Sektor-Fokus: Shop Till You Drop!
(©BörseGo - www.boerse-go.de)
"Der Fernseh-Hype"
Haben Sie in den letzten Wochen und Tagen CNBC TV oder Bloomberg Television genauer verfolgt?
Falls ja: Ist Ihnen aufgefallen, wie emphatisch allen voran die großen Full-Service Brokerhäuser Werten aus dem Einzelhandelssektor Bestnoten attestierten? Ja!? Ist es nicht zum Schmunzeln, wenn Analysten von Salomon Smith Barney, Paine Webber, Prudential, Merrill Lynch und Dean Witter Reynolds etc. ihre größten TV-Vertriebskanäle bevölkern wie tunesische Marktverkäufer den Bazar von Nabeul, um Ihnen diesen Modesektor als den "letzten Schrei" zu verkaufen?! Daß dabei nicht alles, was glänzt, Gold ist, versteht sich von selbst.
Es ist noch nicht allzu lange her, als Sie auf den Fernsehsendern von CNBC und Bloomberg einen vorbörslichen Hype einiger Pharmaaktien erleben konnten, der regelmäßig feste Notierungen in diesem Sektor nach sich zog. Seine Vervollkommnung erfuhr dieser "TV-Hype" in immer häufiger aufeinanderfolgenden nachbörslichen "Specials", in denen noch einmal die glänzenden Aussichten dieser Werte - mit entsprechenden Kurszielen - dargestellt wurden. "(Show)business as usual"... Zwei dieser Aktien waren zum Beispiel Schering-Plough (NYSE: SGP) und Merck (NYSE: MRK).
Was danach mit diesen Titeln zum Jahreswechsel passierte, sehen Sie anhand der folgend dargestellten Kursverläufe*:
Chart Merck & Co (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart Schering-Plough (Detailierte Ansicht hier clicken)
Das gleiche gilt übrigends für die kürzlich gehypten Broker-Aktien wie Goldman Sachs (NYSE: GS), Lehman Brothers (NYSE: LEH), Merrill Lynch (NYSE: MER) und Morgan Stanley Dean Witter (NYSE: MWD), die vor ein paar Tagen kräftig Federn ließen.
Chart Goldman Sachs (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart Lehman Brothers(Detailierte Ansicht hier clicken)
Chart Merrill Lynch (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart Morgan Stanley Dean Witter (Detailierte Ansicht hier clicken)
Was würden eigentlich Sie als "Sell-Side-Analyst" machen, wenn ein Hype sich zuspitzt und schließlich zu Ende geht? Natürlich, Sie haben vorgesorgt und zaubern schon das nächste "Hype-Kaninchen" aus dem Zylinder, welches Sie vor einiger Zeit als Kaninchen-Experte billig erworben haben. Zugegeben, Ihr hervorgezaubertes "Hype-Kaninchen" kommt nicht aus dem Nichts - denn einige wenige haben schon Bekanntschaft mit Ihrem Vierbeiner gemacht - aber der große Publikumssaal erfährt von Bunny erst, wenn die Kameras der wichtigsten Rundfunkanstalten auf Bunny und nochmal Bunny gerichtet sind, dann ist Showtime!
Das Timing der Hypes ist dabei natürlich eng mit der Entwicklung der Beziehung Wirtschaftszyklus/Börse und der damit verbundenen Sektorenrotation und anderen Faktoren gekoppelt. Denn schließlich will ein ganz bestimmter Bunny genau "in die Landschaft passen", sprich in der aktuellen Marktsituation seine Berechtigung finden, sonst würde keiner unseren smarten Vierbeiner wahrnehmen. Findet unser Hype aber ein Ende, so kann dies auch vorläufiger Art sein. Es muß also nicht endgültig sein. Ein endgültiger großer Hype kann selbstverständlich aus mehreren untergeordneten Hypes bestehen. Dazu holt man Bunny einfach immer wieder aus der Zauberkiste.
