Tech-Titel haben ihren Zenit schon überschritten
Strategen warnen vor Überbewertung - Titel mit niedrigem Sentiment haben derzeit die besten Chancen
von Michael Fabricius und Holger Zschäpitz
Berlin - Die Börse hat gerade etwas Fahrt aufgenommen, da läuft der Motor an einigen Stellen schon wieder heiß. Zwar spricht immer noch eine große Mehrheit der Investoren und Analysten davon, dass die Aktien generell unterbewertet seien. Doch in einigen Branchen stellt sich nach und nach heraus, dass die positive Erwartung schon wieder in den Kursen eingepreist ist, die Unternehmensgewinne aber leider nach wie vor nicht halten, was eben diese Kurse versprechen. Vor allem im Technologie-Segment meinen Experten zu beobachten, dass die Aktienkurse und damit auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) schon über das Ziel hinaus geschossen sind.
So warnte etwa Richard Bernstein, Investmentstratege bei der US-Investmentbank Merrill Lynch, in der vergangenen Woche, die Technologiebranche sei "krass überbewertet". Die Wachstumsaussichten seien wegen nachhaltig, da immer noch hohe Überkapazitäten bestünden - auch bedingt durch eine konjunkturbedingt schwache Nachfrage. Und bei Invesco Management steht in der generellen Sektoreinschätzung hinter "Datenverarbeitung" (beispielsweise IBM) nur noch ein "neutral", "elektronische Komponenten" (u. a. Chiphersteller) tragen ein Minus, "Telekom"-Titel sogar ein doppeltes Minus.
Auch Einzelbeispiele aus anderen Wachstumsbranchen zeigen, dass einige Anleger trotz des generell schwachen Marktumfelds wieder die schönsten Zukunftsfantasien hegen. Das Online-Auktionshaus etwa legte jüngst einen derartigen Kurssprung hin, dass das KGV mittlerweile 70 beträgt. Der S&P 500-Durchschnitt liegt lediglich etwa bei 17. Ebay kostet an der Börse abzüglich der Nettoguthaben von 2,2 Mrd. Dollar derzeit 27 Mrd. Dollar. Dabei beträgt der Jahresumsatz nicht einmal ein Zehntel davon.
Den absoluten KGV-Rekord im DJ Euro Stoxx-50 hält indes der Pharmakonzern Bayer mit aktuell 155 Punkten. Während das 2002 geschrumpfte operative Ergebnis den Nenner in der Bruchrechnung verkleinerte, legte der Aktienkurs innerhalb von vier Wochen um fast 50 Prozent zu. Doch damit ist der Titel nicht zwangsläufig überbewertet. Denn die Mehrheit der Strategen hält das KGV nicht für ein geeignetes Instrument, um die Chancen eines künftigen Kursanstiegs zu bemessen. "Das KGV als Messinstrument ist nicht ganz unproblematisch, da dem die aktuellen Bilanzdaten zugrunde liegen. Die Gewinne der kommenden Jahre werden ausgeblendet", sagt Gerald Rössler, Portfolio-Manager bei Invesco Management. Andere Experten bemängeln, dass hohe Gewinnschwankungen - etwa durch Abschreibungseffekte - den Wert verzerren. Und komme ein Verlust zustande, sei die Zahl gänzlich wertlos.
So könnte das hohe KGV von 155 bei Bayer also in die Irre führen, da künftige Gewinne einerseits den Wert schnell wieder senken würden und andererseits zusätzlich die Stimmung für die Aktie verbessern. Bei Ebay indes könnte genau das Gegenteil eintreten: Die Analysten erwarten künftig einen sinkenden Gewinnzuwachs, da die Zahl der Auktionsteilnehmer kaum noch nennenswert steigen kann. Gleichzeitig ist die Ebay-Aktienstimmung schon hoch, hat also nur noch wenig Spielraum nach oben.
"Die Bewertung einer Aktie spielt zwar eine zentrale Rolle, aber gerade die vergangenen Jahre haben doch gezeigt, dass Psychologie und Stimmung den Markt entscheidend mit beeinflussen", sagt Hendrik Garz, Aktienstratege bei WestLB Panmure. Kleinanleger können sich im Dschungel aus Bewertungskennzahlen und Psycho-Faktoren an einer einfachen Investment-Matrix orientieren (siehe Grafik): Titel wie Bayer haben ein hohes KGV, aber ein niedriges Sentiment. Hier besteht die Chance auf Kurssteigerung durch höhere Gewinne. Und während Finanztitel wie Allianz oder Citibank noch niedrig bewertet sind, sich aber auf ein besseres Stimmungsfeld zubewegen, sind bei einigen Tech- oder Wachstumstiteln sowohl KGV als auch Stimmung fast auf einen Hoch. Hier ist die Gefahr von Kursrückschlägen am größten.
Die Kür besteht für Profi-Anleger indes in der Ermittlung des "Discounted Cash Flow" (DCF). Dabei wird zunächst der für die kommenden Jahre erwartete Cash-Flow weiter in die Zukunft projiziert. Der Durchschnittsbetrag wird dann mit einem Zinssatz von beispielsweise vier Prozent auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Auf diese Weise erhält man den aktuellen Wert des Unternehmens. "Die DCF-Methode ist die fairste und sauberste Vorgehensweise", sagt WestLB-Stratege Garz.
