So wird das Jahr 2006


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So wird das Jahr 2006

 
15.12.05 08:15

Steigen die Aktienkurse weiter? Vier der profiliertesten Schweizer Börsenprofis geben ihre Prognose ab. Und zumindest einer von ihnen ist sehr optimistisch.

Das Jahr 2005 ist für die Schweizer Anleger ein Spitzenjahrgang – fast schon ein Jahr fürs Geschichtsbuch. Nur zweimal, 1993 und 1997, hat die helvetische Börse in den letzten 20 Jahren eine bessere Performance erzielt. Und geht es nach Henry Wegmann, so wird die Börsenparty noch einige Zeit andauern. Der Topbanker prognostiziert einen Anstieg des Swiss Market Index (SMI) auf 10 000 Punkte in den nächsten drei bis fünf Jahren. Bereits in den nächsten 12 bis 18 Monaten, so der Präsident der Privatbank Ihag und Verwaltungsrat der Bank Vontobel, werde der SMI die bisherige Rekordmarke von 8489 Punkten knacken.

Während bei uns Champagnerlaune herrscht, wird 2005 bei den amerikanischen Anlegern als ausgesprochen hartes Jahr in die Annalen eingehen, der Dow Jones Index lag praktisch die ganze Zeit im Minus. «Dass die Performance in der Schweiz und den USA so extrem auseinander läuft, hat Seltenheitswert», kommentiert Alex Hinder, langjähriger Chief Investment Officer der Bank Leu, die verrückte Entwicklung der letzten zwölf Monate.


Auf den ersten Blick erscheint diese Überlegenheit der Schweizer Börse überraschend, hält sich das Wachstumstempo bei uns doch in Grenzen. Man solle sich indes nicht durch die bombastisch wirkenden Baukräne in manchen ausländischen Metropolen blenden lassen, meint Henry Wegmann, der als ehemaliger Banker der Credit Suisse viele Jahre im Ausland gearbeitet hat. Auf Dauer hätten die Schweizer Konzerne dank ihrer Seriosität und Stabilität häufig mehr zu bieten. «Es ist wie in der Fabel mit der Schildkröte: Am Schluss kommt sie vor dem Hasen ins Ziel. Zwar kann der Hase schnell sprinten, dafür aber mangelt es ihm an Beständigkeit.»

Trotz aller Zuversicht: Im kommenden Jahr müssen sich Anleger auch gegen mögliche Rückschläge an der Börse wappnen. Alex Hinder von der Bank Leu hält eine Korrektur von bis zu 15 Prozent für möglich. Ähnlich vorsichtig ist die Einschätzung des renommierten Investors René Braginsky für die kommenden Monate. Per Ende 2006 erwartet er jedoch wieder deutlich höhere Kurse. In diesem Jahr sind die Aktienempfehlungen Braginskys voll aufgegangen. Seine elf Titel haben innerhalb eines Jahres um 39,1 Prozent zugelegt und damit den Börsenindex um fünf Prozent übertroffen. Ähnlich erfolgreich waren die Tipps der übrigen Teilnehmer am BILANZ-Outlook 2005: Die sechs von Henry Wegmann ausgewählten Schweizer Blue Chips haben den SMI innert Jahresfrist alle geschlagen. Als Volltreffer haben sich auch seine japanischen Empfehlungen erwiesen.

Ebenfalls auf Japan gesetzt hat Alex Hinder. Vor allem aber gelang ihm mit seiner Dollar-Prognose eine souveräne Punktlandung: Während die Mehrheit der Experten vor zwölf Monaten mit einem weiteren Absturz der US-Währung rechnete, sagte Hinder korrekt die kurz bevorstehende Trendwende voraus. Diese Dollar-Hausse war ein wichtiger Faktor für die steigenden Aktienkurse in der Schweiz. Börsenguru Marc Faber wiederum lag mit seiner Empfehlung für Rohstoffe richtig, insbesondere der Goldpreis hat deutlich zugelegt.

