Unternehmen finden Gefallen an der Notierung im Freiverkehr
Deutsche Börse will angeblich mit freiwilliger Verpflichtung zu Ad-hoc-Meldungen und pünktlichen Jahresabschlüssen Transparenz erhöhen
von Karsten Seibel
Frankfurt/Main - Die Frankfurter Immobiliengesellschaft Frimag hat die Anleger nicht enttäuscht. Die Aktie legte am ersten Handelstag rund fünf Prozent zu und setzt damit die Reihe der erfolgreichen Handelsaufnahmen im Freiverkehr in diesem Jahr fort. Was sich in dem weitgehend unreglementierten Marktsegment der Deutschen Börse zuletzt ereignete, läßt einige Anleger schon wieder an eine Wiederholung des Neuen-Markt-Booms glauben: Kursanstiege von einhundert Prozent und mehr, von "kleinen Börsenwundern" die Rede.
Geht es nach der Deutschen Börse, wird der Freiverkehr künftig noch attraktiver - für kleine Unternehmen auf der einen und Investoren auf der anderen Seite. Wie aus Finanzmarktkreisen zu hören ist, nimmt der geplante neue Bereich innerhalb des Freiverkehrs konkrete Formen an. Zu den Kernpunkten soll gehören, daß sich die Unternehmen freiwillig verpflichten, kursrelevante Informationen ähnlich wie im Geregelten Markt und Amtlichen Handel in Form einer Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen. Zudem ist davon die Rede, daß innerhalb von sechs Monaten ein testierter Jahresabschluß vorliegen soll. Außerdem müßten Unternehmen ihr Geschäft im Internet darstellen und einen Kalender mit den wichtigsten Veröffentlichungsterminen führen, heißt es weiter. Die Deutsche Börse wollte sich dazu nicht äußern. "Noch ist alles im Fluß", so eine Sprecherin.
Die neuen Transparenzanforderungen mögen für Besitzer von Aktien der großen Indizes wie Dax oder MDax selbstverständlich klingen, für den Freiverkehr sind sie es nicht. Dieses Börsensegment unterliegt bislang so gut wie keinen Regeln. Staatliche Aufsichtsbehörden haben kaum eine Handhabe gegen Auswüchse. Bei vielen Investoren ist der Freiverkehr daher auch als Teil des grauen Kapitalmarktes verschrien. Den meisten Fondsmanagern ist es nicht erlaubt, Aktien aus diesem Segment zu erwerben.
Das soll sich nicht nur in Frankfurt ändern. In München startet die Börse am 1.Juli M:access. Auch hier ist das Ziel, kleine, wachstumsstarke Unternehmen mit geringen Zugangshürden für die Börse zu gewinnen, gleichzeitig jedoch Anleger dank gewisser Mindeststandards nicht abzuschrecken. Vorbild für alle ist der Londoner Alternative Investment Market (AIM), an den in den vergangenen Jahren mehrere hundert Unternehmen drängten - hier kommen allerdings anders als in Deutschland noch steuerliche Anreize hinzu.
"Wenn Unternehmen potente Investoren haben wollen, müssen sie einfach transparenter werden", begrüßt Dirk Blumhoff von der Frankfurter Wertpapierbank Concord Effekten die Aufwertung des Freiverkehrs. Aus Sicht von Andreas Beyer, Vorstandschef der VEM-Aktienbank, ist der "Börsengang light" für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, über die Börse an frisches Kapital zu kommen. Er geht davon aus, daß eine Notierungsaufnahme im Freiverkehr rund 100 000 Euro günstiger ist als im Geregelten Markt.
Die VEM Aktienbank profitiert gleich doppelt von dem neuen Interesse am Freiverkehr. Sie begleitet als Emissionsbank Börsengänge in diesem Bereich und ist selbst in dem Segment notiert. VEM konnte so bereits mehrmals über eine Kapitalerhöhung Mittel für die weitere Expansion aufnehmen. Der Kursentwicklung hat dies nicht geschadet. Die Aktie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 550 Prozent.
Für Privatanleger bleibt der Freiverkehr trotz solch traumhafter Steigerungsraten gefährlich. Neben den geringen Kontrollmöglichkeiten sind die Umsätze in den einzelnen Aktien oft sehr gering, da sich Altaktionäre kaum von ihren Stücken trennen - wie beispielsweise bei der Beteiligungsgesellschaft Nanostart.
