Silicon Sensor AG (WKN
720190), der Berliner Hersteller von technisch höchst anspruchsvollen Sensoren, hat in der Vergangenheit eine sehr schöne Performance hingelegt. Lag das EBIT im Jahr 2001 bei 0,6 Mio. Euro, so hat es im vergangenen Jahr einen Wert von 2,2 Mio. Euro erreicht. Dieser Ergebnissprung kam sehr überraschend, war doch der Umsatz von 2003 auf 2004 nur um 1,9 Mio. Euro gewachsen. Dieser außergewöhnliche Ergebnissatz hat jedoch der Financial Community aufgezeigt, welche Skaleneffekte im Geschäftsmodell von Silicon Sensor liegen. Für das Jahr 2005 hatte sich Silicon im angestammten Geschäft eine Wachstumspause verordnet;
mit der Übernahme der Dresdner MPD GmbH wächst das Unternehmen jedoch in andere Dimensionen, da der Umsatz in 2006 ca. 30 Mio. Euro betragen wird und sich damit fast verdoppeln wird. Fragen an den CFO, Herrn Dr. Hans-Georg Giering, zu den mittelfristigen Perspektiven des Unternehmens.
Herr Dr.Giering, warum wird die MPD in der Branche gemeinhin als "Juwel" betrachtet?
Dr. Giering: Die Microelectronic Packaging Dresden wird als Juwel betrachtet, weil sie über modernste Produktionsanlagen und sehr qualifiziertes Personal verfügt. Darüber hinaus ist die MPD ein stark wachsenden Unternehmen im qualitativ hochwertigen Großserien-Packaging und im Bereich der elektronischen Modulfertigung und hat sich in den 10 Jahren ihres Bestehens einen sehr guten Ruf bei über 150 großen Kunden erarbeitet hat. Die MPD setzt auf eine stringente Kundenbindung und steht ihren Kunden mit ihrem spezifischen Know How 7 Tage die Woche 24 Stunden zur Verfügung. Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre hat die MPD ein beeindruckendes Wachstumstempo von über 20 % pro Jahr erreicht. Dieses Wachstum wird sich aus unserer Sicht in den nächsten Jahren eher noch verstärken, da unsere gemeinsamen Automobilprojekte ab 2007 anlaufen. Für Silicon Sensor erhöht sich durch die Akquisition der MPD die Bedeutung, die wir bei unseren Kunden aus dem Bereich des Automobilgeschäftes haben deutlich. Damit gehen wir konsequent unseren Weg des Ausbaus neuer Geschäftsfelder weiter.
Sie haben MPD in erster Linie wegen ihres richtungweisenden Auftrages aus der Automobilindustrie für den "Abstandstempomat" gekauft. Können Sie bitte unseren Lesern erklären, welche Funktion dieses neue Produkt hat?
Dr. Giering: Das Produkt "Intelligenter Abstandstempomat" dient dazu, das Fahrzeug auf verschiedene Fahrzeugsituationen hin zu steuern, d.h. das Fahrzeug kann dann in einem fließenden Verkehr quasi "mitschwimmen". Diese Funktion ist im High-End-Bereich der Oberklasse bereits über ein Radarsystem realisiert. Das kostengünstigere optische System wird diese Funktion auch für die sogenannte Mittelklasse im Pkw-Bereich erschließen. Der zahlenmäßig große Bereich der Mittelklassefahrzeuge wird dann erstmalig Funktionen bekommen, die durchaus zu mehr Sicherheit im Fahrzeug führen, denn das Fahrzeug erkennt z.B. eigenständig Hindernisse und leitet die erste Bremsphase ein. Im Zusammenhang mit der MPD ist dazu zu sagen, dass die MPD langjähriger Partner und Dienstleister in diesem Projekt ist und wir mit der Akquisition MPD jetzt auch gegenüber unserem Kunden aus der Zulieferindustrie größeres Gewicht haben als in der Vergangenheit.
Welche Wachstumschancen rechnen Sie sich mit diesem Produkt aus?
Dr. Giering: Wir haben ja bereits vermeldet, dass der erste Auftrag aus diesem Bereich im Haus Silicon Sensor eingegangen ist. Die Lieferungen im größeren Umfang werden im 2.Halbjahr 2007 beginnen. Wir rechnen uns mit diesem Produkt ein starkes Wachstum aus und wir gehen davon aus, dass der Bereich Automobilindustrie im Konzern spätestens im Jahr 2009 etwa 30% des Umsatzvolumens erreichen wird- genauere Zahlen können wir aufgrund der unterschriebenen Geheimhaltungserklärung nicht bekannt geben.
Welche anderen hochinteressanten Produkte hat MPD noch mit in die "Ehe" gebracht?