Für 2006 geben die Experten auf den folgenden Seiten erneut viel versprechende Tipps ab. Dabei gehen ihre Meinungen zum Teil deutlich auseinander. Doch das Ziel des BILANZ-Outlooks ist es auch nicht, einen Konsens über die künftige Marktentwicklung herzustellen. Bewusst haben wir vier hochkarätige Persönlichkeiten ausgewählt, die alle eine je sehr eigenständige Position vertreten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Finanzmärkte aus jahrzehntelanger Erfahrung kennen. Daher wissen sie, dass die Börse selten so läuft, wie sich das die Mehrheit vorstellt. Wer hätte vor Jahresfrist schon ein 30-prozentiges Plus vorausgesagt?

Gefragt sind also Experten, die sich dank ihrem Ruf und ihrer Unabhängigkeit falls nötig auch gegen die vorherrschende Marktmeinung stellen können. Alle vier bringen diese Voraussetzung zweifellos mit. Ihre Prognosen und Erwartungen sollen dem interessierten Anleger helfen, sich optimal auf denkbare Szenarien an den Märkten vorzubereiten.

Um dennoch den grössten gemeinsamen Nenner aus den vier Prognosen herauszufiltern: Die Aktien aus der Schweiz und Japan stellen die übrigen Märkte auch 2006 in den Schatten, ebenso bleibt Gold ein gutes Investment. Hingegen drücken die steigenden Zinsen auf die Renditen bei den Obligationen. Ob es tatsächlich so kommt – spätestens in zwölf Monaten wissen wir mehr.

Bullish für Japan

Für die USA ist Marc Faber weiter skeptisch, dafür sieht er Potenzial in Asien, speziell in Japan, und beim Gold.

Marc Faber spricht von einer «Anlagewut», die er bei seinen vielen Reisen rund um den Globus antreffe. Man spüre, dass die Notenbanken die Märkte reichlich mit Liquidität versorgten, deshalb seien die meisten Anlagekategorien hoch bewertet. «Das erste Gebot auf dem Weg zum Reichtum ist es im gegenwärtigen Umfeld, kein Geld zu verlieren», hält der Börsenguru fest.

Doch wie? Mit dem Comeback der Inflation und den steigenden Zinsen hätten Obligationen stark an Attraktivität verloren, meint Faber. «Solange die Notenbanken massenhaft Geld drucken, lohnt es sich, Gold zu kaufen.» Bereits vor Jahresfrist stand das Edelmetall auf Fabers Empfehlungsliste. Seither ist der Preis in Schweizer Franken um über 30 Prozent gestiegen. In den nächsten Jahren sei gar eine Verdoppelung möglich.

Optimistisch gestimmt ist der gebürtige Zürcher, der 1973 nach Hongkong auswanderte und seit einigen Jahren in Thailand wohnt, auch für die asiatischen Börsenmärkte: «Hier lassen sich reihenweise erstklassige Aktien mit einer Dividendenrendite von fünf, sechs Prozent finden.» Zudem lägen die asiatischen Indizes im Schnitt noch immer auf dem Niveau von Anfang der neunziger Jahre. Besonders bei der japanischen Börse sieht Faber weiteres Potenzial: «Nach der jahrelangen Deflation gibt es im Land haufenweise Geld, das nirgendwo investiert ist.» Die Haushalte und Finanzinstitute hätten erst zögerlich begonnen, wieder Aktien zu kaufen. Ausserdem gefallen Faber die Märkte von Taiwan und Vietnam.

Beim Ölpreis steige dagegen die Gefahr einer Korrektur. Bei den Aktienmärkten der Erdöl exportierenden Länder, die Faber Anfang 2005 empfohlen hatte, rät er, die dicken Gewinne nun mitzunehmen. Auch der Dollar werde im nächsten Jahr wieder zur Schwäche neigen. Überdies erwartet er einen schmerzhaften Einbruch auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Entsprechend empfiehlt Faber, die Aktien des Hausbausektors leer zu verkaufen.

