Meine Brüder im Kriege! Ich liebe Euch von Grund aus, ich bin und war euresgleichen.
Ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen. Und den kurzen Frieden mehr als den langen. Euch rate ich nicht zur Arbeit, sondern zum Kampfe. Euch rate ich nicht zum Frieden, sondern zum Siege. Ihr sagt, die gute Sache sei die, die sogar den Krieg heilige. Ich sage Euch: der gute Krieg ist es, der die Sache heiligt. Der Krieg und der Mut haben mehr große Dinge getan als die Nächstenliebe. Nicht eurer Mitleiden, sondern eure Tapferkeit rettete bisher die Verunglückten. Was liegt am Lang-Leben? Welcher Krieger will geschont sein? Ich schone euch nicht, ich liebe euch von Grund aus, meine Brüder im Kriege! – Also sprach Zarathustra.
Will man einen Freund haben, so muß man auch für ihn Kriege führen wollen: und um Kriege zu führen, muß man Feind sein können. Also zu sterben ist das Beste; das zweite aber ist: im Kampfe zu sterben und eine große Seele zu verschwenden. So treibts den Hammer hin zum Steine. Nun wütet mein Hammer grausam gegen sein Gefängnis. Vom Steine stäuben Stücke: was schiert mich das? Schaut, meine Brüder! Was gehen mich noch – die Götter an! – Also sprach Zarathustra.
Der Geist der Rache: meine Freunde, das war bisher der Menschen bestes Nachdenken: und wo Leid war, da sollte immer Strafe sein! Sittlich sind die Dinge geordnet nach Recht und Strafe. Und wahrlich ihr Guten und Gerechten! An euch ist viel zum Lachen. Mut ist der beste Totschläger – Mut, welcher angreift: denn in jedem Angriffe ist klingendes Spiel. Soviel Gutes so viel Schwäche sehe ich, soviel Gerechtigkeit und Mitleiden. Dies aber ist Feigheit. Überallhin, wo es klein und krank und grindig ist, kriechen sie gleich Läusen; und nur mein Ekel hindert mich, sie zu knacken.
Oh gesegnete Stunde des Blitzes! Laufende Feuer will ich einst noch aus ihnen machen und Verkünder mit Flamen-Zungen: - Er kommt, er ist nahe, der große Mittag! Also sprach Zarathustra.
Ich sehe nichts, - ich höre um so mehr.
Es scheint mir, daß man lügt.
Die Schwäche soll zum Verdienst umgelogen werden
und die Ohnmacht, die nicht vergilt, zur Güte;
die ängstliche Niedrigkeit, zur Demut;
die Unterwerfung vor denen, die man haßt, zum Gehorsam.
Das Unoffensive des Schwachen, die Feigheit selbst,
an der er reich ist, sein An-der-Tür-Stehen, sein Warten-müssen
kommt hier zu einem guten Namen, als Geduld;
das sich-nicht-rächen-Können heißt sich-nicht-rächen-Wollen,
vielleicht selbst, - Verzeihung.
Auch redet man von der Liebe zu seinen Feinden – und schwitzt dabei.
Aber genug! Genug! Ich halte es nicht aus. Schlechte Luft!
Diese Werkstätte, wo man Ideale fabriziert – mich dünkt,
sie stinkt vor lauter Lügen.