Momentum-Spekulation im Einzelhandelssektor
Auf welchen Hype konzentrierten sich Momentum-Spekulanten eigentlich in den letzten Tagen? Nun, ganz einfach: Schauen Sie CNBC TV und/oder Bloomberg TV! Vorgestern zählte ich auf CNBC sage und schreibe 14 Specials zum Einzelhandelssektor. Laut Analystenmeinung soll dieser sehr stark bleiben, noch über ein "sehr hohes Aufwärtspotential" verfügen und "langfristig äußerst interessant" sein. Vielleicht hört sich "Einzelhandel" für "New Economy"-gewöhnte Ohren langweilig an, aber in diesem Sektor existieren viele Werte, die sich in den letzten (wenigen) Monaten verdoppelt, verdreifacht und gar vervierfacht haben. Jedenfalls kam es am Tag darauf, also gestern, wie es kommen mußte bei so viel Hype: Der S&P Retail Index ($RLX) büßte satte 5,3% ein. Vielleicht verfügt dieser Sektor über weiteres Aufwärtspotential, aber das bestehende Risiko ist es definitiv nicht wert, sein Depot momentan mit Werten aus diesem Sektor zu bestücken. Vielmehr deutet der gestrige Tag an, daß die Masse der "Momentum-Spekulanten" erst jetzt angefangen hat, aus diesem Sektor zu rotieren.
Die Einzelhandelswerte sind beileibe kein "sicherer Hafen" mehr, wie sie es im letzten Jahr noch waren, geschweige denn Value-Aktien. Teilweise bewegen sich die KGV's vieler Einzelhandels- und Bekleidungswerte über 30,40 ja teilweise über 50. Und das bei einem Sektoren-KGV von 17-18 für das Fiskaljahr 2001 und bei einem Wachstum, das sich im einstelligen Bereich befindet. Buchwerte von über 10 sind keine Seltenheit. Im "Peer-Group-Vergleich" treten teilweise sieben- bis neunfache Bewertungsverhältnisse des KGV's auf. Nicht zu vergessen sind schrumpfende Margen, bedingt durch das Discount-Geschäft vom Dezember und Januar, mit dem die Lagervorräte abgebaut werden sollten.
Einige Werte sind mit extrem hohen Marktkapitalisierungen ausgestattet und können noch nicht einmal das berühmte "G" in KGV aufweisen. Das erinnert teilweise an Internetaktien im letzten Jahr. Letztendlich runden massive Insiderverkäufe - insbesondere in den letzten Wochen - das Bild ab; aber die Retail-Analysten und Fondsmanager lobpreisen ihre Einzelhandelswerte und Bekleidungswerte, so wie sie noch vor kurzem Pharmawerte und Brokeraktien für erstklassige Investments hielten.
Bei einem Verbrauchervertrauen, gemessen am Consumers' Confidence Index, das sich in der Nähe historischer Tiefststände bewegt, sind Konsumverzicht und erhöhte Sparbereitschaft nur eine logische Folge. Insbesondere dann, wenn wir einen Rekordstand der Verschuldung privater Haushalte verzeichnen. Außerdem: Wenn ich höre, daß die Notenbank meines Landes die Zinsen um 100 bps senkt, dann verfalle ich doch nicht in den Konsumrausch, sondern denke darüber nach, wie schlecht es um eine Volkswirtschaft bestellt sein muß, daß es zu solch einer massiven Zinssenkung überhaupt kam, und ob die FED nicht der tatsächlichen Entwicklung hinterherhinkt. Nein, keinesfalls stärkt diese Situation das Verbrauchervertrauen. Auch der Mythos der wirtschaftlichen Erholung ab der zweiten Jahreshälfte dürfte nach den jüngsten Wirtschaftsstatistiken und dem Beginn massenhafter Entlassungen viel von seinem Glanz verloren haben.
Clicken Sie hier, um eine kleine Auswahl von Einzelhandels- und Bekleidungstiteln einzusehen, die noch in den letzten Tagen auf CNBC TV gehypt wurden.
Übrigens, meine überspitzte "CNBC-Pauschalregel" lautet: Multiplizieren Sie alle Empfehlungen, die Sie auf CNBC TV hören mit minus 1 und dividieren Sie Kursziele durch 10! Damit liegen Sie, teilweise mit einer gewissen Zeitverzögerung, richtig. Ach, noch etwas von CNBC TV... Besitzen Sie Tabak-Aktien? Sieht so aus als würden Mr. Marlboro und Mrs. Camel gerade den Filter rauchen...
Chart Philip Morris (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart RJ Reynolds (Detailierte Ansicht hier clicken)
Bis zum nächsten Mal!