A la baisse zu spekulieren, könne sich auch beim Kupfer lohnen, wo ein Preiseinbruch von 30 bis 40 Prozent drinliege. Am günstigsten unter den Rohstoffen sei zurzeit das Getreide, namentlich Mais, Soja und Weizen. Allerdings brauche dieses Investment etwas Geduld, weil der Katalysator für einen Höhenflug noch fehle.

Insgesamt, glaubt Faber, würden 2006 die Kursschwankungen an den Börsen
zunehmen. Zurzeit liegt die Volatilität auf dem tiefsten Stand seit Jahren. «Noch sind die Zertifikate auf den Volatilitätsindex günstig zu haben», erklärt Faber, «bei zunehmenden Kursausschlägen lässt sich somit ein hübscher Profit erzielen.»

Fabers Tipps


Long (kaufen): Rohstoffe: Zucker, Silber, Weizen, Uran; Aktien: Swiss Re, iShare MSCI Taiwan (EWT/USA), Six Flags (USA), North American Tungsten (Canada), STEngineering und SIA Engineering (beide Singapur), Suntec Reit, Thai Reinsurance, CP 7-Eleven, Ticon (alle Thailand)

Short (leer verkaufen): Kupfer, Philadelphia Housing Index HGX (USA), 30-jähriger US-Treasury-Bond

Zur Person

Marc Faber

Kein Schweizer Börsenprofi geniesst international eine solche Bekanntheit wie Marc Faber. Rund die Hälfte des Jahres ist er als Berater und Referent auf Reisen. Seinen Ruf erwarb er sich mit der Vorhersage des Börsencrashs von 1987 und dem Platzen der Blase in Japan. Bis 1990 war Faber Direktor von Drexel Burnham Lambert in Hongkong. Der 59-Jährige gibt einen Börsenbrief heraus, ist Buchautor und VR-Mitglied der milliardenschweren Minengesellschaft Ivanhoe Mines.

 

Achterbahn

Alex Hinder setzt vorerst auf steigende Kurse. Doch im späteren Jahresverlauf erwartet er eine markante Korrektur.

Der Kurswechsel der Notenbanken steht im Zentrum des Ausblicks von Alex Hinder. Nachdem diese über Jahre einen expansiven Kurs gefahren sind, ziehen sie die Zinsschraube nun deutlich an. Die US-Zentralbank ist auf diesem Weg bereits weiter fortgeschritten, die Schweiz und Europa folgen nun. «Die Finanzmärkte könnte es 2006 durchaus etwas schütteln», beschreibt der Chief Investment Officer der Bank Leu die Folgen dieser Zinswende.

Die Besitzer von Obligationen haben bereits im laufenden Quartal Verluste erlitten. Hinder erwartet eine Fortsetzung dieser Korrektur und rechnet mit einem Anstieg der Rendite bei den zehnjährigen Schweizer Staatsanleihen auf 2,5 bis 3 Prozent.

Alex Hinder empfiehlt deshalb, den Bond-Anteil im Portfolio zu reduzieren. Eine härtere Zeit erwartet er auch an den Aktienmärkten. Zwar lägen in den kommenden Monaten noch Kursgewinne drin, und der SMI könne sogar den alten Höchststand von knapp 8500 Punkten erreichen. Doch sollte dieser Anstieg für selektive Verkäufe bei riskanteren Titeln, etwa im Small- und Mid-Cap-Segment, genutzt werden. «Wir halten eine Korrektur von 10 bis 15 Prozent im späteren Jahresverlauf für möglich», sagt der Leu-Banker und erinnert daran, dass die gegenwärtige Hausse nun schon fast drei Jahre anhält. Die vorsichtige Haltung von Alex Hinder kontrastiert mit seiner Einschätzung im letztjährigen BILANZ-Outlook: Nur wenige waren damals, als die Stimmung noch viel zurückhaltender war, so ausgesprochen optimistisch wie er – was sich als goldrichtig erwiesen hat.