Artikel erschienen am Mi, 22. Juni
Deutsche Börse will angeblich mit freiwilliger Verpflichtung zu Ad-hoc-Meldungen und pünktlichen Jahresabschlüssen Transparenz erhöhen
von Karsten Seibel
Frankfurt/Main - Die Frankfurter Immobiliengesellschaft Frimag hat die Anleger nicht enttäuscht. Die Aktie legte am ersten Handelstag rund fünf Prozent zu und setzt damit die Reihe der erfolgreichen Handelsaufnahmen im Freiverkehr in diesem Jahr fort. Was sich in dem weitgehend unreglementierten Marktsegment der Deutschen Börse zuletzt ereignete, läßt einige Anleger schon wieder an eine Wiederholung des Neuen-Markt-Booms glauben: Kursanstiege von einhundert Prozent und mehr, von "kleinen Börsenwundern" die Rede.
Geht es nach der Deutschen Börse, wird der Freiverkehr künftig noch attraktiver - für kleine Unternehmen auf der einen und Investoren auf der anderen Seite. Wie aus Finanzmarktkreisen zu hören ist, nimmt der geplante neue Bereich innerhalb des Freiverkehrs konkrete Formen an. Zu den Kernpunkten soll gehören, daß sich die Unternehmen freiwillig verpflichten, kursrelevante Informationen ähnlich wie im Geregelten Markt und Amtlichen Handel in Form einer Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen. Zudem ist davon die Rede, daß innerhalb von sechs Monaten ein testierter Jahresabschluß vorliegen soll. Außerdem müßten Unternehmen ihr Geschäft im Internet darstellen und einen Kalender mit den wichtigsten Veröffentlichungsterminen führen, heißt es weiter. Die Deutsche Börse wollte sich dazu nicht äußern. "Noch ist alles im Fluß", so eine Sprecherin.
Die neuen Transparenzanforderungen mögen für Besitzer von Aktien der großen Indizes wie Dax oder MDax selbstverständlich klingen, für den Freiverkehr sind sie es nicht. Dieses Börsensegment unterliegt bislang so gut wie keinen Regeln. Staatliche Aufsichtsbehörden haben kaum eine Handhabe gegen Auswüchse. Bei vielen Investoren ist der Freiverkehr daher auch als Teil des grauen Kapitalmarktes verschrien. Den meisten Fondsmanagern ist es nicht erlaubt, Aktien aus diesem Segment zu erwerben.
Das soll sich nicht nur in Frankfurt ändern. In München startet die Börse am 1.Juli M:access. Auch hier ist das Ziel, kleine, wachstumsstarke Unternehmen mit geringen Zugangshürden für die Börse zu gewinnen, gleichzeitig jedoch Anleger dank gewisser Mindeststandards nicht abzuschrecken. Vorbild für alle ist der Londoner Alternative Investment Market (AIM), an den in den vergangenen Jahren mehrere hundert Unternehmen drängten - hier kommen allerdings anders als in Deutschland noch steuerliche Anreize hinzu.
"Wenn Unternehmen potente Investoren haben wollen, müssen sie einfach transparenter werden", begrüßt Dirk Blumhoff von der Frankfurter Wertpapierbank Concord Effekten die Aufwertung des Freiverkehrs. Aus Sicht von Andreas Beyer, Vorstandschef der VEM-Aktienbank, ist der "Börsengang light" für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit, über die Börse an frisches Kapital zu kommen. Er geht davon aus, daß eine Notierungsaufnahme im Freiverkehr rund 100 000 Euro günstiger ist als im Geregelten Markt.
Die VEM Aktienbank profitiert gleich doppelt von dem neuen Interesse am Freiverkehr. Sie begleitet als Emissionsbank Börsengänge in diesem Bereich und ist selbst in dem Segment notiert. VEM konnte so bereits mehrmals über eine Kapitalerhöhung Mittel für die weitere Expansion aufnehmen. Der Kursentwicklung hat dies nicht geschadet. Die Aktie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 550 Prozent.
Für Privatanleger bleibt der Freiverkehr trotz solch traumhafter Steigerungsraten gefährlich. Neben den geringen Kontrollmöglichkeiten sind die Umsätze in den einzelnen Aktien oft sehr gering, da sich Altaktionäre kaum von ihren Stücken trennen - wie beispielsweise bei der Beteiligungsgesellschaft Nanostart.
Artikel erschienen am Mi, 22. Juni