Rosige Wachstumsaussichten beflügeln die Fantasie der Investoren. Der Software-Riese Microsoft will mit der X-Box das japanische Duopol von Sony und Nintendo knacken
Erfolg auf dem Spielemarkt gibt Kurs-Kick für Nintendo und Microsoft
Microsoft-Gründer Bill Gates ist nicht berühmt für seine Bescheidenheit. "Heute ist wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, dass jeder problemlos eine Xbox bekommt", posaunte er den Kunden zum Verkaufsstart der ersten Microsoft-Spielekonsole Mitte November in New York entgegen. Doch er wollte sich wohl vor allem selbst Mut machen. Schließlich steht für Microsoft viel auf dem Spiel.
Bis zu 1,5 Millionen Geräte will Microsoft in der Weihnachtssaison absetzen. Allein 500 Mio. Dollar gibt das Unternehmen für die Bewerbung seiner Spaßbox aus. Hinzu kommen noch zwischen 50 und 100 Dollar, die Microsoft auf jede knapp 300 Dollar teure Spielekonsole draufzahlt. Falls das Gerät ein Flop wird, droht Microsoft nach Berechnungen von Staranalystin Mary Meeker von Morgan Stanley ein hübscher Milliardenverlust. Und der Kursaufschwung an der Börse - Microsoft-Aktien haben sich bislang in diesem Jahr mit einem Plus von über 50 Prozent besser als jeder andere Dow Jones-Titel geschlagen - wäre wohl dahin.
Doch Gates hält den gewaltigen Einsatz für angemessen. Ihn locken die rosigen Wachstumsaussichten. Die US-Marktforscher von Dataquest erwarten, dass im kommenden Jahr weltweit 49 Millionen Spielekonsolen nach 29 Millionen Einheiten 2001 verkauft werden. Doch die Geräte sind für die Hersteller nur der Schlüssel zum eigentlichen Geschäft. Das große Geld wird mit Video-Spielen verdient. Branchenexperten taxieren den Wert des weltweiten Spielemarktes auf 20 Mrd. Dollar - mit jährlichen Wachstumsraten von 20 Prozent. Noch wird der Markt von zwei japanischen Platzhirschen beherrscht. Klarer Marktführer bei Hardware und Spielen ist Sony. Von der Playstation 2 konnte der Elektroriese seit dem Start im März vergangenen Jahres bereits über 20 Millionen Stück weltweit absetzen. "Sony ist fast schon uneinholbar davongezogen", meint Takashi Oya von der Deutschen Bank. Wie Microsoft zielt Sony mit seinen Produkten auf ältere Spieler und junge Erwachsene. Auf die große Zielgruppe der ganz jungen Fans hat es der zweite große Microsoft-Mitbewerber, Nintendo, abgesehen. Die Geschäfte laufen bestens. Drei Tage nach der Xbox stellte Nintendo seine neue Wunderwaffe "GameCube" vor. Der erste Tag brachte Einnahmen von knapp 100 Mio. US-Dollar. Wegen der hohen Nachfrage schickt der Hersteller vor Weihnachten knapp 20 Prozent mehr Konsolen in die USA als geplant. 1,3 Millionen Stück sollen nun noch in diesem Jahr verkauft werden. "Nintendo wird ein sehr erfolgreiches Weihnachtsgeschäft hinlegen", meint Fondsmanager Simon Ross von AIG Global Investment. "Hier handelt es sich um einen richtigen Moneymaker." Schon die Zahlen für die vergangenen zwei Quartale erfreuten die Anleger. Nintendo meldete einen Gewinnsprung von 13 Prozent auf 316 Mio. Euro. An der Börse gehört Nintendo jedenfalls zu den Überfliegern. Im Gegensatz zu Sony, die seit Jahresanfang über 25 Prozent nachgaben, stiegen Nintendo-Papiere um 17 Prozent.
Das japanische Duopol gilt für Analysten nur als schwierig zu knacken. Einer der Haupthindernisse für Microsoft könnte der Mangel an attraktiven Spielen sein. Bislang sind nur knapp ein Dutzend auf dem Markt. "Die Erwartungen von Microsoft an die Xbox sind zu hoch", meint Richard Gardner von Salomon Smith Barney, der den Titel auf neutral heruntergestuft hat. Seiner Meinung nach unterschätzt Microsoft zudem die Auswirkungen der Konjunkturflaute. Deutsche Bank-Experte Oya gibt für Microsoft und Nintendo eine Kaufempfehlung, während er Sony als "Marketperformer" einstuft. Der Analyst prognostiziert für 2005 einen weltweiten Microsoft-Marktanteil von sieben Prozent, Nintendo kommtauf 30 Prozent und Sony auf 63 Prozent. "Microsoft ist aber wegen seiner Finanzkraft, des Marketings und der guten Hardware für einige Erfolgsgeschichten gut." Bill Gates wird es gerne hören.
Gruß Kostolmoney