05.12.2010 17:24 UhrUS-Notenbank:
Bernanke erwägt weitere Geldspritzen
Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, will die schwächelnde US-Wirtschaft um jeden Preis stützen. Er schreckt nicht davor zurück, die Druckerpresse anzuwerfen. Im Rest der Welt führt das zu heftiger Kritik. Doch Bernanke lässt sich nicht beirren - und deutet an, dass die US-Notenbank bald weitere Milliarden in die Märkte pumpen könnte.
Was plant Ben Bernanke? In einem Interview deutete er an, dass er weitere geldpolitische Lockerung nicht ausschließt. Quelle: Reuters
WASHINGTON. US-Notenbankchef Ben Bernanke schließt laut einem Bericht des US-Senders CBS eine weitere geldpolitische Lockerung nicht aus - trotz weltweiter Kritik am bisher letzten Fed - Programm. Dies geht aus einem Interview hervor, das CBS am Sonntagabend ausstrahlen wollte. Wie der TV-Sender vorab mitteilte, verteidigt Bernanke darin erneut die Entscheidung der Federal Reserve (Fed) vom Vormonat, Staatsanleihen im Umfang von 600 Milliarden Dollar zu kaufen und erläutert, warum er "den Erwerb von mehr nicht ausschließt".
Derartige Manöver, bei denen sich die Zentralbank das Geld für ihre Einkäufe quasi selbst druckt, werden als "Quantitative Lockerung" bezeichnet. Ziel ist es, die Kreditzinsen zu senken und so die Nachfrage anzukurbeln. Gegner befürchten unter anderem langfristig eine ausufernde Inflation, das Befördern neuer Preisblasen und eine Verschärfung der weltweiten Währungsungleichgewichte. Andere bezweifeln, dass dieses geldpolitische Mittel die Konjunktur wirksam ankurbelt.
Zu den Kritikern des Fed-Schritts vom November gehörte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der die Ergebnisse früherer massiver Geldspritzen der Notenbank als "trostlos" bezeichnete. Die Fed hatte im Kampf gegen die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise bereits für rund 1,7 Billionen Dollar Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Papiere gekauft. Dieses Programm war im März dieses Jahres ausgelaufen.
Bernanke hatte die Zukäufe längerlaufender Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar über acht Monate im November wiederholt als notwendig verteidigt, um die ins Stocken geratene Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft voranzubringen und die Arbeitsmarktlage zu verbessern. Befürchtungen eines verstärkten Preisauftriebs wies er unter anderem mit dem Argument zurück, dass die Einsetzung des Instruments in der Vergangenheit nicht zu höherer Inflation geführt habe. Die Fed verfüge über die nötigen Werkzeuge, die zusätzliche Liquidität "zur angemessenen Zeit" wieder abzuschöpfen.
Das Interview für die Sendung "60 Minutes" wurde bereits am 30. November aufgezeichnet - also vor der Veröffentlichung der jüngsten Statistiken vom Freitag: Entgegen der Erwartung von Fachleuten war die Arbeitslosigkeit im November auf 9,8 Prozent geklettert - so hoch wie seit April nicht mehr. Im Oktober lag die Quote noch bei 9,6 Prozent.
Laut CBS äußerte sich Bernanke in dem Interview zu "einer Reihe drängender Wirtschaftsfragen", so auch zum riesigen US-Defizit und einer Reform des Steuersystems
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