Strategen warnen vor Überbewertung - Titel mit niedrigem Sentiment haben derzeit die besten Chancen
von Michael Fabricius und Holger Zschäpitz
Berlin - Die Börse hat gerade etwas Fahrt aufgenommen, da läuft der Motor an einigen Stellen schon wieder heiß. Zwar spricht immer noch eine große Mehrheit der Investoren und Analysten davon, dass die Aktien generell unterbewertet seien. Doch in einigen Branchen stellt sich nach und nach heraus, dass die positive Erwartung schon wieder in den Kursen eingepreist ist, die Unternehmensgewinne aber leider nach wie vor nicht halten, was eben diese Kurse versprechen. Vor allem im Technologie-Segment meinen Experten zu beobachten, dass die Aktienkurse und damit auch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) schon über das Ziel hinaus geschossen sind.
So warnte etwa Richard Bernstein, Investmentstratege bei der US-Investmentbank Merrill Lynch, in der vergangenen Woche, die Technologiebranche sei "krass überbewertet". Die Wachstumsaussichten seien wegen nachhaltig, da immer noch hohe Überkapazitäten bestünden - auch bedingt durch eine konjunkturbedingt schwache Nachfrage. Und bei Invesco Management steht in der generellen Sektoreinschätzung hinter "Datenverarbeitung" (beispielsweise IBM) nur noch ein "neutral", "elektronische Komponenten" (u. a. Chiphersteller) tragen ein Minus, "Telekom"-Titel sogar ein doppeltes Minus.
Auch Einzelbeispiele aus anderen Wachstumsbranchen zeigen, dass einige Anleger trotz des generell schwachen Marktumfelds wieder die schönsten Zukunftsfantasien hegen. Das Online-Auktionshaus etwa legte jüngst einen derartigen Kurssprung hin, dass das KGV mittlerweile 70 beträgt. Der S&P 500-Durchschnitt liegt lediglich etwa bei 17. Ebay kostet an der Börse abzüglich der Nettoguthaben von 2,2 Mrd. Dollar derzeit 27 Mrd. Dollar. Dabei beträgt der Jahresumsatz nicht einmal ein Zehntel davon.
Den absoluten KGV-Rekord im DJ Euro Stoxx-50 hält indes der Pharmakonzern Bayer mit aktuell 155 Punkten. Während das 2002 geschrumpfte operative Ergebnis den Nenner in der Bruchrechnung verkleinerte, legte der Aktienkurs innerhalb von vier Wochen um fast 50 Prozent zu. Doch damit ist der Titel nicht zwangsläufig überbewertet. Denn die Mehrheit der Strategen hält das KGV nicht für ein geeignetes Instrument, um die Chancen eines künftigen Kursanstiegs zu bemessen. "Das KGV als Messinstrument ist nicht ganz unproblematisch, da dem die aktuellen Bilanzdaten zugrunde liegen. Die Gewinne der kommenden Jahre werden ausgeblendet", sagt Gerald Rössler, Portfolio-Manager bei Invesco Management. Andere Experten bemängeln, dass hohe Gewinnschwankungen - etwa durch Abschreibungseffekte - den Wert verzerren. Und komme ein Verlust zustande, sei die Zahl gänzlich wertlos.
So könnte das hohe KGV von 155 bei Bayer also in die Irre führen, da künftige Gewinne einerseits den Wert schnell wieder senken würden und andererseits zusätzlich die Stimmung für die Aktie verbessern. Bei Ebay indes könnte genau das Gegenteil eintreten: Die Analysten erwarten künftig einen sinkenden Gewinnzuwachs, da die Zahl der Auktionsteilnehmer kaum noch nennenswert steigen kann. Gleichzeitig ist die Ebay-Aktienstimmung schon hoch, hat also nur noch wenig Spielraum nach oben.
"Die Bewertung einer Aktie spielt zwar eine zentrale Rolle, aber gerade die vergangenen Jahre haben doch gezeigt, dass Psychologie und Stimmung den Markt entscheidend mit beeinflussen", sagt Hendrik Garz, Aktienstratege bei WestLB Panmure. Kleinanleger können sich im Dschungel aus Bewertungskennzahlen und Psycho-Faktoren an einer einfachen Investment-Matrix orientieren (siehe Grafik): Titel wie Bayer haben ein hohes KGV, aber ein niedriges Sentiment. Hier besteht die Chance auf Kurssteigerung durch höhere Gewinne. Und während Finanztitel wie Allianz oder Citibank noch niedrig bewertet sind, sich aber auf ein besseres Stimmungsfeld zubewegen, sind bei einigen Tech- oder Wachstumstiteln sowohl KGV als auch Stimmung fast auf einen Hoch. Hier ist die Gefahr von Kursrückschlägen am größten.
Die Kür besteht für Profi-Anleger indes in der Ermittlung des "Discounted Cash Flow" (DCF). Dabei wird zunächst der für die kommenden Jahre erwartete Cash-Flow weiter in die Zukunft projiziert. Der Durchschnittsbetrag wird dann mit einem Zinssatz von beispielsweise vier Prozent auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Auf diese Weise erhält man den aktuellen Wert des Unternehmens. "Die DCF-Methode ist die fairste und sauberste Vorgehensweise", sagt WestLB-Stratege Garz.