Ihr Hieronymus
* © 2001 Quote.com, Inc.
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"Der Fernseh-Hype"
Haben Sie in den letzten Wochen und Tagen CNBC TV oder Bloomberg Television genauer verfolgt?
Falls ja: Ist Ihnen aufgefallen, wie emphatisch allen voran die großen Full-Service Brokerhäuser Werten aus dem Einzelhandelssektor Bestnoten attestierten? Ja!? Ist es nicht zum Schmunzeln, wenn Analysten von Salomon Smith Barney, Paine Webber, Prudential, Merrill Lynch und Dean Witter Reynolds etc. ihre größten TV-Vertriebskanäle bevölkern wie tunesische Marktverkäufer den Bazar von Nabeul, um Ihnen diesen Modesektor als den "letzten Schrei" zu verkaufen?! Daß dabei nicht alles, was glänzt, Gold ist, versteht sich von selbst.
Es ist noch nicht allzu lange her, als Sie auf den Fernsehsendern von CNBC und Bloomberg einen vorbörslichen Hype einiger Pharmaaktien erleben konnten, der regelmäßig feste Notierungen in diesem Sektor nach sich zog. Seine Vervollkommnung erfuhr dieser "TV-Hype" in immer häufiger aufeinanderfolgenden nachbörslichen "Specials", in denen noch einmal die glänzenden Aussichten dieser Werte - mit entsprechenden Kurszielen - dargestellt wurden. "(Show)business as usual"... Zwei dieser Aktien waren zum Beispiel Schering-Plough (NYSE: SGP) und Merck (NYSE: MRK).
Was danach mit diesen Titeln zum Jahreswechsel passierte, sehen Sie anhand der folgend dargestellten Kursverläufe*:
Chart Merck & Co (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart Schering-Plough (Detailierte Ansicht hier clicken)
Das gleiche gilt übrigends für die kürzlich gehypten Broker-Aktien wie Goldman Sachs (NYSE: GS), Lehman Brothers (NYSE: LEH), Merrill Lynch (NYSE: MER) und Morgan Stanley Dean Witter (NYSE: MWD), die vor ein paar Tagen kräftig Federn ließen.
Chart Goldman Sachs (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart Lehman Brothers(Detailierte Ansicht hier clicken)
Chart Merrill Lynch (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart Morgan Stanley Dean Witter (Detailierte Ansicht hier clicken)
Was würden eigentlich Sie als "Sell-Side-Analyst" machen, wenn ein Hype sich zuspitzt und schließlich zu Ende geht? Natürlich, Sie haben vorgesorgt und zaubern schon das nächste "Hype-Kaninchen" aus dem Zylinder, welches Sie vor einiger Zeit als Kaninchen-Experte billig erworben haben. Zugegeben, Ihr hervorgezaubertes "Hype-Kaninchen" kommt nicht aus dem Nichts - denn einige wenige haben schon Bekanntschaft mit Ihrem Vierbeiner gemacht - aber der große Publikumssaal erfährt von Bunny erst, wenn die Kameras der wichtigsten Rundfunkanstalten auf Bunny und nochmal Bunny gerichtet sind, dann ist Showtime!
Das Timing der Hypes ist dabei natürlich eng mit der Entwicklung der Beziehung Wirtschaftszyklus/Börse und der damit verbundenen Sektorenrotation und anderen Faktoren gekoppelt. Denn schließlich will ein ganz bestimmter Bunny genau "in die Landschaft passen", sprich in der aktuellen Marktsituation seine Berechtigung finden, sonst würde keiner unseren smarten Vierbeiner wahrnehmen. Findet unser Hype aber ein Ende, so kann dies auch vorläufiger Art sein. Es muß also nicht endgültig sein. Ein endgültiger großer Hype kann selbstverständlich aus mehreren untergeordneten Hypes bestehen. Dazu holt man Bunny einfach immer wieder aus der Zauberkiste.