Eine Punktlandung gelang ihm auch beim Dollar: Während vor zwölf Monaten düstere Szenarien die Runde machten, prognostizierte Hinder eine unmittelbar bevorstehende Trendwende, die auch prompt eintrat. Für 2006 jedoch erwartet er eine erneute Abschwächung des Dollars, in deren Verlauf der letztjährige Tiefststand bei 1.13 Franken wieder getestet werden könnte. Den Hauptgrund sieht Hinder im riesigen Aussenhandelsdefizit und in einer «spürbaren Abschwächung» der amerikanischen Konjunktur: «Da die Zinsen steigen, geraten die verschuldeten US-Haushalte zunehmend unter Druck.» Eine leichte Aufwertung des Frankens erwartet er auch gegenüber dem Euro. Die Schweizer Wirtschaft sei recht gut in Form, deshalb könne unsere Notenbank die Zinsen stärker erhöhen als die Europäische Zentralbank.

Dem Anleger empfiehlt Alex Hinder, genügend Cash in der Hinterhand zu haben: «Die Korrektur an den Märkten führt zu günstigen Einstiegschancen.» Obligationenkäufer dürften sich über höhere Zinsen freuen, und auch manche Aktie sei im Jahresverlauf wieder zu attraktiveren Kursen zu haben.

Hinders Tipps


Aktien: Versicherungswerte Schweiz: Swiss Re, Zurich FS; USA: Leu US Style Equities, Nasdaq 100 Index Stracking Stocks (QQQ); Deutschland: ETF iShare MSCI Germany

Währungen: Kauf von Fr. und € gegen $, Verkauf von Hochzinswährungen wie £ oder ns. $, Kauf von Gold

Zur Person

Alex Hinder

Der Chief Investment Officer der Bank Leu zählt zu den renommiertesten Schweizer Börsenexperten. Alex Hinder (51) übernahm seine Funktion 1999, seit 2001 ist er zudem Mitglied der Geschäftsleitung. Bevor er zur Bank Leu stiess, war er 13 Jahre bei der Bank Vontobel tätig, unter anderem als Chefökonom. Sein wissenschaftliches Rüstzeug holte sich Hinder mit einem Doktorat an der Universität St. Gallen zum Thema «Wechselkursprognosen».

 

Nerven bewahren

René Braginsky erwartet eine Korrektur an der Börse, doch längerfristig ist er für Aktien und Rohstoffe optimistisch.

Einmal mehr hat René Braginsky ein goldenes Händchen bewiesen. Vor Jahresfrist hat der renommierte Investor an dieser Stelle elf Aktien empfohlen. Ihr Wert ist im letzten Jahr um 39,1 Prozent gestiegen, den Schweizer Börsenindex haben sie damit um nicht weniger als fünf Prozent übertroffen. Was neben der tollen Performance dieser elf Titel auffällt: Genau die Unternehmen, welche dieses Jahr in den Übernahmefokus geraten sind, hatte Braginsky schon vor zwölf Monaten auf seine Empfehlungsliste gesetzt, namentlich Leica Geosystems, Saia-Burgess und Inficon, deren Aktienkurs in zwölf Monaten um 104 Prozent geklettert ist. Womit der Investor sein Gespür für attraktiv bewertete Kaufobjekte erneut unter Beweis gestellt hat.

Zwar hat das Übernahmekarussell zuletzt an Schwung verloren, doch 2006 könnten weitere namhafte Firmen den Besitzer wechseln, ist Braginsky überzeugt: «Es gibt noch eine ganze Reihe von unentdeckten Perlen», verrät er in seinem sonoren Baslerdialekt. Namen will er gleichwohl keine nennen, um nicht Trittbrettfahrer auf Aktien zu lotsen, die er selber ins Visier genommen hat. Dafür präsentiert er eine neue Liste mit viel versprechenden Tipps für das kommende Jahr. Darauf figurieren die Namen Actelion, Arbonia-Forster, Georg Fischer, Gurit und Quadrant aus dem Small- und Mid-Cap-Segment sowie der Blue Chip Zurich FS.

