Lehren aus London
So wird das Depot krisenfest
Die Terroranschläge in London haben gezeigt, wie schnell Gewinne unter den Fingern zerrinnen. Wer keine böse Überraschungen erleben will, sollte sein Depot per Stop-Loss-Order absichern.
Börsianer konnten sich in den vergangenen Wochen über satte Gewinne freuen. Am 7. Juli rutschten jedoch viele Depots ins Minus, weil deren Besitzer jegliche Risikoabsicherung vergessen hatten. Eine der häufigsten Anfängerfehler ist es, einfach zuzuschauen, wie die einmal erzielten Gewinne abschmelzen.
Statt ihren Profit zu sichern oder Verluste zu begrenzen, verlassen sich viele auf das Hoffnungsprinzip. Aus unerklärlichen Gründen sind Anleger bereit, ihrer Lieblingsaktie Kursrückgänge zuzugestehen. Das kann aber gerade bei Krisen wie der jüngsten viel Geld kosten. Wer einigermaßen gut schlafen will, sollte vorbeugen und sein Depot absichern.
Das einzig wirksame Gegenmittel ist, beim Kursverfall eine Grenze zu ziehen. Wird sie überschritten, ist es vorbei mit der Toleranz: Das Papier wird gnadenlos verkauft! In der Mehrzahl der Fälle erweist sich der Nutzen der Stop-Loss-Order. „Stopps“ sind eine Art Versicherung, die allerdings ihren Preis hat.
Unterschreitet der Kurs ein bestimmtes Limit, wird die Stop-Loss-Order ausgelöst und das Papier automatisch verkauft.
Egal, wie toll die Aktien sind, die man im Depot hat – grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit, dass der Kurs in den Keller geht. Das kann ganz plötzlich geschehen oder – weit tückischer – schleichend. Das Einzige, was einen dann vor Gewinnminderungen oder gar Verlusten bewahrt, ist das Festlegen einer Grenze: „Bis hierhin bin ich bereit, die Talfahrt der Aktie hinzunehmen.“ Das sichert zwar nicht den gesamten Gewinn, doch immerhin den größten Teil – je nachdem, wie eng das Limit gesetzt wird.
Wie geht das?
Ein Beispiel:
Ihre Aktie steht bei 74 Euro, gekauft haben Sie zum Kurs von 50. Um Ihren Gewinn zu sichern, erteilen Sie einen Stop-Loss-Auftrag bei 70 Euro (das so genannte Stop-Loss-Limit). Bleibt der Kurs über diesem Wert, passiert gar nichts. Fällt aber der Kurs auf 70 Euro oder gar tiefer, wird der Stop-Loss-Auftrag ausgelöst. Damit wird die Aktie auf dem Markt „bestens“ zum Verkauf freigegeben. Welchen Verkaufspreis sie schließlich erzielt, hängt davon ab, zu welchem Kurs der nächste Umsatz ausfällt. Der kann gerade bei einem Börsencrash niedriger, aber auch höher als 70 Euro sein.
Risiko:
Wird man ausgestoppt, kann es sein, dass die Aktie deutlich unter dem Stop-Loss-Limit weggeht.
Es kann Folgendes passieren: Der Kurs fällt von 74 Euro auf 70 (Ihrem Stop-Loss-Limit). Dadurch wird zunächst nur der Stopp bei 70 ausgelöst und der Verkaufsauftrag wirksam. Da der Kurs an diesem Tag rasch sinkt, wird die Aktie schließlich zu einem Preis von 67 Euro verkauft, also deutlich unter Ihrer Stop-Loss-Order.
Weit ärgerlicher ist eine andere Möglichkeit: Bei sehr volatilen Aktien (das sind solche, deren Tageskurs stark schwankt) zuckt der Kurs einmal kurz nach unten, löst die Stop-Loss-Order aus – um danach wieder hochzuschießen. Und Sie sind nicht mehr dabei ...
Strategie 1:
Wer sein Plus auf keinen Fall wieder hergeben will, sollte seine Stopps so setzen, dass die Aktie verkauft wird, wenn der Kurs aus dem Trendkanal ausbricht.
