SEC möchte Interessenkonflikte bei Analysten offen legen
Washington, 3. Juli (Bloomberg) - Die Securities and Exchange Commission denkt an eine neue Regel, dass Analysten auf eigene Vorteile aus ihren Aktienempfehlungen öffentlich hinweisen müssen. Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde will nach Aussage von David Levine, SEC-Stabschef unter der derzeitigen geschäftsführenden SEC-Vorsitzenden Laura Unger, verstärkte Kontrollen bei den Wertpapierhäusern vornehmen, falls es der Branche nicht gelingt, die nötige Selbstdisziplin aufzubringen. Schließlich stehe die Glaubwürdigkeit des Systems auf dem Spiel. Die neuen Pläne des Branchenverbandes National Association of Securities Dealers (NASD) zur Offenlegung möglicher Interessenkonflikte könnten ein Schritt zur Lösung des Problems darstellen.
Im Mittelpunkt steht die Untersuchung, ob Anleger letztes Jahr bei Börsengängen in den USA im Volumen von 61 Mrd. Dollar benachteiligt wurden, woran auch die Analysten nicht unschuldig waren. Während der Nasdaq Composite Index in de zwölf Monaten bis zum 1. Juli um 46 Prozent fiel, werden bei Morgan Stanley Dean Witter & Co. nach Erhebungen von First Call/Thomson Financial lediglich drei von 924 analysierten Unternehmen mit 'verkaufen' beurteilt. Merrill Lynch & Co. stuft nur zwölf von 1.259 Unternehmen mit 'verkaufen' ein.
"Ganz offensichtlich besteht ein ernsthaftes Konfliktpotential, wenn Analysten spezielle Interessen an einer Gesellschaft haben. Die Investoren müssen sich dessen bewusst sein", meint Mary L. Schapiro, Präsidentin der NASD Regulation Inc. Auch Kritiker im US-Kongress erklärten, die Objektivität der Analysten sei in Frage gestellt, wenn sie Aktien jener Unternehmen besitzen, die sie beobachten. Gleiches gelte, wenn die Entlohnung der Analysten von Folgegeschäften durch jene Unternehme abhinge, die sie bewerten. SEC und NASD werden keine endgültigen Vorschläge zur Lösung des Problems machen, bis der Kongress die die freiwilligen Richtlinien zur Selbstkontrolle geprüft hat.. "Aber die Aufseher müssen darauf vorbereitet sein, dass die Branche das Problem nicht in Eigenregie lösen kann", erklärte Levine.
Die Zweifel an der Objektivität der Analysten kamen nach Beschwerden gegenüber der SEC auf, in den Analyseabteilungen werde das Firmeninteresse über die Sorgen der Investoren und die Regeln der Fairness gestellt. Die SEC-Vorschriften zur fairen Publizität verbieten, ausgewählte Analysten vorab über wichtige Entwicklungen zu unterrichten. Einst war dies gängige Praxis, die den Kunden dieser Analysten entsprechende Handelsstrategien erlaubten. Die sich häufenden Beschwerden nach dem Kursverfall der Internet-Werte riefen auch den Kongress auf den Plan. Ein Kongress-Unterausschuss für Kapitalmärkte wurde ins Leben gerufen. Er plant Anhörungen und hat wiederum einen Experten-Ausschuss ernannt, der bis zum Jahresende prüfen soll, ob die einzelnen Firmenrichtlinien den Kongress-Empfehlungen genügen.
Diese Firmenrichtlinien orientieren sich an Vorschlägen der Securities Industry Association vom letzten Monat. David Levine und Richard Baker, der Vorsitzende des Kongress-Unterausschusses, äußerten vorsorglich Zweifel, ob die vorgeschlagenen SIA- Leitlinien ausreichend sind. Nach den SIA-Vorschlägen dürfen Analysten keine Banker als Vorgesetzte haben. Ihre Entlohnung soll unabhängig vom Investmentgeschäft sein. An der Ausarbeitung der Vorschläge waren 14 Wertpapierhäuser beteiligt. Davon meinten 13 - - darunter Merrill Lynch, Morgan Stanley und Goldman, Sachs & Co - -, sie bräuchten ihre Firmenpolitik nicht zu ändern, da sie den Standards bereits entspräche. Die Credit Suisse Group erklärte, die Bank werde die Standards einhalten, wenn 50 Analysten umgesetzt sind, die dem ehemaligen Technologiespezialisten Frank Quattrone unterstellt waren.