Während die kleinen und mittleren Firmen, wie von Braginsky vorausgesagt, in diesem Jahr die Nase vorne hatten, sieht er 2006 eher die Grosskapitalisierten auf der Gewinnerseite. «Die Zeit der leichten Kursgewinne ist allerdings vorbei», fügt er hinzu, «ich erwarte ein ziemlich hektisches Jahr mit erratischen Kursbewegungen.» Vor allem im ersten Quartal bestehe die Gefahr einer grösseren Konsolidierung, in deren Verlauf die Kurse um bis zu zehn Prozent einbrechen könnten. Dieser erste grössere Rückschlag seit Beginn der Hausse vor knapp drei Jahren sei indes als gesunde Bereinigung zu werten. «Ich betrachte das als Einstiegschance, denn für Ende 2006 bin ich wieder optimistisch – mit einem Swiss Market Index in der Nähe von 8000 Punkten.»

Auf den Märkten in Osteuropa und Indien, zu denen René Braginsky seit Jahren eine Affinität besitzt, empfiehlt er nach einem hervorragenden Jahr, nun die Gewinne mitzunehmen. Hingegen traut er der japanischen Börse weiterhin eine Outperformance zu. Ausgesprochen bullish bleibt er zudem für Gold, das er bereits vor Jahresfrist als sein «Steckenpferd» bezeichnet hatte. Seither ist der Goldpreis um 30 Prozent gestiegen. «Das Revival bei den Rohstoffen hat erst begonnen», erklärt Braginsky. Allerdings sei das Segment wegen der höheren Preisausschläge eher dem geübten Anleger zu empfehlen.

Braginskys Tipps


Small und Mid Caps: Actelion (Biotechnologie), Arbonia-Forster (Bauausrüstung), Georg Fischer (Maschinen), Gurit-Heberlein (Kunststoffe), Quadrant (Kunststoffe)

Blue Chips: Zurich FS (Versicherung)

Zur Person

René Braginsky

Mit grosser Treffsicherheit hat René Braginsky (56) unterbewertete Schweizer Traditionsfirmen aufgespürt: Georg Fischer in den achtziger Jahren, die Bâloise in den Neunzigern und zuletzt Sulzer Medica (Centerpulse). Nach einer steilen Karriere bei der Bankgesellschaft, der Bank Vontobel und Sal. Oppenheim gründete der gebürtige Basler seine eigene Finanzboutique, die InCentive Asset Management, die auch den Small- und Mid-Cap-Fonds Asselsa verwaltet.

 

SMI 10 000 im Visier

Henry Wegmann sieht die Börse weiterhin auf der Überholspur. Klar am besten gefällt ihm der Schweizer Aktienmarkt.

Kaum einer war vor Jahresfrist so dezidiert bullish wie Henry Wegmann. «Ein kräftiges Plus» sagte er dem Aktienmarkt voraus. Und genau so ist es gekommen. Wegmann bleibt Optimist: «Der gegenwärtige Zyklus, der geprägt ist von einem freundlichen Aktienumfeld und stark steigenden Kursen, kann noch drei bis fünf Jahre dauern.» Am Ende des Zyklus erwartet er den SMI bis zu 50 Prozent höher, was einem Stand von über 10 000 Punkten entspräche.

Zwar komme es zwischendurch auch zu Korrekturen, meint Wegmann, doch bereits in den nächsten 12 bis 18 Monaten liege beim SMI ein neues Höchst in Reichweite. Die Rekordmarke von 8489 Punkten stammt aus dem Jahr 1998. «Die Aktienquote ist bei vielen Anlegern noch immer ausgesprochen tief», hält der VR-Präsident der Privatbank Ihag und Vontobel-Verwaltungsrat fest, «das gilt besonders für viele Pensionskassen, die in den neunziger Jahren zu spät auf den Börsenboom aufsprangen und dann empfindlich vom Einbruch getroffen wurden.»

