nicht mit Konfetti gefeiert wurde ist ebenfalls klar, denn nach wie vor ist das Unternehmen hoch überschuldet und steht mit den Rücken zur Wand. ABER: Jetzt kann das Management zeigen was es operativ aus der Kiste rausholen kann. Auch wenn noch ein paar Wochen bis zum Abschluss von Step 2 vergehen werden, können wir diesen Punkt einmal geistig abhaken. Das führt mich direkt zu Step 3.
Step 3 & die Bedeutung von Pepco:
Steinhoff hat jetzt bis Mitte/Ende 2023 Zeit sich finanziell neu zu ordnen. Viel ist in den vergangenen Monaten & Jahren bereits passiert. Schaut euch mal an was die Bude für Müll im Portfolio hatte. Ich erinnere euch an Kika, Conforama France, Harveys & co.. Diese Teile waren nicht mehr zu retten und man ist sie mittlerweile komplett los. Die Patienten wie Mattress Firm konnte man retten und diese laufen mittlerweile sehr gut. Pepkor und Pepco überbieten alles und wachsen selbst in der Krise (obwohl hier teilweise nicht mal alle Läden offen sind!).
Operativ läuft es also jetzt auf ganzer Linie, wer hätte das noch 2018 gedacht. Auch die Klagen ist man jetzt bald los. Bleiben also 10 Mrd EUR Schulden, davon 1 Mrd Zinsen pro Jahr. Wie kann man das durch Verkäufe in den Griff bekommen fragen sich da viele zurecht?
Hier mal ein Versuch eine Antwort zu finden:
-§Habt ihr euch einmal gefragt, warum LdP bei der Investor Presentation (glaube es war 2019) sagte, dass die Expansion der Töchter mit Hilfe der Holding gestoppt wurde ausgenommen der Pepco Group?
-§Habt ihr euch schon mal gefragt, warum Pepco letztes Jahr in Italien Fuß gefasst hat und dieses Jahr nach Spanien expandiert?
-§Habt ihr euch gefragt, warum in der GuV (sei es 2019 oder Halbjahr 2020) alle Gruppenkosten gedrückt wurden bis auf die Administrative Costs mit Verweis in der Fußnote, dass diese Erhöhung auf die aggressive Pepco-Expansion zurückzuführen ist?
-§habt ihr euch gefragt warum das Unternehmen DGAPs rausgibt dass man gedenkt den Pepco IPO bzw einen Verkauf wieder aufzunehmen?
-§Habt ihr euch gefragt, warum der Kurs zu Beginn dieses Jahres aufgrund der IPO Spekulation eines Bloomberg Artikels innerhalt von einer Woche raufgeknallt ist, nur um danach wieder auf alte Tiefs zu fallen, als das Unternehmen die Verkaufsgespräche coronabedingt beenden musste?
Der Grund ist, dass jetzt im Grunde das Überleben der Gruppe fast ausschließlich an diesem Verkauf / IPO hängt.
Der User JEFF hatte hier bereits einmal einige Berechnungen des EBITDA-Multiples angestellt und gezeigt was der Markt bereit ist aktuell für Unternehmen wie Pepco zu bezahlen. Er hat gezeigt, dass die 4,5 Mrd welche anfangs angepeilt wurden keinesfalls weit hergeholt sind, sondern bei aktuellem Börsenumfeld das Mindeste sind was der Markt bereit ist zu zahlen. Das aktuelle Börsenumfeld ist hierfür absolut perfekt, denn der Markt ist derzeit bereit astronomische KGVs zu bezahlen, auch (und jetzt während Corona) vor allem in jenen Retailsektoren die sich in der Krise bewährt haben. Pepco gehört hier sicher dazu.
Alle Hinweise die wir aktuell vom Management erhalten deuten darauf hin, dass es der Plan ist aus Pepco so viel Kapital rauszuquetschen wie nur möglich. Andere Versuche an Geld zu kommen wie z.B. der Fantastic IPO oder Verkäufe der restlichen Conforama Teile sind nur Nebenschauplätze.
Aktuell sollte hier jedem klar sein: Gelingt dieser Plan A des Managements, dann hat das Unternehmen eine gute Chance aber es gibt keinen Plan B. Wer mir nicht glaubt braucht nur die letzte HV anschauen. Auch hier sagt LdP, dass das Überleben von Steinhoff davon abhängt wieviel der Markt bereit ist für gewisse Assets zu zahlen. Na welche wird er da meinen?
Gelingt dieser Plan A, dann kann Steinhoff mit den restlichen Assets locker die restlichen Schulden refinanzieren und alleine durch 50%+ Pepkor und den Anteil von Mattress Firm ist die Bude hoch profitabel.
Der Kurs:
Ja, der Kurs ist ein Teufel, gerade bei dieser Aktie. Wie bewertet man auch ein Unternehmen, das negatives Eigenkapital in Milliardenhöhe hat aber eigentlich hochprofitabel ist? Hier werden bis zum Zeitpunkt wo man umschuldet nach wie vor Zocker das Sagen haben. Das heißt nicht, dass der Kurs nicht steigen kann, aber er kann trotz Step 2 genauso gut auch wieder fallen. Ich würde an eurer Stelle jedoch diese Kursschwankungen kaum beachten. Behaltet lieber den Blick aufs wesentliche (siehe Pepco IPO/Verkauf). Hier sollte man sich immer klar sein: scheitert Plan A, dann sind eure Aktien wertlos. Gelingt er (und die Chancen stehen garnicht mal so schlecht), dann ist hier gewaltig Luft nach oben.
Ich wünsche allen Investierten alles Gute und ein schönes Wochenende. Lasst den Kopf nicht hängen, denn ich bin mir sicher, dass das Management auch diese letzte Mammutaufgabe meistern wird!
Liebe Grüße
stksat