"Daraus schließe ich, dass sich die Marktpraxis nicht fühlbar ändern wird und dass strukturelle Änderungen notwendig sind", erläuterte Baker, republikanischer Abgeordneter aus Louisiana, in einem Interview. Baker wurde inzwischen durch Laura Unger über die entsprechenden SEC-Pläne unterrichtet. Sein Expertenausschuss wird sich Anfang August wieder zusammensetzen und die Analystenkonflikte diskutieren.
Vielleicht treffen die Vorschläge der NASD auf mehr Zustimmung. Sie sehen Hinweise auf Interessenkonflikte vor, wenn Analysten schriftlich, im Fernsehen oder bei öffentlichen Auftritten Aktienempfehlungen abgeben. Die Vorschläge werden den Verbandsmitgliedern bis 15. August zur Stellungnahme vorgelegt. Danach werden sie im NASD-Vorstand überarbeitet. Der Vorstand wird dann entscheiden, ob die Vorschläge zur Genehmigung der SEC vorgelegt werden.
Das Engagement der NASD geht auf Forderungen des früheren SEC- Vorsitzenden Arthur Levitt an den Verband und an die New York Stock Exchange zurück. Im letzten Dezember erklärte Levitt, seine Mitarbeiter würden zusammen mit Investmentbranche neue Regeln ausarbeiten. Die New York Stock Exchange hat im Gegensatz zur NASD noch keine öffentlichen Vorschläge gemacht. "Wenn uns die SEC auffordern sollte, sich des Problems wieder anzunehmen, machen wir das natürlich", erklärte NYSE-Sprecher Ray Pellecchia.
Die SEC-Entscheidung über eine eigene Analysten-Verordnung wird, so Baker, letztendlich der neue SEC-Vorsitzende treffen, und zwar nachdem der Expertenausschuss seine Arbeit beendet hat. Von US-Präsident George W. Bush wurde der Washingtoner Rechtsanwalt Harvey Pitt für das Amt nominiert. Seine Ernennung muss vom US- Senat bestätigt werden.
Washington, 3. Juli (Bloomberg) - Die Securities and Exchange Commission denkt an eine neue Regel, dass Analysten auf eigene Vorteile aus ihren Aktienempfehlungen öffentlich hinweisen müssen. Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde will nach Aussage von David Levine, SEC-Stabschef unter der derzeitigen geschäftsführenden SEC-Vorsitzenden Laura Unger, verstärkte Kontrollen bei den Wertpapierhäusern vornehmen, falls es der Branche nicht gelingt, die nötige Selbstdisziplin aufzubringen. Schließlich stehe die Glaubwürdigkeit des Systems auf dem Spiel. Die neuen Pläne des Branchenverbandes National Association of Securities Dealers (NASD) zur Offenlegung möglicher Interessenkonflikte könnten ein Schritt zur Lösung des Problems darstellen.
Im Mittelpunkt steht die Untersuchung, ob Anleger letztes Jahr bei Börsengängen in den USA im Volumen von 61 Mrd. Dollar benachteiligt wurden, woran auch die Analysten nicht unschuldig waren. Während der Nasdaq Composite Index in de zwölf Monaten bis zum 1. Juli um 46 Prozent fiel, werden bei Morgan Stanley Dean Witter & Co. nach Erhebungen von First Call/Thomson Financial lediglich drei von 924 analysierten Unternehmen mit 'verkaufen' beurteilt. Merrill Lynch & Co. stuft nur zwölf von 1.259 Unternehmen mit 'verkaufen' ein.
"Ganz offensichtlich besteht ein ernsthaftes Konfliktpotential, wenn Analysten spezielle Interessen an einer Gesellschaft haben. Die Investoren müssen sich dessen bewusst sein", meint Mary L. Schapiro, Präsidentin der NASD Regulation Inc. Auch Kritiker im US-Kongress erklärten, die Objektivität der Analysten sei in Frage gestellt, wenn sie Aktien jener Unternehmen besitzen, die sie beobachten. Gleiches gelte, wenn die Entlohnung der Analysten von Folgegeschäften durch jene Unternehme abhinge, die sie bewerten. SEC und NASD werden keine endgültigen Vorschläge zur Lösung des Problems machen, bis der Kongress die die freiwilligen Richtlinien zur Selbstkontrolle geprüft hat.. "Aber die Aufseher müssen darauf vorbereitet sein, dass die Branche das Problem nicht in Eigenregie lösen kann", erklärte Levine.