Im internationalen Vergleich schwingt für Wegmann die Schweizer Börse klar obenauf. Eine «wahre Fundgrube» sei das, meint der Vollblutbanker, der viele Jahre für die Credit Suisse in Asien tätig war und soeben von einer einmonatigen USA-Reise zurückgekommen ist. «Viele einheimische Firmen sind international führend und strotzen vor Ertragskraft.» Die sechs Schweizer Blue Chips, die er vor Jahresfrist an dieser Stelle empfahl, haben allesamt den Gesamtmarkt übertroffen. Fünf davon – Roche, Nestlé, Zurich FS, die Credit Suisse und Richemont – zählen weiterhin zu seinen Favoriten. Neu hinzu kommen ABB und Givaudan, sowie unter den Mid Caps Lindt & Sprüngli und Nobel Biocare. Statt Einzeltiteln seien auch Fonds oder Indexzertifikate attraktiv.

Etwas skeptischer beurteilt Henry Wegmann zurzeit den amerikanischen Aktienmarkt, zum einen wegen der Verschuldung des Landes, zum andern auf Grund des höheren Zinsniveaus. Die mittlerweile tiefen Bewertungen jedoch eröffneten auch in den USA neues Kurspotenzial. Überzeugt ist er primär von einigen Titeln aus dem in der Schweiz untervertretenen Technologiesektor, beispielsweise Ebay, Google, Qualcomm und Intel. Dem Dollar traut er 2006 einen weiteren Anstieg zu. Fundamental allerdings tendiere die US-Währung weiterhin zur Schwäche.

Positiv dagegen sieht Wegmann, wie schon im letzten Jahr, die japanische Börse. Auf der Empfehlungsliste des ausgewiesenen Japankenners stehen, nach einer guten Performance 2005, erneut Toyota und Canon. Den Autobauer bezeichnet er als Vorzeigemodell einer erfolgreich geführten Produktionsfirma, und Canon sei exemplarisch in Sachen Innovation und Kundennähe.

Wegmanns Tipps


Schweiz: Roche, Nestlé, Zurich FS, Givaudan, Credit Suisse, Richemont, ABB, Nobel Biocare, Lindt & Sprüngli

USA: Merck, Ebay, Google, Qualcomm, Intel

Europa: Ericsson, Suez, Fiat, ST Microelectronic, Japan: Toyota, Canon.

Zur Person

Henry Wegmann

Bei der Credit Suisse leitete Henry Wegmann (54) bis Ende 2003 das Asset-Management für Europa mit einem betreuten Vermögen von 300 Milliarden Franken. Zuvor arbeitete der St. Galler Ökonom viele Jahre in Japan, wo er zum Länderchef der CS aufstieg. Seit 2004 ist Wegmann Präsident der Zürcher Privatbank Ihag, in diesem Jahr wurde er in den VR der Bank Vontobel berufen. Zudem präsidiert er die Handelskammer Schweiz–Japan.

So wird das Jahr 2006 2281108 Gutes Börsenjahr 2006 wünscht schon jetzt  MfG quantas

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quantas:

Fiat flott in Fahrt und AWD Börsentiefflieger

 
15.12.05 09:59

Wie Sergio Marchionne Fiat wieder auf die Räder stellt; AWD als Börsentiefflieger; Private Equity zieht Institutionelle an.

Als Sergio Marchionne im Sommer 2004 bei der Fiat-Gruppe als CEO begonnen hat, war meine Skepsis gross. Nicht dass ich die Führungsqualitäten des 53-Jährigen Italokanadiers in Zweifel gezogen hätte: Er ist ein knallharter Sanierer und hat in der Schweiz bei Algroup sowie SGS Spuren hinterlassen. Vielmehr konnte ich mir nicht vorstellen, dass Marchionne den Fiat-Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen vermöchte. Schliesslich steckte und steckt die Autobranche in Europa und den USA in einer ihrer tiefsten Krisen, und der Turiner Konzern war bereits angezählt.

