Seifert: Wettbewerbsordnung für Börsen und Abwickl

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Seifert: Wettbewerbsordnung für Börsen und Abwickl Brummer

Seifert: Wettbewerbsordnung für Börsen und Abwickl

 
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"Missbrauch von Marktmacht nicht zu befürchten" - "Europas Wertpapierhandel effizienter als sein Ruf"

ck Frankfurt - Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse, Werner G. Seifert, hat am Montag eine Wettbewerbsordnung für die europäischen Börsen und Abwickler gefordert. Ein wichtiges Anliegen wäre eine Unterstützung Brüssels und der EU-Mitgliedsländer bei der Schaffung eines "geeigneten Wettbewerbsumfeldes", sagte Seifert auf der Jahreseröffnungsveranstaltung der Deutschen Börse in Frankfurt. Diese Wettbewerbsordnung sollte nicht nur die "kreative Zerstörung" ermöglichen, sondern auch Anreize schaffen, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse. Damit die Innovationsrate und die Investitionen das volkswirtschaftlich sinnvolle Niveau erreichten, müsse für Unternehmen im Börsen- und Abwicklungsgeschäft ein Preis winken, der sich lohne: hohe bis sehr hohe Marktanteile ohne Einschränkung der Wertschöpfungstiefe oder der organisatorischen Freiheitsgrade. Ein Missbrauch von Marktmacht sei nicht zu befürchten. Wo effizientere neue Wettbewerber in den Markt einträten und große Anteile an des Handel an sich ziehen könnten, seien temporäre Marktanteilskonzentrationen kein Problem.
Seifert wandte sich gegen den Vorwurf der Ineffizienz der europäischen Börsen- und Abwicklungslandschaft. Der Handel von Wertpapieren in Europa sei weitaus effizienter als sein Ruf. Die Fakten sprächen gegen die Behauptung, die europäischen Abwicklungskosten betrügen das zehnfache der amerikanischen. Bei grenzüberschreitenden Transaktionen über 200 000 Euro betrage das Verhältnis nicht 1 : 10, sondern 1 : 1,2.

Seifert trat ferner den Forderungen nach von Nutzern kontrollierten Abwicklungsstrukturen entgegen. Neueste Studien belegten, dass die europäischen Abwickler im Durchschnitt für eine Abwicklungstransaktion nur um etwa 8 % mehr verlangten als die amerikanische DTCC. Diese geringe Differenz sei bemerkenswert, denn die entsprechenden Volumina lägen in den USA um mehr als 200 % höher als in Europa. Das zeige, dass das Gesetz zunehmender Skaleneffekte durch intelligentere Technologie und die Einbettung der Abwicklung in einen schnellen und zuverlässigen Straight-Through-Prozess fast völlig aufgewogen werde. Hinter der Forderung nach "nutzerbestimmten Genossenschaften" stehe eine kleine Gruppe von Marktteilnehmern, die nur kleine Anteile an Eigentumsrechten an den existierenden Infrastruktur-Anbietern hielten und sich in der Vergangenheit nur mit kleineren Beträgen am Aufbau der effizienten Infrastruktur beteiligt hätten. Die Kritik an der vertikalen Integration komme fast ausschließlich aus einem bestimmten Teil Europas und dort von ganz bestimmten Marktteilnehmern, weil dort die Kapitalmarktinfrastruktur nicht aufeinander abgestimmt sei, was sich in höheren Transaktionskosten niederschlage.


Quelle: Börsen-Zeitung, 29.1.2002


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