Die Zweifel an der Objektivität der Analysten kamen nach Beschwerden gegenüber der SEC auf, in den Analyseabteilungen werde das Firmeninteresse über die Sorgen der Investoren und die Regeln der Fairness gestellt. Die SEC-Vorschriften zur fairen Publizität verbieten, ausgewählte Analysten vorab über wichtige Entwicklungen zu unterrichten. Einst war dies gängige Praxis, die den Kunden dieser Analysten entsprechende Handelsstrategien erlaubten. Die sich häufenden Beschwerden nach dem Kursverfall der Internet-Werte riefen auch den Kongress auf den Plan. Ein Kongress-Unterausschuss für Kapitalmärkte wurde ins Leben gerufen. Er plant Anhörungen und hat wiederum einen Experten-Ausschuss ernannt, der bis zum Jahresende prüfen soll, ob die einzelnen Firmenrichtlinien den Kongress-Empfehlungen genügen.
Diese Firmenrichtlinien orientieren sich an Vorschlägen der Securities Industry Association vom letzten Monat. David Levine und Richard Baker, der Vorsitzende des Kongress-Unterausschusses, äußerten vorsorglich Zweifel, ob die vorgeschlagenen SIA- Leitlinien ausreichend sind. Nach den SIA-Vorschlägen dürfen Analysten keine Banker als Vorgesetzte haben. Ihre Entlohnung soll unabhängig vom Investmentgeschäft sein. An der Ausarbeitung der Vorschläge waren 14 Wertpapierhäuser beteiligt. Davon meinten 13 - - darunter Merrill Lynch, Morgan Stanley und Goldman, Sachs & Co - -, sie bräuchten ihre Firmenpolitik nicht zu ändern, da sie den Standards bereits entspräche. Die Credit Suisse Group erklärte, die Bank werde die Standards einhalten, wenn 50 Analysten umgesetzt sind, die dem ehemaligen Technologiespezialisten Frank Quattrone unterstellt waren.
"Daraus schließe ich, dass sich die Marktpraxis nicht fühlbar ändern wird und dass strukturelle Änderungen notwendig sind", erläuterte Baker, republikanischer Abgeordneter aus Louisiana, in einem Interview. Baker wurde inzwischen durch Laura Unger über die entsprechenden SEC-Pläne unterrichtet. Sein Expertenausschuss wird sich Anfang August wieder zusammensetzen und die Analystenkonflikte diskutieren.
Vielleicht treffen die Vorschläge der NASD auf mehr Zustimmung. Sie sehen Hinweise auf Interessenkonflikte vor, wenn Analysten schriftlich, im Fernsehen oder bei öffentlichen Auftritten Aktienempfehlungen abgeben. Die Vorschläge werden den Verbandsmitgliedern bis 15. August zur Stellungnahme vorgelegt. Danach werden sie im NASD-Vorstand überarbeitet. Der Vorstand wird dann entscheiden, ob die Vorschläge zur Genehmigung der SEC vorgelegt werden.
Das Engagement der NASD geht auf Forderungen des früheren SEC- Vorsitzenden Arthur Levitt an den Verband und an die New York Stock Exchange zurück. Im letzten Dezember erklärte Levitt, seine Mitarbeiter würden zusammen mit Investmentbranche neue Regeln ausarbeiten. Die New York Stock Exchange hat im Gegensatz zur NASD noch keine öffentlichen Vorschläge gemacht. "Wenn uns die SEC auffordern sollte, sich des Problems wieder anzunehmen, machen wir das natürlich", erklärte NYSE-Sprecher Ray Pellecchia.
Die SEC-Entscheidung über eine eigene Analysten-Verordnung wird, so Baker, letztendlich der neue SEC-Vorsitzende treffen, und zwar nachdem der Expertenausschuss seine Arbeit beendet hat. Von US-Präsident George W. Bush wurde der Washingtoner Rechtsanwalt Harvey Pitt für das Amt nominiert. Seine Ernennung muss vom US- Senat bestätigt werden.