Doch seit Sergio Marchionne das Lenkrad übernommen hat, gewinnt Fiat wieder an Fahrt. Die Fortschritte über die letzten Monate sind erstaunlich. So kassierte Marchionne nach einer hart geführten Verhandlung über die Scheidung von General Motors eine Abfindung von 1,55 Milliarden Euro. Seinem Geschick ist es zu verdanken, dass ein Bankenkonsortium der Umwandlung eines Kredits von über drei Milliarden Euro in Aktienkapital zustimmte. Auch beim Ertragsverlauf kann Fiat klare Fortschritte vorweisen, was die Ratingagentur Standard & Poor’s dazu veranlasste, ihren Ausblick für Fiat von «negativ» auf «stabil» zu wechseln. Der an der Autoshow in Frankfurt vorgestellte Grande Punto wird von Autojournalisten überwiegend als viel versprechend eingestuft. Und Marchionnes jüngster Coup ist die strategische Partnerschaft mit Ford: Zusammen soll ein Kleinwagen entwickelt werden.


Fiat Auto ist noch nicht über den Berg. Doch die Chancen, dass der italienische Autokonzern aufs Neue zu Grandezza erblüht, waren seit vielen Jahren nicht so gross. Dieser Meinung scheint auch die Börse zu sein, denn die Fiat-Aktien kletterten in den letzten sieben Monaten um mehr als die Hälfte. Ich halte zwar sonst nichts von Autoaktien, doch bei Fiat bietet sich risikofreudigen Investoren einiges an Kurspotenzial – falls Sergio Marchionne den Turiner Autobauer endgültig vom Pannenstreifen zurück auf die Schnellspur bringen kann.

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wolle sich bei AWD wegen möglicher Insidergeschäfte umsehen, habe ich vor einigen Wochen geschrieben. Der Anlass: Firmengründer und Vorstandschef Carsten Maschmeyer hatte im letzten Frühling 7,6 Millionen AWD-Aktien zu einem Stückpreis von 31 Euro verkauft. Heute sind die Papiere ein Drittel billiger zu haben. Das Resultat der BaFin-Suche solle Frank Goldfinger, so hat Konzernsprecher Folkert Mindermann geschrieben, nun auch veröffentlichen. Was ich mit seinen Worten tue: «Das BaFin findet bei AWD nichts.»

Nichts zu finden bei AWD gibt es auch in Sachen Erträge. Im dritten Quartal dieses Jahres ist der Gewinn beim Finanzdienstleister um 98,3 Prozent auf das Pro-forma-Sümmchen von 200 000 Euro eingedampft – was das Management allerdings nicht daran hindert, sich unverdrossen in Optimismus zu üben. Dabei stehen die Zeichen für die Branche der Finanzvermittler nicht allzu gut. In Deutschland ist das Geschäft mit Lebensversicherungen eingebrochen, es droht die Einführung einer Umsatzsteuer auf die bislang abgabefreie Vermittlung von Finanzprodukten, neue EU-Richtlinien dürften das Geschäft zusätzlich erschweren. Überdies geraten die Drücker der Strukturvertriebe selbst unter Druck: Neue Anbieter wie Würth Financial Services vermitteln Finanzprodukte nicht mehr primär auf Provisionsbasis, was ihre Glaubwürdigkeit stärkt.

An Glaubwürdigkeit eingebüsst hat dagegen AWD – bei den Anlegern, wie sich an der Entwicklung des Aktienkurses ablesen lässt. Mein Ratschlag lautet abermals: Lassen Sie die AWD-Titel links liegen!