Dr. Giering: Sie werden verstehen, dass ich zu den einzelnen Produkten der MPD jetzt noch nichts sagen werde, da wir mit der Geschäftsführung zur Zeit dabei sind abzustimmen, welche Vertragsformen in den einzelnen Bereichen vorliegen und welche Geheimhaltungsvereinbarungen getroffen worden sind. Ich kann Ihnen nur soviel sagen, dass die MPD bereits heute mit einem erheblichen Umsatzanteil im Bereich der Automobilindustrie vertreten ist und dort auch von den Kunden sehr geschätzt wird. Genau in diesem Bereich gibt es Entwicklungen, die im Rahmen der MPD getätigt wurden und die zu Zusatzumsätzen in den Folgejahren führen werden. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass wir Produkte entwickeln, die in dieser Art in Europa noch nicht auf dem Markt sind und für uns sehr viel Chancen für die Zukunft eröffnen.
Die Umsatzverschiebung bei einem Großkunden für optische Vermessungssysteme hat im 3. Quartal eine Delle verursacht, die Sie bereits im Frühjahr 2005 angekündigt haben. Wann kommen die Lieferungen mit diesem Kunden wieder auf das geplante Niveau?
Dr. Giering: Zu diesem Bereich muss ich sagen, dass wir Ende des Jahres 2004 mit dem Kunden gemeinsam den Forecast für 2005 abgestimmt hatten. Hier gab es einen Diktionswechsel bezüglich der vom Kunden adressierten Märkte, der dazu geführt hat, dass sich Liefervolumina in die Folgejahre verschieben und unser Umsatzvolumen in diesem Bereich zurückgegangen ist. Allerdings wird der Kunde bei einem erfolgreichen Markteintritt in die neuen Märkten ab etwa Mitte 2006 das angestrebte Volumen wieder erreichen bzw. übertreffen. Es handelt sich hierbei um ein preisgünstigeres Produkt mit deutlich größeren Stückzahlen, das abweichend von der bisherigen Markbearbeitung nicht mehr im professionellen Bereich, sondern im Consumer-Bereich Anwendung finden wird. Insofern kann man eigentlich nicht von einem Umsatzausfall sprechen, es geht vielmehr um eine Umsatzverschiebung.
Welchen Umsatz und welches Ergebnis erwarten Sie im laufenden Jahr?
Dr. Giering: Wir müssen im laufenden Jahr die Akquisition MPD verkraften. Wir sind dabei zu prüfen, in welcher Weise die Konsolidierung der MPD im Jahre 2005 das Ergebnis der Gruppe verändert. Diese Prüfungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Wir gehen davon aus, dass wir das Geschäftsjahr mit ca. 16 Mio. Euro Umsatz abschließen können, bei einem positiven Ergebnis von ca. 1,1 Mio. Euro. Dies bedeutet ein Ergebnis je Aktie von ca. 52 Cent, wobei die erhöhte Anzahl dividendenberechtigter Aktien aus der Kapitalerhöhung bereits berücksichtigt wurde. Wir liegen damit im Rahmen unserer Planungen und müssen betonen, dass die verstärkten Aufwendungen
ie fühlen Sie sich nach der Übernahme von MPD positioniert, um das internationale Geschäft anzugehen?
Dr. Giering: Wir fühlen uns gut gerüstet für das internationale Geschäft und können aus den Erfahrungen in der Vergangenheit feststellen, dass mit unserer Umsatzerweiterung auch immer neue Kundenklassen auf uns aufmerksam werden und sich zu einer Zusammenarbeit mit uns entschließen. Unsere Kunden lassen Sensoren speziell für ihre Bedürfnisse entwickeln, die wir ihnen dann auch in der Folge über Jahre hinaus planmäßig liefern. Hier besteht natürlich schon ein großer Unterschied, ob man einen Auftrag an ein Unternehmen mit 10 Mio. oder 30 Mio. Gesamtumsatz vergibt. Von daher glauben wir, dass die Umsatzerweiterung auch dazu führt, dass das Vertrauen der Kunden in unsere Leistungsfähigkeit und Wachstumsstabilität gestärkt wird und damit auch neue Felder erschlossen werden können.
Sie haben immer noch eine Aktie mit einem Nominalwert von 3 Euro. Warum stellen Sie nicht auf 1 Euro Nominalwert um?
Dr. Giering: Der Nominalwert von 3 Eure je Aktie ist ein "historisches Relikt". Es gab bei der letzten Kapitalerhöhung keine zwingende Notwendigkeit, eine Nominalwertumstellung durchzuführen. Zu gegebener Zeit können wir jedoch darüber nachdenken.
Wo könnte Ihrer Meinung nach der Aktienkurs von Silicon Sensor Mitte nächsten Jahres stehen?
Dr. Giering: Es ist nicht meine Aufgabe, den Aktienkurs zu beurteilen, Tatsache ist jedoch, dass wir mit der Übernahme der MPD in eine neue Größenklasse gewachsen sind, was sicherlich auch positive Auswirkungen auf den Aktienkurs haben sollte. Wir sind sicher, dass wir von unseren Kunden heute als interessanter Player im Markt sehr viel ernster genommen werden als noch vor drei Jahren. Zusätzlich können wir ein zunehmendes Interesse institutioneller Anleger an der Silicon Sensor Aktie registrieren, was durch die positiven Zukunftsaussichten begründet ist.bei www.wallstreet-online.de/ws/news/