Es empfehlen sich nachziehende Stop-Loss-Orders. Wenn der Kurs steigt, wird das Limit entsprechend angehoben. Bildet sich zwischendurch ein neues Tief, ändert man den Stopp und legt das neue Limit unter dieses Tief. Steigt der Kurs danach wieder, ist alles in Butter. Setzt sich dagegen die Abwärtsbewegung fort, greift kurz darauf die Stop-Loss-Order und die Aktie wird verkauft.
Vorteil:
Der bisher erzielte Gewinn wird weitestgehend gesichert. Wird der Stopp ausgelöst, braucht man erfahrungsgemäß nur fünf bis acht Prozent seines Profits wieder herauszugeben.
Nachteil:
Verlässt der Kurs nur kurzfristig seinen Trendkanal, ist man ausgestoppt und aus dem Rennen geworfen. Um das zu vermeiden, sollten Sie unbedingt die normalen Tagesschwankungen Ihrer Aktie berücksichtigen.
Strategie 2:
Die Stop-Loss-Order wird etwa fünf Prozent unter das letzte markante Tief gesetzt.
Wer bereit ist, vorübergehende Talfahrten seiner Aktie hinzunehmen und vor allem langfristig Gewinn machen will, dem empfiehlt sich diese Methode: den Stopp knapp unter das letzte markante Tief zu setzen.
Strategie 3:
Die Stopps werden unter der 100-Tage-Durchschnittslinie platziert und entsprechend nachgezogen.
Wenn der Aktienkurs oberhalb der 100-Tages-Linie verläuft, kann man die Stop-Loss-Order etwas darunter setzen. Die Order wird regelmäßig nachgezogen.
Vorteil:
Man wird nicht so leicht ausgestoppt
Selbstdiziplin:
Wer vier Regeln beachtet, erspart sich viel Ärger. Die vier Regeln für selbstdisziplinierte Anleger:
§1. Regel: Stop-Loss gleich festlegen
Gleich nach dem Kauf Kurs nach unten mit einer Stop-Loss-Order absichern!
Das passiert selbst alten Hasen: Man kauft eine Aktie, die bislang gut gelaufen ist – und kurz danach geht sie in den Keller. Wer nicht rechtzeitig reagiert, steht plötzlich mit einem dicken, fetten Verlust da, der einem erst mal die Freude am Aktienhandel nimmt. Auch hier ist die Stop-Loss-Order unerlässlich. Entscheiden Sie schon vor dem Kauf, wie viel Verlust Sie notfalls hinnehmen wollen.
§2. Regel: der richtige Abstand
Stop-Loss-Limit nicht zu nah am aktuellen Kurs
Unbedingt Tagesschwankungen berücksichtigen!
§3. Regel: Limits nachziehen
Bei steigendem Kurs Stop-Loss-Limits nachziehen!
Achtung! Die Verlustbremse ist nicht umsonst. Einige Banken verlangen entsprechende Gebühren.
§4. Regel: Stopps nicht herabsetzen
Bei fallendem Kurs auf keinen Fall Stop-Loss-Limits herabsetzen!
Fällt der Kurs einer Aktie, die sich in der Vergangenheit gut entwickelt hat, kommt man leicht in die Versuchung, das bisherige Stop-Loss-Limit aufzuheben. Man glaubt nach wie vor an die Qualität seiner Lieblingsaktie und sträubt sich dagegen, aus dem Rennen zu fliegen. Also legt man den Stopp tiefer oder cancelt gar die Order. Das hat meist böse Folgen: In 80 bis 90 Prozent aller Fälle – so lehrt die Erfahrung – handelt man sich damit einen noch viel größeren Verlust ein, weil die Aktie tiefer fällt, als man glaubt.
Stop-Buy-Order
Das Gegenteil der Stop-Loss- ist die Stop-buy-Order. Der Anleger will von einer Aufwährtsbewegung der Kurse profitieren.
Bei einer Stop-Buy-Order wird ein Wertpapier gekauft, sobald der Kurs eine bestimmte Grenze überschritten hat. Häufiges Motiv: Ein Anleger will erst dann eine Aktie kaufen, wenn sie vom Markt entdeckt worden ist oder das Wertpapier einen technischen Widerstand durchbrochen hat. Übrigens, diese Orders sind in Deutschland erst seit 1989 erlaubt.
Stop-Buy ist etwas irreführend, besser wäre wohl der Name Start-Buy.