Momentum-Spekulation im Einzelhandelssektor
Auf welchen Hype konzentrierten sich Momentum-Spekulanten eigentlich in den letzten Tagen? Nun, ganz einfach: Schauen Sie CNBC TV und/oder Bloomberg TV! Vorgestern zählte ich auf CNBC sage und schreibe 14 Specials zum Einzelhandelssektor. Laut Analystenmeinung soll dieser sehr stark bleiben, noch über ein "sehr hohes Aufwärtspotential" verfügen und "langfristig äußerst interessant" sein. Vielleicht hört sich "Einzelhandel" für "New Economy"-gewöhnte Ohren langweilig an, aber in diesem Sektor existieren viele Werte, die sich in den letzten (wenigen) Monaten verdoppelt, verdreifacht und gar vervierfacht haben. Jedenfalls kam es am Tag darauf, also gestern, wie es kommen mußte bei so viel Hype: Der S&P Retail Index ($RLX) büßte satte 5,3% ein. Vielleicht verfügt dieser Sektor über weiteres Aufwärtspotential, aber das bestehende Risiko ist es definitiv nicht wert, sein Depot momentan mit Werten aus diesem Sektor zu bestücken. Vielmehr deutet der gestrige Tag an, daß die Masse der "Momentum-Spekulanten" erst jetzt angefangen hat, aus diesem Sektor zu rotieren.
Die Einzelhandelswerte sind beileibe kein "sicherer Hafen" mehr, wie sie es im letzten Jahr noch waren, geschweige denn Value-Aktien. Teilweise bewegen sich die KGV's vieler Einzelhandels- und Bekleidungswerte über 30,40 ja teilweise über 50. Und das bei einem Sektoren-KGV von 17-18 für das Fiskaljahr 2001 und bei einem Wachstum, das sich im einstelligen Bereich befindet. Buchwerte von über 10 sind keine Seltenheit. Im "Peer-Group-Vergleich" treten teilweise sieben- bis neunfache Bewertungsverhältnisse des KGV's auf. Nicht zu vergessen sind schrumpfende Margen, bedingt durch das Discount-Geschäft vom Dezember und Januar, mit dem die Lagervorräte abgebaut werden sollten.
Einige Werte sind mit extrem hohen Marktkapitalisierungen ausgestattet und können noch nicht einmal das berühmte "G" in KGV aufweisen. Das erinnert teilweise an Internetaktien im letzten Jahr. Letztendlich runden massive Insiderverkäufe - insbesondere in den letzten Wochen - das Bild ab; aber die Retail-Analysten und Fondsmanager lobpreisen ihre Einzelhandelswerte und Bekleidungswerte, so wie sie noch vor kurzem Pharmawerte und Brokeraktien für erstklassige Investments hielten.
Bei einem Verbrauchervertrauen, gemessen am Consumers' Confidence Index, das sich in der Nähe historischer Tiefststände bewegt, sind Konsumverzicht und erhöhte Sparbereitschaft nur eine logische Folge. Insbesondere dann, wenn wir einen Rekordstand der Verschuldung privater Haushalte verzeichnen. Außerdem: Wenn ich höre, daß die Notenbank meines Landes die Zinsen um 100 bps senkt, dann verfalle ich doch nicht in den Konsumrausch, sondern denke darüber nach, wie schlecht es um eine Volkswirtschaft bestellt sein muß, daß es zu solch einer massiven Zinssenkung überhaupt kam, und ob die FED nicht der tatsächlichen Entwicklung hinterherhinkt. Nein, keinesfalls stärkt diese Situation das Verbrauchervertrauen. Auch der Mythos der wirtschaftlichen Erholung ab der zweiten Jahreshälfte dürfte nach den jüngsten Wirtschaftsstatistiken und dem Beginn massenhafter Entlassungen viel von seinem Glanz verloren haben.
Clicken Sie hier, um eine kleine Auswahl von Einzelhandels- und Bekleidungstiteln einzusehen, die noch in den letzten Tagen auf CNBC TV gehypt wurden.
Übrigens, meine überspitzte "CNBC-Pauschalregel" lautet: Multiplizieren Sie alle Empfehlungen, die Sie auf CNBC TV hören mit minus 1 und dividieren Sie Kursziele durch 10! Damit liegen Sie, teilweise mit einer gewissen Zeitverzögerung, richtig. Ach, noch etwas von CNBC TV... Besitzen Sie Tabak-Aktien? Sieht so aus als würden Mr. Marlboro und Mrs. Camel gerade den Filter rauchen...
Chart Philip Morris (Detailierte Ansicht hier clicken) Chart RJ Reynolds (Detailierte Ansicht hier clicken)
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