Private Equity übt eine grosse Faszination auf Investoren aus. So hat jüngst das von George Roberts und Henry Kravis geführte Buy-out-Haus Kohlberg Kravis Roberts, unter dem Kürzel KKR zur Legende geworden, für seinen KKR European Fund II innert kürzester Zeit 4,5 Milliarden Euro gesammelt. Eine unglaubliche Summe – die in den letzten Monaten noch übertroffen wurde von anderen Emissionen. So hat BC Partners für ihr Private-Equity-Vehikel mühelos 5,5 Milliarden Euro zusammengetragen, der britischen Finanzfirma CVC Capital Partners flossen 6 Milliarden zu.

Für fette Kapitalströme sorgen vor allem institutionelle Anleger. Sie lassen sich von den hohen Renditen der führenden Häuser anlocken. Die meisten Engagements der Private-Equity-Investoren werden im Buy-out-Bereich getätigt. Und dort winkten in den letzten Jahren dank vielen unterbewerteten Unternehmen enorme Überschüsse. Doch wie lange lassen sich für Dutzende von Milliarden Euro in Europa überhaupt genügend Investitionsmöglichkeiten finden? Ich wäre nicht überrascht, wenn sich die Finanzhäuser bald einmal wegen unterbewerteter Unternehmen in die Haare geraten und gegenseitig die Preise hochtreiben würden. Dann fielen die Renditen.

Vorderhand allerdings träumen auch Privatanleger von der angeblich enormen Gewinnspanne im Private-Equity-Bereich. Doch dieses Gebiet ist bestbetuchten Kunden vorbehalten: Das Buy-out-Unternehmen Permira beispielsweise verlangt ein Mindestinvestment von 20 Millionen Euro. Wer als Investor nicht derart flüssig ist, muss sich an kleinere Fonds oder die kotierten Aktien von solchen Finanzfirmen halten. Nur können diese bei den Erträgen mit den allerersten Adressen der Private-Equity-Branche nicht mithalten.

Die Skepsis war gross, die Kritik scharf: Zertifikate seien intransparent und unsicher, klagt die Fondsbranche seit Jahren. Mehr Regulationen für Derivate müssten her. Dennoch sind die Anleger heiss auf Zertifikate. Die DWS hat daraus eine Tugend gemacht: Die grösste Fondsgesellschaft Deutschlands will sich dem Markt für strukturierte Produkte öffnen. Dafür holten sie sich Stephan Kunze ins Boot. Der Zertifikatchef von ABN Amro wird bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS neuer Vertriebschef für Europa und Asien und zudem Mitglied der Geschäftsführung. Das nenne ich einen Karriereschritt! Darüber hinaus wird er den Vertrieb strukturierter Produkte leiten. Kunze brachte im Oktober noch zwei weitere Zertifikatexperten von ABN Amro zur DWS, zwei zusätzliche werden im Januar folgen.

Kunze will für «jede Investment-Idee die richtige Verpackung» finden. Ob das auch Derivate sein können? Selber emittieren wird die DWS wohl keine Zertifikate. Das ist zum einen aus juristischen Gründen nicht ganz einfach, und zum anderen würde man sich im eigenen Hause Konkurrenz schaffen. Denn die Deutsche Bank bietet Zertifikate an und ist mit ihrem Derivateteam X-Markets in diesem Bereich in Deutschland führend. Doch allein mit dem Vertrieb von Zertifikaten der Mutter eröffnet sich der DWS ein riesiger Markt. Bei ABN Amro wird derweil das Heulen und Zähneknirschen gross sein. Der Verlust von fünf Zertifikatexperten auf einen Schlag ist bitter, denn diese sind ebenso gefragt wie selten.

Sie merken, worauf ich hinauswill: Gibt es irgendwo viel Geld zu verdienen, dann dreht sich die Meinung in der Branche schneller als der Wind. Kritische Worte über Zertifikate werden Sie und ich in Zukunft wohl seltener hören.

So wird das Jahr 2006 2281394quantas

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