Quelle: focus.de
...be invested
Der Einsame Samariter
So wird das Depot krisenfest
Die Terroranschläge in London haben gezeigt, wie schnell Gewinne unter den Fingern zerrinnen. Wer keine böse Überraschungen erleben will, sollte sein Depot per Stop-Loss-Order absichern.
Börsianer konnten sich in den vergangenen Wochen über satte Gewinne freuen. Am 7. Juli rutschten jedoch viele Depots ins Minus, weil deren Besitzer jegliche Risikoabsicherung vergessen hatten. Eine der häufigsten Anfängerfehler ist es, einfach zuzuschauen, wie die einmal erzielten Gewinne abschmelzen.
Statt ihren Profit zu sichern oder Verluste zu begrenzen, verlassen sich viele auf das Hoffnungsprinzip. Aus unerklärlichen Gründen sind Anleger bereit, ihrer Lieblingsaktie Kursrückgänge zuzugestehen. Das kann aber gerade bei Krisen wie der jüngsten viel Geld kosten. Wer einigermaßen gut schlafen will, sollte vorbeugen und sein Depot absichern.
Das einzig wirksame Gegenmittel ist, beim Kursverfall eine Grenze zu ziehen. Wird sie überschritten, ist es vorbei mit der Toleranz: Das Papier wird gnadenlos verkauft! In der Mehrzahl der Fälle erweist sich der Nutzen der Stop-Loss-Order. „Stopps“ sind eine Art Versicherung, die allerdings ihren Preis hat.
Unterschreitet der Kurs ein bestimmtes Limit, wird die Stop-Loss-Order ausgelöst und das Papier automatisch verkauft.
Egal, wie toll die Aktien sind, die man im Depot hat – grundsätzlich besteht immer die Möglichkeit, dass der Kurs in den Keller geht. Das kann ganz plötzlich geschehen oder – weit tückischer – schleichend. Das Einzige, was einen dann vor Gewinnminderungen oder gar Verlusten bewahrt, ist das Festlegen einer Grenze: „Bis hierhin bin ich bereit, die Talfahrt der Aktie hinzunehmen.“ Das sichert zwar nicht den gesamten Gewinn, doch immerhin den größten Teil – je nachdem, wie eng das Limit gesetzt wird.
Wie geht das?
Ein Beispiel:
Ihre Aktie steht bei 74 Euro, gekauft haben Sie zum Kurs von 50. Um Ihren Gewinn zu sichern, erteilen Sie einen Stop-Loss-Auftrag bei 70 Euro (das so genannte Stop-Loss-Limit). Bleibt der Kurs über diesem Wert, passiert gar nichts. Fällt aber der Kurs auf 70 Euro oder gar tiefer, wird der Stop-Loss-Auftrag ausgelöst. Damit wird die Aktie auf dem Markt „bestens“ zum Verkauf freigegeben. Welchen Verkaufspreis sie schließlich erzielt, hängt davon ab, zu welchem Kurs der nächste Umsatz ausfällt. Der kann gerade bei einem Börsencrash niedriger, aber auch höher als 70 Euro sein.
Risiko:
Wird man ausgestoppt, kann es sein, dass die Aktie deutlich unter dem Stop-Loss-Limit weggeht.
Es kann Folgendes passieren: Der Kurs fällt von 74 Euro auf 70 (Ihrem Stop-Loss-Limit). Dadurch wird zunächst nur der Stopp bei 70 ausgelöst und der Verkaufsauftrag wirksam. Da der Kurs an diesem Tag rasch sinkt, wird die Aktie schließlich zu einem Preis von 67 Euro verkauft, also deutlich unter Ihrer Stop-Loss-Order.
Weit ärgerlicher ist eine andere Möglichkeit: Bei sehr volatilen Aktien (das sind solche, deren Tageskurs stark schwankt) zuckt der Kurs einmal kurz nach unten, löst die Stop-Loss-Order aus – um danach wieder hochzuschießen. Und Sie sind nicht mehr dabei ...
Strategie 1:
Wer sein Plus auf keinen Fall wieder hergeben will, sollte seine Stopps so setzen, dass die Aktie verkauft wird, wenn der Kurs aus dem Trendkanal ausbricht.Es empfehlen sich nachziehende Stop-Loss-Orders. Wenn der Kurs steigt, wird das Limit entsprechend angehoben. Bildet sich zwischendurch ein neues Tief, ändert man den Stopp und legt das neue Limit unter dieses Tief. Steigt der Kurs danach wieder, ist alles in Butter. Setzt sich dagegen die Abwärtsbewegung fort, greift kurz darauf die Stop-Loss-Order und die Aktie wird verkauft.
