Kahn will nichts abgeben
Die drohende Pleite der KirchGruppe hat in der Fußball-Bundesliga heftige Diskussionen ausgelöst, ob Vereine und Spieler den Gürtel künftig enger schnallen sollen. Topverdiener Oliver Kahn denkt jedoch nicht daran, auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten.
AP
Oliver Kahn: Vertrag ist Vertrag
München - "Da die Gehaltsexplosion vor allem durch die TV-Gelder zu Stande kam, sind Kürzungen künftig nicht auszuschließen", sagte Kahn der Münchner "Abendzeitung", fügte aber hinzu: "Ich sehe es grundsätzlich nicht ein, auf vereinbartes Geld zu verzichten."
Bayern-Profi Kahn gilt mit einem geschätzten Jahresgehalt von rund fünf Millionen Euro als Topverdiener in der Fußball-Bundesliga. Einer möglichen Pleite der KirchGruppe sieht der 32-Jährige gelassen entgegen: "Heutzutage ist es ja fast schon Normalität geworden, dass große Unternehmen in die Insolvenz gehen. Wenn es dann selbst auch uns Fußball-Profis treffen kann, sieht man einmal, wie hart nicht nur der Kampf auf dem Platz, sondern auch in der freien Wirtschaft ist."
"Das muss jeder Spieler einzeln entscheiden"
Von einem generellen Gehaltsverzicht hält auch Michael Preetz nichts. "Das muss jeder Spieler einzeln entscheiden, wenn sich das Problem konkret stellt", erklärte der Bundesligaprofi von Hertha BSC Berlin und Vizepräsident der Vereinigung der Vertragsfußballspieler VdV in der "Welt".
Preetz warnte vor emotional geführten Diskussionen über mögliche staatliche Bürgschaften im Falle einer Kirch-Insolvenz. "Ich weiß, dass jetzt wieder die Zeit für große Polemiken ist. Nach dem Motto: Mit öffentlichen Bürgschaften sollen die Wahnsinnsgehälter finanziert werden. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, falls die nächste Kirch-Rate im Mai ausbleibt, die Vereine über eine Phase zu bringen, in der sie in der diesmal wegen der WM besonders langen Sommerpause keine Einnahmen haben."
"Von Vereinsseite gegensteuern"
Für Martin Kind, den Präsidenten des Bundesliga-Aufsteigers Hannover 96, führt jedoch kein Weg daran vorbei, künftig zurückhaltender bei Spielergehältern zu sein. "Wenn wir nicht kollektiven Selbstmord begehen wollen, heißt es, von Vereinsseite gegenzusteuern", sagte Kind den "Lübecker Nachrichten".
Alle Vereine, so Kind, seien aufgefordert, künftig deutlich wirtschaftlicher zu arbeiten. "Zu hohe Spielergehälter bei gleichzeitig zu geringer Ertragssituation in den Clubs, das ist eine klare Fehlentwicklung", sagte der Hannover-Boss.
"Gehälter der Spieler kürzen"
Auch Sportökonom Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin geht davon aus, dass die Proficlubs künftig kleinere Brötchen backen müssen. "Kirch hat gewissermaßen über Jahre hinweg zu viel gezahlt. Die Vereine sitzen nun auf hohen Kosten, von denen sie mittelfristig nur runterkommen, wenn sie die Gehälter der Spieler kürzen", sagte Wagner im MDR.
Mögliche Pleiten von Vereinen der Fußball-Bundesliga hält Wagner für "durchaus heilsam". Aus rein ökonomischer Sicht sei nichts dagegen einzuwenden. "Die Frage ist, ob es während einer laufenden Saison sein muss. Das würde den Konsumwert, den viele aus der Bundesliga ziehen, stark beeinträchtigen", urteilte der DIW-Wirtschaftsexperte und verwies auf die Sommerpause als günstigeren Insolvenz-Zeitpunkt.
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