Vorteil:
Der bisher erzielte Gewinn wird weitestgehend gesichert. Wird der Stopp ausgelöst, braucht man erfahrungsgemäß nur fünf bis acht Prozent seines Profits wieder herauszugeben.
Nachteil:
Verlässt der Kurs nur kurzfristig seinen Trendkanal, ist man ausgestoppt und aus dem Rennen geworfen. Um das zu vermeiden, sollten Sie unbedingt die normalen Tagesschwankungen Ihrer Aktie berücksichtigen.
Strategie 2:
Die Stop-Loss-Order wird etwa fünf Prozent unter das letzte markante Tief gesetzt.Wer bereit ist, vorübergehende Talfahrten seiner Aktie hinzunehmen und vor allem langfristig Gewinn machen will, dem empfiehlt sich diese Methode: den Stopp knapp unter das letzte markante Tief zu setzen.
Strategie 3:
Die Stopps werden unter der 100-Tage-Durchschnittslinie platziert und entsprechend nachgezogen.Wenn der Aktienkurs oberhalb der 100-Tages-Linie verläuft, kann man die Stop-Loss-Order etwas darunter setzen. Die Order wird regelmäßig nachgezogen.
Vorteil:
Man wird nicht so leicht ausgestoppt
Selbstdiziplin:
Wer vier Regeln beachtet, erspart sich viel Ärger. Die vier Regeln für selbstdisziplinierte Anleger:
§1. Regel: Stop-Loss gleich festlegen
Gleich nach dem Kauf Kurs nach unten mit einer Stop-Loss-Order absichern!
Das passiert selbst alten Hasen: Man kauft eine Aktie, die bislang gut gelaufen ist – und kurz danach geht sie in den Keller. Wer nicht rechtzeitig reagiert, steht plötzlich mit einem dicken, fetten Verlust da, der einem erst mal die Freude am Aktienhandel nimmt. Auch hier ist die Stop-Loss-Order unerlässlich. Entscheiden Sie schon vor dem Kauf, wie viel Verlust Sie notfalls hinnehmen wollen.
§2. Regel: der richtige Abstand
Stop-Loss-Limit nicht zu nah am aktuellen Kurs
Unbedingt Tagesschwankungen berücksichtigen!
§3. Regel: Limits nachziehen
Bei steigendem Kurs Stop-Loss-Limits nachziehen!
Achtung! Die Verlustbremse ist nicht umsonst. Einige Banken verlangen entsprechende Gebühren.
§4. Regel: Stopps nicht herabsetzen
Bei fallendem Kurs auf keinen Fall Stop-Loss-Limits herabsetzen!
Fällt der Kurs einer Aktie, die sich in der Vergangenheit gut entwickelt hat, kommt man leicht in die Versuchung, das bisherige Stop-Loss-Limit aufzuheben. Man glaubt nach wie vor an die Qualität seiner Lieblingsaktie und sträubt sich dagegen, aus dem Rennen zu fliegen. Also legt man den Stopp tiefer oder cancelt gar die Order. Das hat meist böse Folgen: In 80 bis 90 Prozent aller Fälle – so lehrt die Erfahrung – handelt man sich damit einen noch viel größeren Verlust ein, weil die Aktie tiefer fällt, als man glaubt.
Stop-Buy-Order
Das Gegenteil der Stop-Loss- ist die Stop-buy-Order. Der Anleger will von einer Aufwährtsbewegung der Kurse profitieren.
Bei einer Stop-Buy-Order wird ein Wertpapier gekauft, sobald der Kurs eine bestimmte Grenze überschritten hat. Häufiges Motiv: Ein Anleger will erst dann eine Aktie kaufen, wenn sie vom Markt entdeckt worden ist oder das Wertpapier einen technischen Widerstand durchbrochen hat. Übrigens, diese Orders sind in Deutschland erst seit 1989 erlaubt.
Stop-Buy ist etwas irreführend, besser wäre wohl der Name Start-Buy.
Quelle: focus.de
...be invested
Der Einsame Samariter
